Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Patienten mit chronischer Nierenkrankheit vermeiden16. Dezember 2020 © Mediteraneo – stock.adobe.com (Symbolbild) Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) kommen bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) häufig vor und sind manchmal schwerwiegend. Dabei sind viele schwerwiegende UAWs vermeidbar. Das berichten französische Wissenschaftler in ihrer neuesten Studie. Einige Arzneimittelklassen, insbesondere antithrombotische Wirkstoffe, verursachen häufig schwere UAWs. Innerhalb des Chronic Kidney Disease-Renal Epidemiology and Information Network untersuchten die Forscher 3033 ambulante Patienten (65% Männer; medianes Alter 69 [IQR 60–76] Jahre) mit CKD und einer eGFR <60 ml/min/1,73 m2. Eine Feststellung von UAWs erfolgte anhand von Krankenhaus- und Hausarztdaten und Befragungen der Teilnehmer. Anschließend werteten Pharmakologen die Kausalität, Vermeidbarkeit und sofortige Interventionen aus. Von den Teilnehmern hatten 55% eine eGFR ≥30 ml/min/1,73 m2 und 45% eine eGFR <30 ml/min/1,73 m2. Im Durchschnitt erhielten die Teilnehmer 8 (IQR 5–10) Medikamente. Über einen Zeitraum von 2 Jahren traten bei 536 Patienten 751 UAWs auf (Rate 14,4; 95%-KI 12,6–16,5). Von diesen wurden 150 (bei 125 Teilnehmern) als schwerwiegend eingestuft (Rate 2,7; 95%-KI 1,7–4,3 pro 100 Personenjahre). Davon wurden 32% als vermeidbar oder potenziell vermeidbar beurteilt. Schwere UAWs verursachten bei 16 Teilnehmern direkt oder indirekt den Tod. Die meisten UAWs wurden Renin-Angiotensin-Aldosteron-System Inhibitoren (15%), Antithrombosemitteln (14%) und Diuretika (10%) zugeschrieben. Antithrombosemittel waren aber die Medikamente, die 34% der schweren UAWs verursachten. In 71% der Fälle wurde das Medikament zumindest vorübergehend abgesetzt. Die aHRs für schwere UAWs waren bei Patienten mit eGFR <30 gegenüber ≥30 ml/min/1,73 m2 signifikant höher (aHR 1,8; 95%-KI 1,3–2,6). Gleiches galt für Patienten, denen >10 vs. <5 Medikamente verschrieben wurden (aHR 2,4; 95%-KI 1,1–5,2) und auch für Patienten mit schlechter vs. guter Adhärenz (aHR 1,6; 95%-KI 1,4–2,4). Fazit Unerwünschte Arzneimittelwirkungen sind bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung häufig und manchmal schwerwiegend. (jh) Autoren: Laville SM et al. Korrespondenz: Bénédicte Stengel; [email protected] Studie: Adverse Drug Reactions in Patients with CKD Quelle: Clin J Am Soc Nephrol 2020;15(8):1090–1102. Web: https://doi.org/10.2215/CJN.01030120
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