Universität Bonn eröffnet eigenen Supermarkt für Forschungszwecke22. Januar 2026 Im neuen Labor-Supermarkt der Universität Bonn untersuchen Forschende das Kaufverhalten von Studienteilnehmenden. Foto: Gregor Hübl/Uni Bonn Ananas, Dosentomaten und Semmelknödel: Der neue Labor-Supermarkt der Universität Bonn bietet alles für den täglichen Bedarf. Forschende wollen hier untersuchen, wie sich etwa durch Produktplatzierung und andere Anreize Impulse für einen gesundheits- und nachhaltigkeitsorientierten Einkauf setzen lassen. Nirgendwo Werbeschilder, kein Fahrradständer mit Firmenlogo: Wer vor dem weißen Gebäudekomplex “Am Probsthof” steht, ahnt nicht, dass sich darin das Abbild eines kleinen Supermarkts verbirgt. Werbung braucht es auch nicht – denn der “Labor-Supermarkt” dient rein wissenschaftlichen Zwecken. Wer hierher kommt, wurde als Testperson gekürt und darf sich zwischen den Regalen tummeln. Was ausgewählt wird, soll mit wissenschaftlicher Akribie festgehalten werden. Der Leiter des Labor-Supermarkts Junior-Professor Dr. Dominic Lemken steht an der Kasse und deutet auf die dort bereitstehende „Quengelware“. „Normalerweise sind hier Schokoriegel oder Kaugummis platziert, weil sich insbesondere Kinder in der Warteschlange umsehen und hier bevorzugt zugreifen möchten“, sagt er. „Was wäre, wenn hier nicht Süßigkeiten, sondern gesundes Obst liegen würde?“ Schon sind wir mitten in einer der Fragestellungen, die hier untersucht werden können – sozusagen am lebenden Probanden. Kaufanreize für nachhaltige und gesunde Ware schaffen Legt man Bananen in die Nähe des Kassenraums, dann werden sie rund ein Drittel mal häufiger gekauft als an anderen Ecken des Supermarkts. Das ist bei Marketingstrategen längst bekannt. Doch welche Anreize lassen sich in einem solchen Selbstbedienungsladen sonst noch schaffen, damit die Kundschaft bevorzugt zu gesünderen Produkten mit weniger Fett, Zucker oder Salz greift? Wie müssen die Packungen platziert und gestaltet sein, dass vor allem auch nachhaltig produzierte Ware eine Chance hat? Alle reden von Tierwohl – wie finden diese Produkte trotz höherer Preise einen guten Absatz? All das – und noch viel mehr – soll hier mit wissenschaftlichem Anspruch untersucht werden. Ihr Mitwirken fällt den Teilnehmenden nicht schwer, denn als Kunde fühlt man sich wie in einem „normalen“ Supermarkt. Kameras zeichnen die Kaufentscheidung auf – mit einer speziellen Software, die die Identifizierung von Personen unmöglich macht. Es sind lediglich Silhouetten zu erkennen. „Wir können nur feststellen, wie viele der Testpersonen zu Packungsvariante A oder B greifen“, erläutert Lemken. Die Universität Bonn hat bereits mit virtuellen Supermärkten experimentiert. Dabei sitzen die Probandinnen und Probanden am Bildschirm, steuern mit der Tastatur scheinbar einen Einkaufswagen zwischen den Regalen durch und können in dieser gepixelten Welt bestimmte Produkte auswählen. Das ist erfahrungsgemäß stichhaltiger als reine Umfragen. „Der Labor-Supermarkt ist aber nochmals realistischer“, sagt Lemken. „Hier können die Leute noch besser in ihre Kaufgewohnheiten verfallen, die wir dann auswerten.“ Schließlich wird beim echten Einkauf auch nicht unbedingt das gekauft, was auf dem Zettel steht. Häufig locken dann ganz andere Produkte. Dann wird es für die Wissenschaft interessant. Wenn Roboter die Regale beladen Auch Forschende des Humanoid Robots Lab an der Universität Bonn führen hier Experimente durch. „Wir testen zum Beispiel, wie sich Regale effizient und kundenorientiert von Robotern beladen lassen und lernen von Menschen präferiertes Roboterverhalten“, sagt Prof. Maren Bennewitz. „Mit den Ergebnissen optimieren wir dann unsere Systeme für den Supermarkt, aber auch für Anwendungen in häuslichen Umgebungen wie etwa Haushaltshilfen oder Pflege“, ergänzt Doktorand Nils Dengler. Die Universität Bonn bessert mit dem eigenen Selbstbedienungsladen nicht ihre Haushaltskasse auf. „Wir generieren keine Einnahmen aus den Studien“, macht der Leiter des Labor-Supermarkts deutlich. Interessierte können sich für Studien bewerben und bekommen dann einen Gutschein in bestimmter Höhe. Die ausgewählte Ware dürfen Sie in der Regel mit nach Hause nehmen und nutzen. Schließlich soll das üppige Warensortiment auch nicht verderben. Bleibt doch einmal etwas übrig, das nahe an der Mindesthaltbarkeitsgrenze ist, dann geht es an die „Tafeln“ oder sonstige Hilfsinitiativen. Auch hier wird Nachhaltigkeit groß geschrieben. Interessierte können sich für Studien melden Der Labor-Supermarkt ist noch nicht ganz fertig: Ein paar Anschlüsse für Kabel fehlen noch. Doch seit kurzem herrscht bereits Betrieb für die ersten Studien. Interessierte können sich hier als Testperson melden: Über den Link registrieren, Experiment und Zeit auswählen, dann vorbeikommen und gratis für wissenschaftliche Zwecke einkaufen. Beteiligte Institutionen und Finanzierung: Als Anschubfinanzierung haben viele aus der Universität Bonn über zentrale Mittel hinaus zum Gelingen des ersten Labor-Supermarkts beigetragen: die Agrar-, Ernährungs- und Ingenieurwissenschaftliche Fakultät, die Transdisziplinären Forschungsbereiche „Modelling“ (TRA 1) und „Sustainable Futures“ (TRA 6), das Humanoid Robots Lab und das Centre for Artificial Intelligence and Neuroscience.
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