Typ-1-Diabetes: DDG fordert mehr Prävention für Kinder

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Mangelndes Wissen in der Bevölkerung über Diabetes, seine Symptome und Folgen führe noch immer zu einer verzögerten Behandlung, teilt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) mit. Zudem fehle es gerade in der Notversorgung an Wochenenden und Feiertagen oft an pädiatrischer Expertise, heißt es weiter.

Eine aktuell erschienene Publikation der DDG zeigt, dass von 2011 bis 2023 die Zahl der Fälle diabetischer Ketoazidose (DKA) bei Kindern und Jugendlichen deutlich zugenommen hat – insbesondere in den Jahren 2020 bis 2022.1 Als Daten-Grundlage für die Untersuchung diente das DPV-Register, in dem etwa 93 Prozent aller pädiatrischen Patientinnen und Patienten mit Diabetes Typ 1 in Deutschland erfasst sind. „Die Ursachen für die Zunahme der DKA-Fälle sind sicher multifaktoriell: Überlastung des Gesundheitssystems, mangelnde pädiatrische Expertise, verspätetes Aufsuchen medizinischer Einrichtungen und Verkennung von Ketoazidose-Symptomen“, zählt Prof. Andreas Neu, Past-Präsident der DDG, auf. „Was uns besonders beschäftigt und schockiert ist, dass die Daten einen seit Jahren anhaltenden Trend aufzeigen. Diese Entwicklung müssen wir dringend stoppen“, fügt er hinzu.

Neben der Stärkung der Versorgungsstrukturen müsse vor allem bei Angehörigen, aber auch bei medizinischem Personal, in Kitas und Schulen mehr Aufklärungsarbeit stattfinden, so die DDG. Zu überlegen wäre auch ein Massenscreening auf Frühstadien des Diabetes Typ 1, was jedoch kontrovers diskutiert wird, heißt es weiter.

An Wochenenden, Feiertagen und in Urlaubszeiten deutlich seltener Diagnosen

Dass offenbar zu wenig öffentliches Bewusstsein für die Symptome des Diabetes Typ 1 und eine DKA besteht, zeige eine weitere aktuelle Studie. Diese widmete sich den Diagnosezeitpunkten eines Diabetes Typ 1.2 Die Autoren gingen der Frage nach, an welchen Wochentagen vermehrt Diabetesdiagnosen gestellt werden. Das Ergebnis: An Wochenenden, Feiertagen und in Urlaubszeiten werden deutlich seltener Diagnosen gestellt als an Wochentagen – somit steige zu diesen Zeiten die Gefahr für eine DKA. Montags und dienstags werden die meisten Diagnosen gestellt. „Es kommen sicher mehrere Faktoren zusammen, die diese Beobachtung erklären: zum einen ist an Wochentagen medizinisches Personal besser verfügbar und die Angehörigen schieben die Vorstellung beim Arzt daher auf. Das erklärt auch die hohen Diagnosezahlen zum Wochenbeginn. Zum anderen ist den Eltern dann auch nicht bewusst, welcher Gefahr das Kind ausgesetzt ist“, betont Neu. Hier spiele wiederum die mangelnde Kenntnis der Symptome eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus sei die bereitschaftsdienstliche Notfallversorgung oft nicht speziell pädiatrisch geschult, sondern decke eher ein breites Spektrum an Fachwissen ab. „Damit ist die Gefahr erhöht, die Symptome falsch zu interpretieren“, gibt Neu zu bedenken.

Anlässlich der Urlaubszeit weist die DDG auf die typischen Symptome eines Diabetes Typ 1 und einer diabetischen Ketoazidose hin, um das Bewusstsein der Familien für die Stoffwechselerkrankung zu schärfen.