Uniklinikum Würzburg: Mit Hemibodies das Multiple Myelom zielgenau bekämpfen27. Januar 2021 Zwei Hemibodies fügen sich auf der Krebszelle zusammen, halten eine Immunzelle (T-Zelle) fest und aktivieren diese. Bild: © Uniklinikum Würzburg In vitro und in vivo bewiesen: Der Einsatz von bestimmten Antigen-Fragment-Paaren – sogenannten Hemibodies – hat das Potenzial, das Multiple Myelom effektiv und hochspezifisch zu bekämpfen. Eine aktuelle Publikation des Uniklinikums Würzburg erläutert die Wirkungsweise und fasst den derzeitigen Entwicklungsstand der zukunftsträchtigen Immuntherapie zusammen. Eine der Hürden bei der Therapie des Multiplen Myeloms ist die Unterscheidung zwischen den Tumor- und den gesunden Zellen des Körpers. Diese „Unschärfe“ kann bei der Behandlung von Patienten, die an dieser bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks leiden, drastische Folgen haben: Es kann zu teils schweren, unter Umständen auch lebensbedrohlichen Nebenwirkungen kommen. Zur Lösung dieser Misere arbeitet seit dem Jahr 2010 ein Team um die Würzburger Mediziner Prof. Gernot Stuhler und Dr. Thomas Bumm an einer Therapie mit Hemibodies, einer speziellen Kombination von Antigen-Fragmenten. Im Januar 2021 erschien in der Fachzeitschrift “Communications Biology” ein Beitrag, in dem Experten der von Prof. Hermann Einsele geleiteten Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) die Funktionsweise von Hemibodies und die mit ihnen beim Multiplen Myelom bislang erreichten Erfolge darlegen.Präzision durch Paare von Antigen-FragmentenIm wahrsten Sinne des Wortes Ansatzpunkte des Verfahrens sind die Antigene SLAMF7 und CD38. Diese kommen beide häufig auf der Oberfläche von Myelom-Zellen vor. Jedes dieser „Targets“ für sich alleine genommen ist allerdings nicht sonderlich spezifisch, sie finden sich auch auf der Oberfläche anderer Zellen des Körpers. In Kombination sind sie jedoch hochspezifisch für die Tumorzellen. Bei der Hemibody-Technologie wird für jedes dieser Zielmoleküle ein gentechnisch maßgeschneidertes Antikörper-Fragment injiziert. Sie binden jeweils am passenden Ziel-Antigen und finden sich anschließend zu einem Paar mit dann immunstimulierenden Eigenschaften zusammen. Das bedeutet, dass sie zusammen in der Lage sind, T-Zellen auf der Oberfläche der Tumorzellen festzuhalten und zu aktivieren. Die Immunzellen können daraufhin die Krebszellen – und zwar nur diese – zerstören.Nebenwirkungen werden zuverlässig vermieden„Neben dem Beleg der Effizienz beim Kampf gegen die Myelom-Zellen konnten wir bislang im Reagenzglas und im Tiermodell beweisen, dass bei diesem Verfahren ungewollte Effekte, wie eine massive Zytokinfreisetzung und T-Zell-Brudermord-Reaktionen, zuverlässig vermieden werden können“, sagt Maria Geis, die Erstautorin der Publikation. Und Bumm ergänzt: „Unter dem Strich ist damit der Weg frei, Hemibodies zu einer effektiven und hochspezifischen Immuntherapie des Multiplen Myeloms weiterzuentwickeln.“ Publikation: Geis, M., Nowotny, B., Bohn, MD. et al. Combinatorial targeting of multiple myeloma by complementing T cell engaging antibody fragments. Commun Biol 4, 44 (2021). https://doi.org/10.1038/s42003-020-01558-0
Mehr erfahren zu: "Qualitätsmonitor: Immer mehr komplexe Operationen in immer weniger Kliniken" Qualitätsmonitor: Immer mehr komplexe Operationen in immer weniger Kliniken Die Einführung und die Anhebung von Mindestmengen für bestimmte Operationen haben zu einer weiteren Reduzierung der an der Versorgung beteiligten Krankenhaus-Standorte und zu einer signifikanten Erhöhung der durchschnittlichen Fallzahlen in […]
Mehr erfahren zu: "Sarkom: Dresdner Team entwickelt bildgestützte molekulare Therapie" Sarkom: Dresdner Team entwickelt bildgestützte molekulare Therapie Für die möglichst vollständige Entfernung selbst kleinster Reste von Sarkomen verfolgen Dresdner Forscher einen neuartigen Weg: Mithilfe eines speziellen Kontrastmittels und moderner Infrarot-Bildgebung sollen verbliebene Tumorzellen während der Operation sichtbar […]
Mehr erfahren zu: "Neue Arbeitsgruppe am Kinderkrebs-Zentrum Hamburg: Den Energiequellen aggressiver Hirntumoren auf der Spur" Neue Arbeitsgruppe am Kinderkrebs-Zentrum Hamburg: Den Energiequellen aggressiver Hirntumoren auf der Spur Dr. Sina Neyazi erforscht seit Juli 2026 am Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg, wie aggressive Hirntumoren bei Kindern ihren Stoffwechsel umprogrammieren, um zu wachsen und zu überleben.