Urintest auf Blasenkrebs verringert Zystoskopien um die Hälfte

Urinprobe: Viel Information in wenig Flüssigkeit. Foto: Giovanni Cancemi – stock.adobe.com

Ein Urintest kann die Anzahl der Zystoskopien, die zur Nachsorge von Hochrisikopatienten mit Blasenkrebs erforderlich sind, mehr als halbieren, wie neue Forschungsergebnisse zeigen.

Bei der Zystoskopie wird eine flexible Sonde durch die Harnröhre in die Blase eingeführt, sodass der Arzt die Blasenschleimhaut auf Anzeichen von Krebs untersuchen kann. Obwohl es sich überwiegend um sichere Verfahren handelt, birgt die Zystoskopie ein gewisses Risiko für Harnwegsinfektionen und Blutungen. Sie kann auch Schmerzen und Beschwerden verursachen.

Erste Ergebnisse einer zweijährigen Studie, die am 6. April 2024 auf dem Kongress der European Association of Urology (EAU) in Paris (Frankreich) vorgestellt wurden, deuten darauf hin, dass auch bei Patienten, die einen Urin-Biomarker-Test anstelle einer standardmäßigen flexiblen Zystoskopie hatten, kein erhöhtes Risiko für ein erneutes Auftreten besteht. Vollständige Ergebnisse zu diesem Aspekt der Studie werden im Sommer erwartet.

Die Studie wurde in Dänemark durchgeführt, wo für die postoperative Nachsorge bei Hochrisiko-Blasenkrebs zwei Jahre lang alle vier Monate eine Zystoskopie empfohlen wird. Bei Hochrisikopatienten mit der aggressivsten Form von Blasenkrebs liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs innerhalb von 5 Jahren nach der Operation erneut auftritt, bei 60–70%, weshalb die Nachsorge für diese Patienten so intensiv ist.

Erstmalige randomisierte Studie

Die beim EAU-Kongress vorgestellte Studie bewertet zum ersten Mal einen Urin-Biomarker-Test in einer randomisierten, interventionell kontrollierten Studie mit Hochrisikopatienten. Dieses Studiendesign ermöglichte es den Forschern zu beurteilen, ob der Test die Anzahl der Zystoskopien, denen sich Patienten unterziehen mussten, reduzieren und Anzeichen eines erneuten Krebses erkennen konnte. Frühere Studien haben Biomarker-Tests lediglich beobachtend bewertet und die Biomarker-Tests somit zum bestehenden Standard hinzugefügt.

Thomas Dreyer, Forscher im Bladder Cancer Research Team der Abteilung für Urologie des Universitätsklinikums Aarhus, der die Studie im Rahmen seiner Doktorarbeit durchführte, erklärt: „Es gab viele Studien zu Urin-Biomarker-Tests, die positive Ergebnisse zeigten, aber keine randomisierte Studie, um zu zeigen, welche Auswirkungen dies tatsächlich in der Klinik hätte. Wir waren zuversichtlich, dass der Test empfindlich genug war, um keine falsch negativen Ergebnisse zu liefern, welche die Patienten gefährden würden. Aber würde er zu falsch positiven Ergebnissen führen und bewirken, dass gleich viele oder sogar mehr Zystoskopien durchgeführt würden? Unsere Ergebnisse zeigen, dass dies nicht der Fall war.“

mRNAs als Biomarker

Die Forscher vom Universitätskrankenhaus Aarhusrekrutierten 313 Patienten. Die Hälfte wurde randomisiert und erhielt standardmäßig drei Zystoskopien pro Jahr. Die andere Hälfte erhielt nur eine Zystoskopie pro Jahr, wobei die verbleibenden zwei Folgezystoskopien durch den Urin-Biomarker-Test “Xpert Bladder Cancer Monitor” der Firma Cepheid ersetzt wurden. Der Test überwacht das Wiederauftreten von Blasenkrebs, indem er die Konzentrationen von fünf mRNAs misst. Die Forscher entschieden sich für die Erprobung dieses speziellen Biomarker-Tests, da dieser zuvor bei Hochrisikopatienten mit Blasenkrebs vielversprechende Ergebnisse gezeigt hatte. Cepheid finanzierte zwar die Studie, sie wurde jedoch unabhängig vom Team der Universität Aarhus konzipiert und gestaltet.

Alle Patienten, deren Urintest ein positives Ergebnis zeigte, wurden zu einer Zystoskopie ins Krankenhaus überwiesen, um nach Anzeichen für ein Wiederauftreten des Krebses zu suchen. Den Urologen, welchedie Zystoskopie durchführten, war das positive Ergebnis bekannt, wie es auch in der normalen Praxis der Fall wäre.

Nach zwei Jahren beinhalteten nur 44% der Nachsorgetermine bei Patienten, die hauptsächlich den Urintest erhielten, eine Zystoskopie, verglichen mit fast 100% bei Patienten, die eine Standardbehandlung erhielten.

Frühere Krebserkennung

Die Forscher fanden auch starke Hinweise darauf, dass der Urintest ein erneutes Auftreten von Krebs erkennen konnte, bevor durch die Zystoskopie eine Krankheit sichtbar wurde. Bei mehr als der Hälfte der Patienten, bei denen der Test falsch positiv war – das heißt, der Biomarker-Test zeigte ein positives Ergebnis, die Zystoskopie war jedoch unauffällig –, fanden die Forscher Hinweise auf ein erneutes Auftreten bei einem späteren Besuch.

„Wir wissen, dass sich viele Patienten vor Zystoskopie-Terminen fürchten, aber bereit sind, diese wahrzunehmen, weil sie sicher sein wollen, dass sie frei von Krebs sind“, sagte Dreyer in Paris. „Wenn man jedoch die Möglichkeit hätte, eine Urinprobe abzugeben, anstatt sich einem unangenehmen medizinischen Eingriff zu unterziehen, würden sich die meisten dafür entscheiden, solange sie davon überzeugt sind, dass es genauso effektiv ist.“

Ressourcen besser nutzen

Joost Boormans, Professor für Urologie am Erasmus University Medical Center in Rotterdam und Mitglied des EAU Scientific Congress Office, sagte: „Wir wissen, dass wir als Urologen zu viele Zystoskopien durchführen, insbesondere bei der Nachsorge von Patienten mit nicht muskelinvasivem Blasenkrebs. Deshalb müssen wir Alternativen finden.”

Aufgrund der alternden Bevölkerung rechnet Boormans mit einer steigenden Zahl von Patienten, was einen gestiegenen Bedarf bedeutet. Die Studie könnte ihm zufolge einen möglichen Weg zur Reduzierung von Zystoskopien weisen. “Wenn die endgültigen Ergebnisse später in diesem Jahr tatsächlich bestätigen, dass der Urintest das Wiederauftreten von Krebs genauso effektiv erkennen kann wie Zystoskopien, dann müssen wir prüfen, ob wir dies so schnell wie möglich in die klinische Praxis einführen können”, betont er. So könnte der Bedarf an Zystoskopien verringert und hilft um die Gesundheitsversorgung zugänglicher gemacht werden.

(EAU/ms)

Teilen:
Quellen EAU, 03.04.2024Thomas Dreyer: Reducing the number of flexible cystoscopies in patients undergoing follow-up for non-muscle invasive bladder cancer with either flexible cystoscopy or the urinary biomarker test Xpert® Bladder Cancer Monitor: a secondary outcome from a randomised clinical trial. EAU 2024, 06.04.2024, Paris (Frankreich)