Tumorpatienten und betreuendes Personal weisen selten SARS-CoV-2-Antikörper auf

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Das medizinische Personal ist durch häufige Patienten-Kontakte einem erhöhten Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 ausgesetzt. Zur Risikopopulation zählen aber auch Tumorpatienten auf onkologischen Stationen. Ein Forschungsteam um Thorsten Füreder von der MedUni Wien und vom AKH Wien konnte in einer Studie nachweisen, dass nur wenige Ärzte, Pfleger und Patienten Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus aufweisen.

Um eine eventuell bestehende Immunität infolge einer (asymptomatisch verlaufenen) COVID-19-Erkrankung bei medizinischem Personal und Krebspatienten aufzuzeigen, führte der Onkologe Thomas Füreder eine Studie zur Erhebung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 durch.

Füreder: „Unsere Ausgangsfrage war, ob Mitarbeiter und Patienten bereits Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet hätten, also bereits mit SARS-CoV-2 in Kontakt gekommen und eventuell sogar selbst infektiös gewesen sein könnten.“ Für die Untersuchung wurde ein in den USA zugelassenes, validiertes Testverfahren am Klinischen Institut für Labormedizin von MedUni Wien und AKH Wien eingesetzt.

Zusätzlich musste von allen Studienteilnehmern ein strukturierter Fragebogen zu grundlegenden demographischen Parametern, zur individuellen Reisegeschichte und zu eventuellen COVID-19-assoziierten Symptomen ausgefüllt werden. Insgesamt wurden 146 Probanden (62 Ärzte und Pflegepersonal sowie 84 Krebspatienten) in die Studie aufgenommen.

Als Resultat zeigte sich entgegen der Erwartung der Forschern, dass bei nur zwei von insgesamt 84 Patienten und nur bei zwei von insgesamt 62 Mitarbeitern der Klinischen Abteilung für Onkologie Antikörper gegen COVID-19 festgestellt werden konnten. Somit ist nachweisbar, dass ein Großteil von Patienten und Mitarbeitern an der Klinischen Abteilung für Onkologie nicht gegen eine COVID-19-Infektion immun sind oder diese bereits durchgemacht haben.

Spezifische SARS-CoV-2-Antikörper wurden nur bei Personen nach einer dokumentierten SARS-CoV-2-Virusinfektion gefunden, was die hohe Sensitivität und Spezifität der Testmethoden unterstützt.

Füreder betont: „Unsere Studie unterstreicht, dass alle an der Abteilung getroffenen Maßnahmen wie das Tragen von Masken, das regelmäßige Testen von Patienten und Mitarbeitern sowie Zugangsbeschränkungen, die Patienten und das medizinische Personal geschützt haben“.

Nun gelte es, all diese Maßnahmen weiterhin zu befolgen und auch allgemeine Akzeptanz dafür voraussetzen zu können.

Publikation: SARS-CoV-2 seroprevalence in oncology healthcare professionals and patients with cancer at a tertiary care centre during the COVID-19 pandemic. Thorsten Fuereder, Sophie Berghoff, Gerwin Heller, Helmuth Haslacher, Thomas Perkmann, Robert Strassl, Julia Maria Berger, Christina Puhr, Judith Kreminger, Florian Moik, Lorenz Schubert, Angelika Martina Starzer, Ariane Steindl, Stefan Winkler, Matthias Preusser, Selma Tobudic. https://esmoopen.bmj.com/content/5/5/e00088