Tumoren im Bereich von ZNS und Schädelbasis: Hohe Treffsicherheit der Protonentherapie schont Umgebungsgewebe15. März 2024 Bildquelle: MedAustron Die Häufigkeit von strahlungsinduzierter Kontrastverstärkung im gesunden Gewebe nach Protonenstrahl-Therapie von Tumoren im Bereich des Zentralnervensystems (ZNS) ist gering. Das ist das Ergebnis einer Studie am MedAustron, in der die Nebenwirkungen durch Behandlungen von Tumoren im ZNS oder nahe der Schädelbasis untersucht wurden. Das MedAustron ist das Zentrum für Ionentherapie und Lehr- und Forschungsstandort der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften Die aktuell publizierten Ergebnisse zeigen auch, dass der klinische Verlauf dieser Veränderung meistens unauffällig ist und die Lebensqualität Betroffener nicht beeinträchtigt. Untersucht wurde darin das Auftreten und der Verlauf einer als Radiation-Induced Contrast Enhancement bezeichneten Auffälligkeit in der Nähe der bestrahlten Tumoren. Die Studie umfasst dabei 421 Patienten, die innerhalb eines Zeitraums von 4 Jahren therapiert wurden. In der Krebsbehandlung ist die Partikeltherapie der neueste Stand der Technik. Dabei werden geladene Teilchen wie Protonen (oder Kohlenstoffionen) mit hoher Energie auf die Tumore gerichtet, um diese zu zerstören. Ein großer Vorteil dieser Therapieform ist, dass die Teilchenstrahlen an einer bestimmten Stelle im Gewebe gestoppt werden können, wodurch die Belastung des gesunden Gewebes verringert wird. Zu bekannten Wirkungen auf das umliegende Gewebe gehört eine als RICE (Radiation-Induced Contrast Enhancement) bezeichnete Abweichung, die in bildgebenden Verfahren einen starken Kontrast zeigt. Wie häufig, wann, mit welchem Verlauf und mit welchen Auswirkungen auf die Lebensqualität diese Veränderungen auftreten, wurde nun in einer Studie am MedAustron untersucht. Der Fokus lag dabei auf der Behandlung von Tumoren des ZNS oder in der Nähe der Schädelbasis. Selten und Symptomlos „In unserer Studie untersuchten wir die Verläufe von 421 Betroffenen, die in den Jahren 2017 bis 2021 mittels Protonenstrahlen behandelt wurden“, erläutert Dr. Carola Lütgendorf-Caucig, Erstautorin der Studie und Klinische Direktorin Radioonkologie sowie Direktorin für Pädiatrische und ZNS-Partikeltherapie am MedAustron. „Zusammengefasst zeigt sich, dass die Gesamthäufigkeit von RICE mit 15 Prozent gering und die Verläufe in den meisten Fällen symptomlos waren. Weiterführende Studien zeigten auch, dass Betroffene keine Beeinträchtigung der Lebensqualität durch RICE erfuhren.“ Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass der mittlere Wert (Median) von RICE-Dauer 9 Monate betrug. Der große Umfang der Studie ermöglichte auch komplexe statistische Auswertungen, die weitere Einblicke zu RICE gewährten. So interessierte sich das Studienteam besonders für den Einfluss von Vorbehandlungen oder -erkrankungen auf das Auftreten und den Verlauf von RICE – eine Frage, deren Beantwortung für die sorgfältige Planung des Einsatzes einer Protonenstrahl-Behandlung von Wichtigkeit ist. „Wir konnten dabei zwei wichtige Faktoren identifizieren“, erklärt Prof. Petra Georg, Leiterin der Klinischen Abteilung für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Krems, einem Lehr- und Forschungsstandort der KL Krems, und Letztautorin der Studie. „Insbesondere eine vorherige Strahlungsbehandlung des Tumors hatte Auswirkungen. Tatsächlich zeigte sich, dass dies das Risiko eines symptomatischen Verlaufs von RICE erhöhte. Das jedoch als einziger der untersuchten Faktoren.