Unsichtbares CI mit Mikrofon unter der Haut1. Oktober 2026 Foto: Wollwerth Imagery/stock.adobe.com Ob Schwimmen oder Schlafen: Ein unsichtbares Cochlea-Implantat (CI) ermöglicht Hören rund um die Uhr. Alle Bestandteile – einschließlich des Mikrofons – liegen unter der Haut. Jetzt wurden erstmals Patienten außerhalb klinischer Studien mit dem neuen CI versorgt. Im Rahmen einer klinischen Studie wurden an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie von AKH Wien und MedUni Wien bereits fünf der neuen CI erfolgreich eingesetzt. Nach der Zulassung für die klinische Anwendung wurde am 29. September 2026 der nächste Schritt gesetzt: Erstmals wurde zwei Patienten in Wien und St. Pölten außerhalb einer Studie das innovative Implantat eingesetzt. Bei CI-Trägern gehören externe Komponenten bislang zum Alltag: Ein Audioprozessor wird hinter dem Ohr getragen und muss bei bestimmten Aktivitäten wie zum Schlafen oder beim Schwimmen abgenommen werden. Beim dem weltweit ersten vollständig implantierbaren unsichtbaren CI befinden sich alle Bestandteile einschließlich des Mikrofons unter der Haut. Unsichtbares CI bedeutet mehr Freiheit im Alltag An der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten von AKH Wien und MedUni Wien wurde die neue Technologie TICI Unico in Zusammenarbeit mit einem österreichischen Hersteller bereits intensiv klinisch erprobt. Als einzige Klinik in Österreich wurden im Rahmen einer klinischen Studie bereits fünf der neuen Implantate eingesetzt. Die dabei gewonnenen Erfahrungen bilden eine wichtige Grundlage für die nun beginnende Versorgung außerhalb des Studienrahmens. „Für unsere Patient:innen bedeutet diese Technologie vor allem mehr Freiheit im Alltag. Sie müssen kein externes Gerät mehr tragen, abnehmen oder daran denken. Das Implantat ist von außen nicht sichtbar und ermöglicht – entsprechend der individuellen Hörsituation – Hören rund um die Uhr. Das ist gerade bei alltäglichen Situationen wie Schlafen, Sport oder Schwimmen ein wesentlicher Unterschied“, erläuterte Prof. Christoph Arnoldner, Leiter der Leiter Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie von AKH Wien und MedUni Wien. Hören, ohne an das Implantat denken zu müssen Bei einem klassischen CI wird der Schall über einen außen getragenen Audioprozessor aufgenommen und verarbeitet. Bei der neuen Technologie ist auch das Mikrofon implantiert. Es nimmt Schall durch die Haut auf. Für Patienten eröffnet das eine neue Form der Unabhängigkeit: Es gibt keinen externen Audioprozessor, der morgens angelegt und abends abgenommen werden muss. Die Hörversorgung muss nicht mehr ständig bewusst gehandhabt werden. Das unsichtbare CI ist für Menschen mit schwerer bis hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit vorgesehen, die grundsätzlich für eine Cochlea-Implantation geeignet sind. Die Hörleistung ist mit jener von klassischen CI-Systemen vergleichbar. Ob das TICI Unico-Implantat für eine Patientin oder einen Patienten geeignet ist, wird individuell nach einer umfassenden Untersuchung entschieden. Weiterer Schritt in der Entwicklung der Cochlea-Implantat-Versorgung An der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten von MedUni Wien und AKH Wien werden laufend neue Technologien in der Hörimplantologie klinisch erprobt und weiterentwickelt. Bereits 2021 wurde beispielsweise eine der ersten Operationen weltweit mit einer neuen Roboter-Technologie für Cochlea-Implantationen durchgeführt. Mit den ersten fünf TICI-Unico-Implantationen im Rahmen einer klinischen Studie und der nun beginnenden Versorgung außerhalb einer Studie folgt der nächste Schritt. „Der 29. September ist für uns ein besonderer Tag, weil eine Technologie, die wir bisher im Rahmen einer Studie begleitet haben, nun in die reguläre klinische Anwendung übergeht. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Technik an sich, sondern die Frage, was sie unseren Patient:innen ermöglicht: hören zu können, ohne dass ein sichtbares Gerät Teil ihres Alltags sein muss,“ hält Klinikleiter Arnoldner fest. Auch interessant: Cochlea-Implantate: Bald vollständig implantierbares Mikrofon?
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