Unternehmen entwickeln RNA-basierte Therapie gegen das BK-Virus18. Februar 2022 In Therapien auf der Grundlage von Ribonukleinsäuren (RNA) wird viel Hoffnung gesetzt. Grafik: nobeastsofierce – stock.adobe.com Mithilfe interferierender RNA entwickeln zwei Unternehmen aus Deutschland und den Niederlanden ein Mittel gegen das BK-Virus, das bei Nierentransplantierten häufig zur Abstoßung des Organs führt. Klinische Studien sollen in etwa zwei Jahren beginnen. Das Polyoma-BK-Virus (BKV) ist ein latentes Nierenvirus, das bei 60-90% der weltweiten Bevölkerung vorkommt und das z. B. bei immungeschwächten Patienten, die sich einer Nierentransplantation unterziehen, schwere Komplikationen verursachen kann. Infolge der modernen starken immunsuppressiven Medikamente, die die Gefahr einer akuten Abstoßung verringern und das Überleben eines Transplantats verbessern sollen, besteht für BKV-positive Patienten das Risiko, eine BKV-assoziierte Nephropathie zu entwickeln und so ihr Nierentransplantat auf diesem Wege zu verlieren. Weitere häufige Komplikationen sind sofortige und sehr schmerzhafte blutende Blasenentzündungen (hämorrhagische Zystitis) und/oder Nierenfunktionsstörungen, die zu einem längeren Krankenhausaufenthalt führen. Derzeit gibt es keine zugelassenen antiviralen Medikamente zur Behandlung von BKV-Infektionen. Bei diesen immungeschwächten Patienten besteht die derzeitige Behandlung darin, die Immunsuppressionstherapie zu reduzieren. Dies erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit einer akuten oder chronischen Transplantatabstoßung und eines Transplantatverlusts. Die Firma Hybridize Therapeutics aus Leiden (Niederlande), ein Spin-off des Fachbereichs Nephrologie des Leiden University Medical Centers, hat ein RNA-basiertes Programm zur Bekämpfung des BK-Virus entwickelt. Dieses zielt auf ein Protein ab, das für die virale Replikation entscheidend ist, indem es den Spleißprozess der proteincodierenden mRNA moduliert und so deren Synthese und damit die Replikation des Virus verhindert. Dies funktioniert mithilfe der Antisense-Oligonukleotid-Technologie. Dabei werden komplementäre, einzelsträngige, kurze Oligonukleotidsequenzen verwendet, um an eine Ziel-RNA zu binden und damit deren Abbau auszulösen oder die Bindung von zellulären Faktoren oder Komplexen an die Ziel-RNA zu blockieren. Lizenzvereinbarung abgeschlossen Das deutsche Unternehmen AiCuris Anti-infective Cures AG hat jetzt eine Lizenzvereinbarung mit Hybridize abgeschlossen, um dessen BKV-Programm weiterzuentwickeln und zu vermarkten. AiCuris, ein Spin-off von Bayer, hat sich auf die Entwicklung von RNA-basierten Therapien für Patienten mit akuten und chronischen Nierenerkrankungen spezialisiert. Hybridize und AiCuris werden bei der weiteren Entwicklung der gegen BKV gerichteten Therapie bis zum Beginn der klinischen Studien, der innerhalb von zwei Jahren erwartet wird, zusammenarbeiten, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. “Wir freuen uns sehr über den Erwerb der Rechte an diesem spannenden RNA-basierten Antisense-Ansatz gegen BKV-Infektionen, der unsere Antiinfektiva-Pipeline weiter stärkt und auf unserer starken Erfolgsbilanz auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten bei Transplantationspatienten aufbaut”, sagte Dr. Holger Zimmermann, CEO von AiCuris. Das Unternehmen hat bereits ein Produkt zur Prävention von Cytomegalovirus(CMV)-Infektionen bei Knochenmarktransplantationen an die Firma MSD auslizenziert und hat einen weiteren Wirkstoff zur Behandlung von Aciclovir-resistenten mukokutanen HSV-Infektionen bei immungeschwächten Patienten in Phase III der klinischen Entwicklung. “Die BKV-Infektion ist eine der häufigsten Virusinfektionen bei nierentransplantierten Patienten. Dennoch gibt es keine zugelassenen Therapien, um sie zu bekämpfen”, erläutert Zimmermann. “Das BK-Virus ist schwer zu bekämpfen, da es mit herkömmlichen Ansätzen wie klassischen Enzyminhibitoren nicht behandelbar ist. Wir glauben, dass Antisense-Oligonukleotide einen vielversprechenden neuen Ansatz zur Blockierung der BKV-Replikation darstellen. Wenn sich dieser Ansatz als sicher und wirksam erweist, könnte er die Transplantationsmedizin grundlegend verändern und Nierentransplantationspatienten vor Transplantatabstoßung und Organverlust durch BKV bewahren.”“Die heutige Ankündigung ist ein wichtiger Meilenstein und eine wertvolle Bestätigung für unsere innovative RNA-Plattformtechnologie”, sagte Eline van Beest, CEO von Hybridize Therapeutics. “Wir sind davon überzeugt, dass AiCuris mit seiner Kompetenz in der Entwicklung von Antiinfektiva-Therapien und mit seiner umfassenden und bewährten Erfahrung, Arzneimittelkandidaten durch die klinische Entwicklung und auf den Markt zu bringen, der perfekte Partner ist, um unser RNA-basiertes BKV-Programm in die Klinik zu bringen. Wir freuen uns sehr darauf, zusammen mit dem AiCuris-Team die Entwicklung dieses vielversprechenden Programms zu beschleunigen, um es Patienten, die an BKV-assoziierter Nephropathie leiden, so schnell wie möglich zur Verfügung zu stellen. Außerdem werden die Vorab- und Meilensteinzahlungen unsere Schlagkraft erheblich erhöhen und es uns ermöglichen, unsere firmeneigene Pipeline um eine Reihe von noch nicht veröffentlichten RNA-Therapien zu erweitern.” (AiCuris/Hybridize/ms)
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