“ Des Weiteren stellte das Forschungsteam fest, dass eine Diabetes-Vorerkrankung die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von RICE ansteigen ließ. Faktoren wie Geschlecht und Alter (u.a.) spielten hingegen keine ausschlaggebende Rolle. Reversibles RICE Die nun im „International Journal of Radiation Oncology“ veröffentlichte Studie belegt eindrucksvoll die Sicherheit einer Protonenstrahl-Therapie in Bezug auf das den Tumor umgebende Gewebe. Sie trägt auch maßgeblich dazu bei, die Auswirkungen radiologischer Tumorbehandlungen besser zu differenzieren. Tatsächlich gibt es bei diesen Arten der Krebsbehandlung verschiedene Effekte auf das umliegende (gesunde) Gewebe, die sich in bildgebenden Verfahren kontrastreich darstellen. „Derzeit werden diese in der offiziellen Terminologie für Nebenwirkungen oftmals unter dem Begriff ‘Strahlungsnekrose’ zusammengefasst“, führt Lütgendorf-Caucig aus. „Doch Nekrosen sind Gewebeschäden, die nicht mehr heilen, während die als RICE bezeichneten Gewebsauffälligkeiten reversibel und – wie wir indessen zeigen konnten – oftmals auch klinisch asymptomatisch sind.“ Die Publikation der beiden Partner im NÖ Forschungsnetzwerk Onkologie – MedAustron und KL Krems – belegt zusammenfassend die Sicherheit der Protonenstrahlen-Therapie für umliegendes Gewebe. Darüber hinaus liefert sie die Grundlage für eine bessere, klinisch relevante Einordnung von strahlenbedingten Gewebeveränderungen. Über MedAustron MedAustron in Wiener Neustadt ist eines der modernsten Zentren für Partikeltherapie und Forschung in Europa. Mit Protonen und Kohlenstoff-Ionen werden Patienten mit dieser innovativen Form der Strahlentherapie behandelt. Weltweit gibt es nur sechs Zentren, die die Ionentherapie mit Protonen und Kohlenstoff-Ionen an einem Ort anbieten. MedAustron versteht sich als interdisziplinäres und überregionales österreichisches Zentrum und ist auf die Krebsbehandlung mit Ionen, die Erforschung und Weiterentwicklung dieser neuen Therapieform sowie die Forschung mit Ionen- und Protonenstrahlen spezialisiert. In der interdisziplinären onkologischen Forschung ist die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften der akademische Partner. .
Mehr erfahren zu: "Lungenkrebs-Screening bei Ex-Rauchern: Risikoadaptierte Strategie sinnvoll" Lungenkrebs-Screening bei Ex-Rauchern: Risikoadaptierte Strategie sinnvoll Ein Team vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) hat eine neue, risikoadaptierte Strategie für den Start des Lungenkrebs-Screenings bei ehemaligen starken Rauchern entwickelt. Ziel ist es, den Beginn der Früherkennung nicht pauschal […]
Mehr erfahren zu: "Prävention von Brustkrebsrezidiven: Ruhende Tumorzellen gezielt bekämpfen" Prävention von Brustkrebsrezidiven: Ruhende Tumorzellen gezielt bekämpfen Brustkrebsrezidive könnten sich laut einer randomisierten Phase-II-Studie (NCT03032406) möglicherweise mit Hydroxychloroquin plus Everolimus verhindern lassen.
Mehr erfahren zu: "Darmpolypen: DNA-Tests verbessern den Einblick in erbliche Risiken" Darmpolypen: DNA-Tests verbessern den Einblick in erbliche Risiken Bei fünf bis zehn Prozent der Darmkrebspatienten spielen erbliche Faktoren eine Rolle. Dabei ist der Anteil bei jüngeren Personen höher. Die DNA-Analyse von Darmpolypen liefert wichtige zusätzliche Informationen über die […]