Universitätsklinik Leipzig: COVID-19 hat Transplantations-Situation nicht geschadet

Prof. Daniel Seehofer, Leiter des Transplantationszentrums am Universitätsklinikum Leipzig, erinnert zum Tag der Organspende am 6. Juni an die vielen Patienten auf den Wartelisten in den Kliniken. (Foto: © Stefan Straube/UKL)

Trotz der COVID-19-Pandemie wurden in den vergangenen drei Monaten am Universitätsklinikum Leipzig praktisch genauso viele Organe transplantiert wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres: neun Lebern, zehn Nieren und eine Bauchspeicheldrüse. 2019 waren es 19 Organe gewesen. 

„Wir haben trotz Corona fast normal weiter transplantiert“, beschreibt Prof. Daniel Seehofer die Entwicklung der vergangenen Monate. „Transplantationen sind ja fast immer Notfälle und wurden daher unverändert vorgenommen“, so der Leiter des Transplantationszentrums am Universitätsklinikum Leipzig. Nur die Transplantationen mittels einer Lebendspende wurden vorübergehend unterbrochen, um bei diesen planbaren Eingriffen Spender und Empfänger keinem unnötigen Risiko auszusetzen.

Erfreulicherweise standen auch trotz Corona-Krise weiterhin Spenderorgane zur Verfügung. Zumindest in Deutschland gab es keinen „Pandemieeffekt“, wie Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation belegen. Demnach gab es allein in der Region Ost bis Ende April 49 gemeldete Spender, das waren zehn mehr als im Vorjahr.

„Für unsere Patienten ist diese Bereitschaft zu einer Organspende ein großes Glück, denn meistens können sie nicht mehrere Monate warten“, betont Seehofer mit Blick auf den Tag der Organspende. Dass es hier offenbar keinen Rückgang, sondern eher eine positive Entwicklung gab, könnte auch auf die zuletzt initiierten neuen gesetzlichen Regelungen zurückzuführen sein. „Mit der kürzlich erfolgten breiten Diskussion über eine Änderung der Zustimmung zu Organspenden wurde das Thema vielen Menschen ins Bewusstsein geholt“, ist Seehofer überzeugt. „Im besten Fall führt die intensive Auseinandersetzung zu einer Entscheidung für eine Organspende.“ Eine Entscheidung ganz im Sinne der 273 Patienten, die aktuell am UKL auf ein Spenderorgan warten. Umso wichtiger ist es, dass das Thema Organspende auch in Pandemiezeiten nicht in den Hintergrund gerät. Seehofer: „Wir hoffen sehr, dass sich dank der neuen Regelungen künftig mehr Menschen für eine Organspende und damit eine Chance für unsere Patienten entscheiden.“