Unbekannte Artenvielfalt: Ein neuer alter Wasserzwerg in Europa entdeckt21. November 2024 Die bislang übersehene und unbekannte Wasserwanzennart Plea cryptica. Foto: © SNSB – Zoologische Staatssammlung München Immer wieder finden Forschende bislang unbekannte Arten direkt vor unserer Haustür: Zoologen der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) haben in Deutschland eine neue Wasserwanzennart entdeckt, die in ganz Europa heimisch ist. Die Tierchen sind winzig: Nur 2-3 mm misst der Wasserzwerg, eine Gattung der Wasserwanzen. Wasserzwerge sind gesellige Tierchen und leben in stehenden und langsam fließenden Gewässern zwischen dichten Wasserpflanzen. Man findet den Wasserzwerg weit verbreitet in ganz Europa – vertreten durch eine einzige Art: Plea minutissma. So dachte man zumindest bisher. Insektenforscher der SNSB entdeckten nun, dass es sich bei den europäischen Wasserzwergen in Wirklichkeit um zwei verschiedene Arten handelt: Plea minutissma und die nun neu identifizierte neue Art Plea cryptica. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden in der zoologischen Fachzeitschrift „Scientific Reports“. Erste Hinweise darauf, dass hinter dem lange bekannten Wasserzwerg Plea minutissma eine weitere Art steckt, gaben DNA-Analysen. Detaillierte morphologische Untersuchungen an über 300 Tieren aus Deutschland und 15 weiteren Ländern Europas bestätigen nun die Existenz der bislang übersehenen und unbekannten Art Plea cryptica. Die Unterscheidung ist nicht einfach und liegt im Detail: Beide Arten lassen sich nur anhand des Aufbaus der männlichen Genitalien auseinanderhalten. Bei Weibchen hilft ausschließlich die molekulargenetische Analyse. Die arttypischen sogenannten DNA-Barcodes der beiden Arten weichen deutlich voneinander ab. „Die von uns jetzt erst entdeckte Wasserwanze Plea cryptica sieht ihrer bisher bekannten Schwesternart Plea minutissma zum verwechseln ähnlich. Überraschenderweise ist auch Plea cryptica ziemlich weit verbreitet“, sagt Michael Raupach, Wanzenexperte der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und Erstautor der Studie. „Sie kommt vor allem im kontinentalen, östlichen Europa vor, wo sie Plea minutissma teilweise sogar ersetzt. Es gibt aber auch Areale, u. a. in Deutschland, in denen beide Arten heimisch sind.“ Der Forscher und einige seiner Kollegen an der ZSM erstellen bereits seit vielen Jahren umfassende DNA-Barcode-Bibliotheken der deutschen Fauna. „Wir analysieren insbesondere verschiedenste Insektengruppen, darunter auch die Wanzen. In unseren Analysen überrascht uns immer wieder der hohe Anteil an noch unentdeckter Artenvielfalt – sogar in der Tierwelt direkt vor unserer Haustür und oft auch in Gruppen, die vermeintlich gut erforscht sind. Diese Wissenslücke gilt es zu schließen“, so Raupach weiter.
Mehr erfahren zu: "Können Hunde Krebserkrankungen des Urogenitaltrakts erschnüffeln?" Können Hunde Krebserkrankungen des Urogenitaltrakts erschnüffeln? Mit ihrem außergewöhnlichen Geruchssinn nehmen Hunde kleinste Geruchsnuancen wahr. Die Nase ist ihr wichtigstes Sinnesorgan, und vermutlich erleben Hunde ihre Umwelt deshalb ganz anders als wir Menschen. Das machen wir […]
Mehr erfahren zu: "Rinder können auch ohne embryonales Interferon-tau trächtig werden" Rinder können auch ohne embryonales Interferon-tau trächtig werden LMU-Forschende widerlegen ein jahrzehntealtes Modell: Genetisch veränderte Rinderembryonen führen auch ohne Interferon-tau zu einer erfolgreichen Trächtigkeit und entwickeln sich zu gesunden Kälbern.
Mehr erfahren zu: "Gene in Wurmparasiten aus- und anschalten – Forschende etablieren CRISPR/Cas-Technik" Gene in Wurmparasiten aus- und anschalten – Forschende etablieren CRISPR/Cas-Technik Forschenden der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist es mit einem Team aus den USA gelungen, die Genscheren-Technik bei Schistosomen zu etablieren. Dies eröffnet neue Perspektiven für die Erforschung der komplexen Parasitenbiologie.