Umfrageergebnisse zum Thema Embryonen-Auswahl veröffentlicht7. März 2023 Bild: © ruksil – stock.adobe.com In einer Umfrage aus den USA stellten Forschende eine überraschend hohe moralische Akzeptanz sowie Bereitschaft fest, polygene Screenings bei der Auswahl von Embryonen im Rahmen einer künstlichen Befruchtung anwenden zu wollen, wenn sich dadurch ein höheres Bildungsniveau des zukünftigen Kindes erreichen ließe. Im Rahmen einer Umfrage wurden im Januar 2022 circa 6.800 Personen mit Hilfe eines hypothetischen Szenarios befragt, wie sie die moralische Akzeptanz von speziellen Methoden einschätzen, um das Bildungsniveau ihres zukünftigen Kindes zu steigern. Eine dieser Methoden war das „preimplantation genetic testing for polygenetic risk“ (PGT-P). Genetische Präimplantationsdiagnostik kann schon heute dazu verwendet werden, um bei der In-Vitro-Fertilisation den Embryo auf ausgewählte genetische Erkrankungen zu untersuchen. Im Rahmen des PGT-P geht es dagegen um polygenes Testen, bei dem auch polygene Risikoscores ermittelt werden sollen. Diese basieren auf angenommenen Zusammenhängen zwischen genetischen Ausprägungen und bestimmten Phänotypen, die Daten stammen meist aus groß angelegten Erbgut-Studien wie zum Beispiel der UK Biobank [I]. In dem aktuellen Policy Forum sollten sich die Befragten unter anderem vorstellen, dass dieses Verfahren kostenlos und sicher sei, die Befruchtung ihres potenziellen Kindes ohnehin mit In-vitro-Fertilisation erfolge und durch das Verfahren die Wahrscheinlichkeit für das Kind, auf einem der Top-100 Colleges genommen zu werden, um zwei Prozent erhöht werden könne. Das Ergebnis der Befragung war, dass in diesem Szenario 58 Prozent der Personen keine moralischen Bedenken angeben, PGT-P zu verwenden. Die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit, dieses Verfahren zu benutzen, lag bei 43 Prozent. Vor allem wenn zusätzlich die Information gegeben wurde, dass 90 Prozent der anderen Befragten das Verfahren anwenden würden, stieg die moralische Akzeptanz und die Bereitschaft. Vor allem bei unter 35-Jährigen gab es im Vergleich zur Gesamtgruppe eine größere Bereitschaft, das Verfahren durchführen zu lassen. Befragte mit einem höheren Bildungsniveau (mindestens Bachelorabschluss) zeigten sich ebenfalls bereiter, PGT-P zu in Anspruch zu nehmen und berichteten weniger moralische Bedenken. Diese Erkenntnisse sind wichtig vor dem Hintergrund, dass sich zwischen 1996 und 2017 die Zahl der In-Vitro-Fertilisationen verdreifacht hat [II]. In den USA gibt es derzeit mindestens ein Unternehmen, welches PGT-P anbietet, um verschiedene Krankheiten zu ermitteln und einen Embryo Health Score zu erstellen [III]. In Europa wird dieses Verfahren derzeit von führenden Fachgesellschaften kritisch gesehen. Die European Society of Human Reproduction and Embryology, die European Society of Human Genetics und andere Forschende weisen auf die begrenzte Vorhersagbarkeit von PGT-P und die Notwendigkeit weiterer Forschung auf diesem Gebiet hin [IV] [V]. Zudem werden im Rahmen von IVF-Behandlungen in Europa nicht ausreichend Embryonen erzeugt, um eine Selektion von PGT-P zu erlauben. Quellen [I] UK Biobank. Website.[II] Sunderam S et al. (2020): Assisted Reproductive Technology Surveillance. MMWR Surveillance Summaries. DOI: 10.15585/mmwr.ss6909a1.[II] LifeView. Website.[IV] ESHRE: ESHRE supports the positionof ESHG on embryo selection based on polygenic risk scores. Website.[V] Forzano F et al. (2022): The use of polygenetic risk scores in pre-implantation genetic testing: an unproven, unethical practice. European Journal of Human Genetics. DOI: 10.1038/s41431-021-01000-x.
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