Trotz weniger Plaque: Frauen mit ähnlich hohem Herzrisiko wie Männer10. März 2026 Die Herzen von Frauen reagieren offenbar sensibler auf eine Plaquebelastung. (Symbolfoto: ©dream@do/stock.adobe.com) Frauen haben oft eine geringeres Plaquevolumen als Männer. Ihr Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse ist dadurch aber offenbar nicht geringer, wie eine Studie in „Circulation: Cardiovascular Imaging“ andeutet. Es ist bekannt, dass sich die Plaquebildung bei Frauen und Männern unterscheidet. Frauen weisen typischerweise ein geringeres Plaque-Gesamtvolumen auf. Unklar ist jedoch, wie sich dieser Unterschied auf das Risiko schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse (MACE) auswirkt. Das untersuchten nun Wissenschaftler des Massachusetts General Hospital und der Harvard Medical School, beide in Boston (USA), unter Leitung von Dr. Jan Brendel anhand von Daten der Studie PROMISE. In der Untersuchung traten bei Frauen ähnliche MACE-Raten wie bei Männern auf – obwohl die Studienteilnehmerinnen ein geringeres Plaquevolumen und weniger Plaques mit Hochrisikomerkmalen aufwiesen. Die Ergebnisse unterstützen nach Ansicht der Studienautoren eine geschlechtsspezifische Interpretation der aus der Koronar-Computertomographie-Angiographie (CCTA) abgeleiteten Plaque-Metriken für ein rechtzeitiges Eingreifen bei Frauen. Vergleich von Frauen und Männern mit stabilen Brustschmerzen ohne KHK Brendel und Kollegen analysierten die Gesundheitsdaten von 4267 Teilnehmern (Durchschnittsalter 60 Jahre; 51 % Frauen) der PROMISE-Studie, um zu vergleichen, wie die Menge an Plaque das Risiko für schwere Herzerkrankungen beeinflusst. An PROMISE hatten Erwachsene mit stabilen Brustschmerzen ohne koronare Herzkrankheit in der Vorgeschichte aus 193 klinischen Zentren in den USA und Kanada teilgenommen. Die Probanden wurden randomisiert einer diagnostischen Untersuchung mittels CCTA unterzogen und etwa zwei Jahre lang beobachtet. Frauen: Höheres Herzrisiko bei geringeren Plaquewerten Im Ergebnis hatten weniger Frauen als Männer Plaques in ihren Koronararterien (55 % der Frauen gegenüber 75 % der Männer). Frauen hatten auch ein geringeres Volumen an Arterienplaques als Männer (ein Median von 78 mm3 bei Frauen gegenüber 156 mm3 bei Männern). Trotz des geringeren Plaquevolumens war die Wahrscheinlichkeit, an einer beliebigen Ursache zu sterben, einen nicht tödlichen Herzinfarkt zu erleiden oder wegen Brustschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, bei Frauen genauso hoch wie bei Männern (2,3 % der Frauen gegenüber 3,4 % der Männer). Darüber hinaus waren Frauen bei geringeren Plaquewerten einem höheren Herzrisiko ausgesetzt als Männer. So begann das Risiko bei Frauen bereits bei einer Plaque-Gesamtbelastung von 20 Prozent zu steigen, während das Risiko bei Männern erst bei 28 Prozent anstieg. Mit zunehmendem Plaquewert stieg das Risiko bei Frauen zudem stärker an als bei Männern. Risikodefinitionen bei Frauen überdenken „Unsere Ergebnisse unterstreichen, dass Frauen trotz geringerer Plaquemengen nicht vor koronaren Ereignissen ‚geschützt‘ sind“, sagt der leitende Autor Borek Foldyna, Assistenzprofessor für Radiologie an der Harvard Medical School. „Da Frauen kleinere Koronararterien haben, kann eine geringe Menge an Plaque eine größere Auswirkung haben. Ein moderater Anstieg der Plaquebelastung scheint bei Frauen ein unverhältnismäßig hohes Risiko mit sich zu bringen, was darauf hindeutet, dass die Standarddefinitionen für ein hohes Risiko das Risiko bei Frauen möglicherweise unterschätzen.“ „Aufgrund der offensichtlichen Unterschiede in den Risikoverläufen zwischen Männern und Frauen ist die Einbeziehung des Geschlechts und sogar des Alters in die Interpretation der Plaque-Messwerte ein wichtiger nächster Schritt hin zu einer individuelleren Risikobewertung“, meint Erstautor Brendel. „Diese Ergebnisse sind ein weiteres wichtiges Beispiel dafür, warum es unerlässlich ist, anzuerkennen, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen Männer und Frauen so unterschiedlich betreffen können“, sagt Dr. Stacey E. Rosen, ehrenamtliche Präsidentin der American Heart Association. Es sei längst überfällig, so Rosen, die grundlegenden biologischen Unterschiede in der Art und Weise anzuerkennen, wie sich Gesundheitszustände bei Frauen und Männern manifestieren. Diese Unterschiede könnten alles beeinflussen: von Risikofaktoren über Symptome bis hin zum Ansprechen auf Behandlungen. „Ich finde es ermutigend, dass immer mehr Forschungsarbeiten wie diese entstehen, während wir uns mit Möglichkeiten befassen, die Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei allen Menschen zu verringern“, betont die Herzspezialistin. (ah/BIERMANN)
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