Tweets zu Suizidprävention können Suizide verhindern4. Januar 2023 Foto: © zakokor – stock.adobe.com Social-Media-Inhalte über die Prävention und Bewältigung von suizidalen Krisen können die Anzahl von Kontakten bei Hilfseinrichtungen erhöhen. Das zeigt eine Analyse von rund sieben Millionen Postings zu den Themen Suizid und Suizidprävention auf Twitter durch Wiener Wissenschaftler. Für die exakte Analyse der 7.150.610 Tweets, die im Beobachtungszeitraum von zwei Jahren zu den Themen Suizid und Suizidprävention gepostet wurden, nützten die Forscher sogenannte Deep-Learning-Modelle. Mithilfe dieser Methode kann im Gegensatz zu den in früheren Studien verwendeten Tools nicht nur das Vorkommen einzelner Worte, sondern auch der Kontext analysiert werden, in dem diese Begriffe verwendet werden. „Da Worte in bestimmten Zusammenhängen unterschiedliche Bedeutungen haben können, erzielen wir mit dem Deep-Learning-Modell wesentlich genauere Ergebnisse“, verdeutlicht Hannah Metzler vom Complexity Science Hub Vienna und vom Institut für Wissenschaft Komplexer Systeme der MedUni Wien die Besonderheit der speziell für die Forschungen entwickelten Methode. Weiterer Nachweis für „Papageno-Effekt“ Damit erbrachten die Wissenschafter um Studienleiter Thomas Niederkrotenthaler von der Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin des Zentrums für Public Health der MedUni Wien einen weiteren messbaren Nachweis für das in der Wissenschaft „Papageno-Effekt“ genannte Phänomen, dass Inhalte mit Informationen zur Suizidprävention die Zahl der Suizide verringern können: „Besonders Tweets über die eigene Bewältigung einer suizidalen Krise weisen ein enormes Potenzial auf, Menschen in ähnlicher Lebenslage dazu zu bringen, in Kontakt mit einer Hilfseinrichtung zu treten“, nennt Niederkrotenthaler ein wesentliches Detail der Forschungen. Darüber hinaus zeigt die Studie erneut, dass in Zeiten besonders hoher medialer Präsenz des Themas Suizid auf Twitter auch die Zahl der Suizide steigt („Werther-Effekt“): „Gerade wenn im Kontext von aufsehenerregenden Suiziden sehr viel in sozialen Medien gepostet wird, besteht die Gefahr, dass dadurch vulnerable Personen tiefer in die Krise schlittern und es zu einem Anstieg der Suizide kommt“, ruft Niederkrotenthaler weiterhin zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem Thema auf. Trotz des mittlerweile enormen Einflusses von Social Media vor allem auch auf den Umgang mit suizidalen Krisen gab es bisher kaum Forschungen mit aussagekräftigen Datenmengen dazu. „Unsere Arbeit ist die erste groß angelegte Studie, die darauf hindeutet, dass das tägliche Volumen spezifischer auf die Suizidprävention bezogener Tweets mit einem höheren täglichen Niveau von hilfesuchendem Verhalten und einer geringeren täglichen Anzahl von Suizidtoten einhergeht“, fasst Niederkrotenthaler die Studienergebnisse zusammen.
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