Übergewicht treibt Diabetes bei Frauen und Männern unterschiedlich an

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Studien zeigen: Adipositas wirkt sich bei Frauen und Männern unterschiedlich auf den Stoffwechsel und den Weg zum Diabetes aus. Die DDG plädiert dafür, die Wechselwirkung von Übergewicht und Diabetes stärker geschlechtsspezifisch zu betrachten.

Übergewicht gilt als einer der wichtigsten Treiber für Typ-2-Diabetes. Doch derselbe Body-Mass-Index (BMI) geht nicht bei allen Menschen mit demselben Risiko einher, tatsächlich einen Diabetes zu entwickeln. Frauen haben bei identischem BMI im Durchschnitt einen höheren Körperfettanteil als Männer. Gleichzeitig unterscheidet sich die Fettverteilung im Körper zwischen den Geschlechtern deutlich. So sammeln sich überschüssige Pfunde bei Männern häufiger in Form des stoffwechselaktiven viszeralen Fettgewebes an, das eine Insulinresistenz fördert und das Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Bei Frauen hingegen lagert sich Fett zunächst häufiger als subkutanes Fettgewebe an Hüften und Oberschenkeln ab und wirkt weniger stark auf den Stoffwechsel.

„Der BMI allein reicht nicht aus, um das individuelle Diabetesrisiko zu beurteilen“, sagt Prof. Julia Szendrödi, Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und Ärztliche Direktorin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie, Stoffwechselerkrankungen und Klinische Chemie am Universitätsklinikum Heidelberg. „Entscheidend ist auch, wo sich Fett im Körper verteilt.“

Männer erkranken früher – Frauen oft erst bei stärkerem Übergewicht

Untersuchungen zeigen, dass Männer im Durchschnitt drei bis vier Jahre früher an Typ-2-Diabetes erkranken als Frauen. Die Diagnose erfolgt bei ihnen häufig bereits bei einem um etwa 1 bis 3 kg/m² niedrigeren BMI.

Frauen entwickeln die Erkrankung dagegen meist später im Leben und häufig erst bei stärkerem Übergewicht. Gleichzeitig zeigen viele Patientinnen bei der Diagnose bereits ausgeprägtere Stoffwechselstörungen, etwa eine stärkere Insulinresistenz. „Viele Patientinnen haben bereits über Jahre eine unerkannte Insulinresistenz entwickelt, bevor die Erkrankung diagnostiziert wird“, so Szendrödi und begründet: „Aus der Praxis wissen wir, dass Frauen im mittleren Lebensalter ihre eigene Gesundheit oft durch anfallende Care-Arbeit in der Familie vernachlässigen.“

Schwangerschaft, Hormone, Wechseljahre – wann Übergewicht besonders wirkt

Bei Frauen beeinflussen bestimmte Lebensphasen das Risiko zur Entstehung eines Diabetes zusätzlich. Dazu gehören Schwangerschaft, hormonelle Veränderungen und die Menopause.
So erhöht ein Gestationsdiabetes das Risiko für einen späteren Typ-2-Diabetes deutlich. Studien zeigen, dass betroffene Frauen im späteren Leben etwa siebenmal häufiger an Typ-2-Diabetes erkranken. Auch das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) geht mit einem deutlich erhöhten Risiko einher. Betroffene entwickeln etwa viermal häufiger einen Typ-2-Diabetes.

Mit den Wechseljahren verändert sich der Stoffwechsel erneut. Sinkende Östrogenspiegel führen dazu, dass sich Fett häufiger im viszeralen Fettgewebe sammelt. Gleichzeitig steigt die Insulinresistenz. Studien zeigen zudem, dass eine frühe Menopause das Risiko für Typ-2-Diabetes um etwa 30 Prozent erhöhen kann. „Mit der Menopause und dem sinkenden Östrogenspiegel verlieren viele Frauen einen Teil ihres natürlichen Stoffwechselschutzes“, sagt Szendrödi. „Vorhandenes Übergewicht wirkt dann stärker auf den Zuckerstoffwechsel.“

Risiken für diabetische Folgeerkrankungen sind bei Frauen größer

Auch ist bekannt, dass Frauen mit Diabetes wichtige Behandlungsziele seltener erreichen – etwa für Blutzucker, Blutdruck oder Blutfette. Dadurch steigt ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stärker als bei Männern. „Vor den Wechseljahren sind Frauen meist besser vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen geschützt als Männer“, sagt Szendrödi. „Typ-2-Diabetes kann diesen Vorteil weitgehend aufheben. Dadurch steigt das Risiko für Herzinfarkt und andere Gefäßerkrankungen deutlich.“

Prävention muss Übergewicht und Diabetes gemeinsam betrachten

Aus Sicht der DDG sollten geschlechtsspezifische Unterschiede in der medizinischen Versorgung stärker berücksichtigt werden. Dazu gehört ein gezieltes Screening bei Frauen mit erhöhtem Risiko, etwa nach Gestationsdiabetes oder bei hormonellen Erkrankungen. Auch Lebensphasen wie die Menopause sollten stärker in Präventionsstrategien einbezogen werden.

„Die Medizin darf Unterschiede zwischen Frauen und Männern nicht ignorieren“, sagt Szendrödi. „Eine geschlechtersensible Prävention und Therapie kann helfen, Diabetes bei Frauen früher zu erkennen und Komplikationen zu vermeiden.“

Die Fachgesellschaft begrüßt daher die vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) ausgerufene Initiative, die Frauengesundheit mehr in den Fokus zu rücken. Gleichzeitig betont sie, dass auch die Prävention und Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes stärker gemeinsam gedacht werden und durch konkrete politische, verhältnispräventive Maßnahmen angegangen werden müssen.