Umfrage: Diabetes kommt im Medizinstudium zu kurz5. September 2019 Foto: © rh2010, AdobeStock Mit der steigenden Zahl an Diabeteserkrankungen wird auch der Bedarf an ärztlichem Fachpersonal, das Diabetespatientinnen und -patienten betreut, wachsen. Eine Umfrage der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zeigt jedoch, dass diabetesbezogene Inhalte im Medizinstudium häufig zu kurz kommen. Darüber hinaus gibt es nur acht klinische Lehrstühle für Diabetologie mit Direktionsrecht an 36 staatlichen medizinischen Fakultäten. Aufgrund dieser Tendenzen sieht die DDG die Versorgung der Patienten gefährdet und fordert eine Nationale Diabetes-Strategie, die auch die Ausbildung des diabetologischen Nachwuchses fördert. In Deutschland sind derzeit mehr als sieben Millionen Menschen an Diabetes mellitus erkrankt. Nach Expertenschätzungen steigt die Zahl der Diabetespatienten in den kommenden Jahren auf bis zu zwölf Millionen, sofern nicht wirksam gegengesteuert wird. „Vor dem Hintergrund dieser alarmierenden Prognose sollten wir unbedingt Maßnahmen für eine gute Vorbeugung und optimale Behandlung der Volkskrankheit ergreifen“, erklärt Professor Dr. med. Baptist Gallwitz. Dazu zählt für den Mediensprecher der DDG insbesondere auch die ärztliche Nachwuchsgewinnung und -qualifizierung. Die erscheint verbesserungswürdig, wie eine Umfrage der DDG unter Studierenden, Studierenden im Praktischen Jahr sowie Lehrbeauftragten zeigt. Insgesamt 202 Teilnehmer gaben Auskunft zur Verankerung von diabetologischen Themen im Medizinstudium. Zentrales Ergebnis der Umfrage: Nur die Hälfte der Befragten erachtete das aktuelle Lehrangebot in Bezug auf Themen der Diabetologie als ausreichend. Auch gab lediglich die Hälfte der Befragten an, sich in Behandlungsentscheidungen bei Diabetes sicher zu fühlen. Die Antworten machen ferner deutlich, dass Diabetes vor allem in der Vorlesung für Innere Medizin abgehandelt und nicht als Querschnittsfach gelehrt wird, das auch Kenntnisse etwa der Augenheilkunde, Neurologie und Gefäßchirurgie erfordert. Über Möglichkeiten zu praktischen Erfahrungen durch Hospitation, Famulatur oder Praktika waren 60 Prozent der Umfrage-Teilnehmer nicht informiert. „Diese Ergebnisse lassen uns als Fachgesellschaft aufhorchen“, so Gallwitz. „Sie signalisieren, dass die Erkrankung Diabetes nicht ausreichend im Studium thematisiert wird und Medizinstudierende weiteren Ausbildungsbedarf mit Blick auf die Behandlung vorweisen.“ DDG Präsidentin Professor Dr. med. Monika Kellerer verbindet qualifizierten Nachwuchs auch mit der Frage nach Versorgungsgerechtigkeit. „Regionale Versorgungsunterschiede werden wegen geringer Zahlen von diabetologischen Fachärzten künftig wohl weiter zunehmen“, erklärt Kellerer. „Dann sind Allgemeinmediziner stärker gefragt, die über entsprechende Kenntnisse verfügen müssen.“ Qualifizierung würde jedoch insgesamt erschwert, da es aktuell in Deutschland nur noch acht klinische Lehrstühle für Diabetologie gebe. Auch an den neugegründeten Fakultäten in Augsburg und Bielefeld ist bislang kein solcher Lehrstuhl konkret geplant. Die DDG Präsidentin sieht hier die Gesundheitspolitik in der Verantwortung: „Vor dem Hintergrund der alarmierenden Prognose duldet die Umsetzung einer Nationalen Diabetes-Strategie keinen weiteren Aufschub.“ So setzen sich DDG, diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) für einen nationalen Rahmenplan ein, der die Eckpunkte für eine einheitliche Versorgung und ein einheitliches Monitoring enthalten soll und den Bundesländern Orientierung und Leitschnur für eigene Maßnahmen bietet. „In Anbetracht der steigenden Zahlen von Diabeteserkrankungen müssen wir sofort Maßnahmen ergreifen“, betont Kellerer. „Dringend notwendig ist beispielsweise der Erhalt und Ausbau von klinischen diabetologischen Lehrstühlen. Wer soll sonst den ärztlichen Nachwuchs in Zukunft ausbilden, wer die Patienten betreuen und klinische Studien durchführen?“
Mehr erfahren zu: "Netzhautschäden durch einen Diabetes mellitus bleiben oft lange unbemerkt" Netzhautschäden durch einen Diabetes mellitus bleiben oft lange unbemerkt Am 26. September ist World Retina Day. Anlässlich dieses Tages erklären Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), welche Warnzeichen Betroffene kennen sollten, wann Kontrollen nötig sind und wie sich das […]
Mehr erfahren zu: "GLP-1-Präparate können bei Kindern zu Nährstoffmangel führen" GLP-1-Präparate können bei Kindern zu Nährstoffmangel führen Kinder, die zur Gewichtsreduktion, bei Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes GLP-1-Rezeptoragonisten erhalten, haben ein erhöhtes Risiko für Nährstoffmangel. Dies geht aus einer aktuellen Studie in „Childhood Obesity“ hervor. Vor allem ein Vitamin-D-Mangel […]
Mehr erfahren zu: "Renaler Nutzen von GLP-1-RA und SGLT2-Inhibitoren bei Typ-2-Diabetes abhängig von Albuminurie" Renaler Nutzen von GLP-1-RA und SGLT2-Inhibitoren bei Typ-2-Diabetes abhängig von Albuminurie Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes könnte die Albuminurie ein wichtiger Marker dafür sein, bei welchen Patienten GLP-1-Rezeptoragonisten und SGLT2-Inhibitoren einen zusätzlichen renalen Nutzen haben. Das geht aus einer aktuellen Analyse von […]