Universitätsmedizin Göttingen: Neues Gerät erkennt kleinste Metastasen

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Forschende des Instituts für Pathologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben ein neues Gerät entwickelt und zum Patent angemeldet, das die Entnahme von Lymphknoten aus dem Fettgewebe von Krebspatienten erheblich erleichtert.

Für eine genaue Beurteilung des Lymphknotenbefalls wird Darmkrebspatienten während einer Operation Fettgewebe mit den darin enthaltenen Lymphknoten entnommen und anschließend in der Pathologie untersucht. Bisher erforderte die Aufbereitung dieses Gewebes ein hochkomplexes und arbeitsintensives manuelles Verfahren.

Frühere Forschungen zeigen, dass die Fettzellen durch kontrollierten Druck aufbrechen können, während die Lymphknoten intakt bleiben und vollständig mikroskopisch untersucht werden können. Bislang haben viele Pathologielabore auf selbstgebaute provisorische Geräte zurückgegriffen, um die Untersuchung durchzuführen. Diese Lösungen haben sich jedoch als unzureichend erwiesen, um Lymphknoten zuverlässig und effizient vom umgebenden Fettgewebe zu trennen.

Das Prinzip – kontrollierter Druck für ein optimales Ergebnis

Um diese Lücke zu schließen, hat Pedro Gebhardt Apalategui, Medizinstudent an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), nun ein elektromechanisches Verfahren entwickelt, das einen konstanten Druck auf das Gewebe ausübt, um so intakte Lymphknoten aus dem Fettgewebe herauszulösen.

Prof. Philipp Ströbel, Direktor des Instituts für Pathologie der UMG, Pedro Gebhardt Apalategui, Medizinstudent an der UMG, und Prof. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstandes und Dekan der Medizinischen Fakultät der UMG (v.l.n.r.). Bildquelle: UMG; ©umg/swen pförtner

„Die Idee dafür kam mir bereits während meines Praktikums im Institut für Pathologie der UMG. Mit dem neuen Gerät werden die Fettzellen effektiv zerstört und das Probenvolumen optimal reduziert. Der Vorteil: Neben den Lymphknoten bleiben auch vermehrt kleinere Blut- und Lymphgefäße, Nerven und Immunzellen erhalten, aber auch Gewebe, in das sich bereits Krebszellen ausgebreitet haben sowie vernarbtes Gewebe, das bei chronischen Entzündungen entsteht“, sagt Gebhardt Apalategui. Die Abtrennung des Fettgewebes sowie ein guter Erhalt von Gefäßen und Gewebe ist wichtig für eine umfassende pathologische Untersuchung und einer daraus resultierenden Therapieentscheidung für die Patienten.

Weitere Einsatzgebiete in Planung

Prof. Philipp Ströbel, Direktor des Instituts für Pathologie der UMG, war an der Entwicklung des Geräts beteiligt. Er erklärt: „Der schonende Aufschluss ermöglicht es uns, auch kleinere Lymphknoten sicher aus dem Fettgewebe zu isolieren, welches vorher nur bedingt möglich war. Ich bin sehr beeindruckt, was Pedro Gebhardt Apalategui in seiner noch jungen Karriere bereits erreicht hat. Dieses Gerät wird maßgeblich dazu beitragen, die Diagnostik für viele Krebspatient*innen weiter zu verbessern.“

Das Gerät wurde im Dezember 2025 in den USA zum Patent angemeldet und wird aktuell im Institut für Pathologie getestet. Perspektivisch soll es neben Darmkrebs auch für die Diagnose von Brust-, Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs einsetzbar sein.