Urologen fordern Krisengipfel auch für Fachärzte15. Januar 2024 Axel Belusa, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologie. Foto: BvDU Der Berufsverband der Deutschen Urologie (BvDU) fordert in Analogie zum Spitzengespräch des Bundesgesundheitsministers Prof. Karl Lauterbach (SPD) am 9. Januar einen eigenen Gipfel für Fachärzte. Andernfalls würden die Proteste fachübergreifend und effektiv fortgesetzt werden, droht der Verband. „Der BvDU begrüßt eine starke Hausärzteschaft und fordert eine starke Fachärzteschaft“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. Die Ärzteschaft lasse sich nicht durch einen Bundesgesundheitsminister spalten. Fachärztlich tätige Ärzte, vertreten durch die jeweiligen Berufsverbände mit der Bündelung der Interessen im Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa), seien gesprächsbereit und an konstruktiven Lösungen interessiert. Hintergrund sind die Zugeständnisse Lauterbachs an die Hausärzte. Während der Bundesgesundheitsminister den Hausärzten eine Entbudgetierung zugesichert hat, fühlen sich die Fachärzte „abgespeist“ mit allgemeinen Erleichterungen und der Ankündigung, an Reformen für Fachärzte werde gearbeitet. “Lassen wir unsere Traktoren warm laufen” Bei dem geforderten Krisengipfel wollen die Fachärzte die Entbudgetierung auch für fachärztliche Leistungen, die Abschaffung der quartalsbezogenen Abrechnung, den Abbau der Bürokratie und die Änderung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) fordern. Falls kein Krisengespräch terminiert werde oder im Nachgang keine spürbaren Entlastungen für Fachärzte in die Umsetzung kämen, will der BvDU seine Mitglieder zum weiteren Protest aufrufen und zieht eine Analogie zu den aktuellen Bauernprotesten: “Lassen wir unsere Traktoren warm laufen.” Nur im Zusammenspiel zwischen Hausärzten und Fachärzten und zwischen Klinik und Praxis könne es der Ärzteschaft gelingen, eine flächendeckende, wohnortnahe ambulante Versorgung im Kontext einer alternden Bevölkerung aufrecht zu erhalten, heißt es in der diesbezüglichen Mitteilung. Die Überweisung an einen Facharzt ergäbe nur dann Sinn, wenn noch Praxen existieren, die Patienten aufnehmen können. „Wenn Praxen völlig überlastet sind oder eine um die andere Praxis schließt, ohne Nachfolger zu finden, bleibt die aktuelle Realität, dass Hausärztinnen und Hausärzte diese Patienten in ihren Praxen weiterversorgen müssen.“ Realitätsentrückter Minister Der BvDU wirft dem Bundesgesundheitsminister außerdem vor, „der Realität in der Praxis entrückt“ zu sein, was die angekündigte Entlastung der Praxen etwa durch Jahrespauschalen angeht. Patienten würden nur zu einem kleinen Teil zu Kontrollterminen in die Praxis gebeten. In der großen Mehrzahl der Fälle kämen sie in ihrem eigenen Ermessen in die Praxis, wenn es Ihnen schlecht geht. „Dass dies mitunter das zehnte Mal im Quartal sein kann, scheint Lauterbach auszublenden“, so der BvDU. Lauterbachs Einschätzung, „die leichten Fälle werden nicht mehr die Praxen verstopfen“, entspreche daher nicht der Realität. Auch die Aussicht, die Digitalisierung verschaffe den Ärzten mehr Zeit in den Praxen, sei im aktuellen Stand nicht haltbar. „Beispielsweise ein E-Rezept nimmt aktuell bis zu dreimal so viel Zeit in Anspruch, wie, ein Rezept auf Papier auszustellen. Diese Reihe ließe sich beliebig fortsetzen“, so der BvDU. (ms)
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