Unbezahl(t)bar: Frauen in der Landwirtschaft30. September 2022 Symbolbild: Eine junge Frau auf einem landwirtschaftlichen Betrieb Foto: © Anna Tiessen Forschungsprojekt beleuchtet die Lebenssituation von Frauen in landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland. Bäuerin, Landwirtin, mitarbeitende Familienangehörige, Landfrau – genauso vielfältig wie die Bezeichnungen sind auch die Positionen von Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland. Über ihre Lebensentwürfe, Wünsche und Sorgen war bisher jedoch nur wenig bekannt.Ein Forschungsprojekt über die Lebenssituation von Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben hat hier wichtige Einblicke geliefert. Gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und unterstützt vom Deutschen LandFrauenverband e.V. (dlv), haben Wissenschaftlerinnen des Braunschweiger Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft und des Lehrstuhls für Soziologie Ländlicher Räume der Universität Göttingen über drei Jahre lang Daten zusammengetragen und Landfrauen befragt. Am 22. September 2022 fand in Berlin die Abschlusskonferenz statt.Die erste gesamtdeutsche Studie zur Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Landwirtschaft seit der Wiedervereinigung zeigt, wie bedeutend die Leistungen der Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben sind und welche unterschiedlichen Rollen sie dort bekleiden. Die Studie verdeutlicht auch, dass Gleichstellung aller Geschlechter auf den landwirtschaftlichen Betrieben noch nicht erreicht ist.Statistiken belegen, dass nur 11 % der Betriebe von Frauen geleitet werden; bei der vorgesehenen Hofnachfolge liegt der Frauenanteil bei rund 18 %. Damit rangiert Deutschland im europäischen Vergleich auf einem der letzten Plätze. Die im Projekt durchgeführten Befragungen ergaben, dass es in der Landwirtschaft erhebliche Zugangsbarrieren für Frauen gibt; veraltete Geschlechterbilder und traditionelle Vererbungspraxen stellen noch immer strukturelle Hindernisse für Frauen dar. Die soziale Absicherung der Frauen fürs Alter oder im Falle von Scheidung, Trennung oder Tod der Betriebsleitung sind unsicher. Auch in der Gesundheitsvorsorge zeigen sich Schwachstellen.Es gibt allerdings auch Anlass zu vorsichtiger Hoffnung. So zeigt sich etwa eine leichte Tendenz zu mehr weiblicher Hofnachfolge. Auch nimmt der Anteil von Frauen zu, die eigenständig landwirtschaftliche Betriebe gründen.Janna Luisa Pieper vom Lehrstuhl für Soziologie Ländlicher Räume der Universität Göttingen sagt hierzu: „Damit mehr Frauen Höfe übernehmen und leiten, ist ein grundlegender Wandel der landwirtschaftlichen Traditionen erforderlich, gepaart mit mehr Aufklärungsarbeit an landwirtschaftlichen Bildungseinrichtungen. Wichtig dabei ist: Diese Aufklärungsarbeit sollte sich nicht nur an Frauen richten; eine geschlechtergerechte Landwirtschaft geht alle an.“ Und Zazie von Davier vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft ergänzt: „Frauen verstehen sich oft als (Mit-)Unternehmerin, auch wenn sie nicht rechtlich am Betrieb beteiligt sind. Für ihre vielfältigen Leistungen und Verantwortlichkeiten auf den landwirtschaftlichen Betrieben sollten sie eine gleichwertige und unabhängige Alterssicherung einfordern.“Eine umfangreiche Fotodokumentation mit Porträts von 15 Frauen aus der Landwirtschaft, ausgewählte Studienergebnisse und journalistische Interviews mit Frauen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands sowie den gemeinsamen Policy Brief der Universität Göttingen und des Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft gibt es auf der Projektseite https://www.studie-frauen-landwirtschaft.de/ Gemeinsame Pressemitteilung mit der Georg-August-Universität Göttingen
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