Übergewichtig und zugleich mangelernährt22. Februar 2019 Fastfood enthält viele Kalorien, aber nur wenige Mikronährstoffe. (Foto: © Monkey Business – Fotolia.com) Gleichzeitig übergewichtig und mit Nährstoffen unterversorgt sein: Dieses als „double burden“ bezeichnete Phänomen als besondere Form des verborgenen Hungers ist Thema des 4. Internationalen Hidden Hunger Kongresses, der vom 27. Februar bis 1. März 2019 in Stuttgart stattfindet. Das Doppelproblem von Mangelernährung und Übergewicht trifft arme und reiche Länder gleichermaßen, betont Prof. Hans-Konrad Biesalski von der Universität Hohenheim. Die Gründe dafür seien global die Gleichen: „Fastfood ist günstig und energiereich. Viele Menschen wissen nicht, dass es gleichzeitig sehr vitaminarm ist.“ Der Genuss von Burger & Co. führe daher zu Übergewicht, versorge vor allem Kinder aber nicht mit ausreichend vielen Nährstoffen. „Fünfzehn Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben Übergewicht, ungefähr sechs Prozent von ihnen werden als fettleibig eingestuft. Bei Kindern aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status ist der Wert fast dreimal so hoch“, warnt Biesalski. Doch nicht nur Übergewicht, sondern ebenso der sogenannte versteckte Hunger sind auch in Deutschland ein Problem, weiß der Ernährungsmediziner: „Untersuchungen an 350 deutschen Kindern im Alter von 1-3 Jahren haben einen deutlichen Mangel an Mikronährstoffen gezeigt.“ Den Kindern mangele es vor allem an Kalzium, Eisen, Jod, Zink, Vitamin D und Vitamin E. „Wir können dem Problem nur durch Aufklärung entgegenwirken“, erklärte Biesalski. „Außerdem können staatliche Regulationen ungesunde Lebensmittel unattraktiver machen und so Kinder aus einkommensschwachen Familien schützen.“ Eine Zuckersteuer beispielsweise könnte dem Problem entgegenwirken. Versteckter Hunger – ein weltweites Problem Der sogenannte versteckte Hunger tritt nicht nur in Deutschland auf. Weltweit leiden circa zwei Milliarden Menschen an einem Mikronährstoffmangel, Kinder sind besonders betroffen. Gleichzeitig nehme die Zahl derer zu, die an Übergewicht und Fettleibigkeit leiden. „Auch in Schwellen- und Entwicklungsländern sind immer mehr Menschen von Übergewicht und Fettleibigkeit betroffen“, erkärte Prof. Regina Birner vom Institut für Tropische Agrarwissenschaft. Das bedeute nicht, dass keine Unterversorgung vorliege. „Einseitige und falsche Ernährung können gleichzeitig zu Übergewicht und einem Mangel an Mikronährstoffen führen.“ Dieses Phänomen bezeichnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Double Burden of Malnutrition. Auf dem 4. Internationalen Hidden Hunger Kongress diskutieren Experten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft die Möglichkeiten, der Double Burden entgegenzuwirken.
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