Urologische Operations-Tipps aus der Heidelberger Schatzkiste

Blick auf die Stadt Heidelberg. Foto: Freesurf – stock.adobe.com

Im Rahmen des Akademie-Forums „Aus der persönlichen Schatzkiste: Kleine Tricks – Große Wirkung“ beim 75. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Leipzig gab PD Dr. Magdalena Görtz aus Heidelberg praktische Tipps für offene und robotische Operationen.

Die Oberärztin an der Urologischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg begann mit der Ureter-Reimplantation: Hier modifizieren die Heidelberger Urologen den Boari-Flap nach der Technik von Übelhör. Das Prinzip besteht darin, dass man nicht rechteckig den Boari-Flap bildet, „sondern bogenförmig horizontal die Blase inzidiert und dadurch ein gut versorgtes Blasenstück hat, um die notwendige Länge zu schaffen“, wie Görtz an einem Video demonstierte.

Schwierige Situationen bei der roboterassistierten radikalen Prostatektomie waren ihr nächstes Thema. Beim Retzius-schonenden Ansatz sei der Zugang von dorsal etwa bei Zustand nach Nierentransplantation „ein sehr geeigneter Zugang, um sämtliche Gefährdungen für den Transplantat-Ureter zu vermeiden“.

Für die vesico-urethrale Anastomose verwenden sie in Heidelberg den modifizierten Rocco-Stitch. Dieser exponiert die Urethra für die Nadel und verbessert die passive Drucktransmission. Die Anastomose wird mit 5/8 2.0 barbed Suture durchgeführt, einem Nahtmaterial „mit kleinen Widerhäkchen“, wie Görtz es beschrieb. Anstelle der Van-Velthoven-Technik beginnen die Heidelberger die Anastomose bei drei Uhr und entfernen den transurethralen Blasenkatheter sehr früh, „weil wir damit sehr gute Kontinenzergebnisse haben“, so Görtz. „Wir geben immer auch ein bisschen Lasix (Furosemid) bei der Operation, um den Blasenhals optimal zu exponieren.“ Ein weiterer Trick: „Wenn der Blasenhals weit offen ist, bevor man dann die ureterovesikale Anastomose näht, machen wir es so, dass wir zurerst den Blasenhals wieder vernähen, bevor man die Prostata komplett von der Harnröhre absetzt.“

Eine weitere operative Herausforderung ist das Nierenzellkarzinom mit Cava-Thrombus. Wichtig sei hier ein interdisziplinär enges Management mit Herzchirurgie, Anästhesie und Pflege, betonte Görtz. „Wir führen gern präoperativ und intraoperativ einen transösophagealen Ultraschall (TEE) durch, um absolute Kontrolle über den Thrombus zu haben“, berichtete die Oberärztin. Zudem bevorzugen die Heidelberger die präoperative Embolisierung, „weil man dann direkt auf den Thrombus und auf die Vene gehen kann“. Da hierbei die Niere nicht mobilisiert werden müsse, sei das Risiko einer Thromboembolie vermindert. „Es wird aber in der Literatur auch kontrovers definiert, inwieweit das wirklich Vorteile bringt“, schränkte die Urologin ein. „Eine andere schöne Methode ist, einen Fogarty-Katheter zu nehmen. Den führt man ein, zum Besipiel über die Testikularvene, weil sie ein kleines Lumen hat, durch den Thrombus, blockt ihn unter sich mit dem TEE und kann ihn dann schön zurückziehen – noch ein Trick, um eine möglichst reibungslose Operation zu ermöglichen“.

Zum Schluss hatte Görtz auch noch einen Tipp für die radikale Zystektomie: Sie riet, zuerst die Lymphadenektomie durchzuführen und erst ganz zum Schluss das Peritoneum zu eröffnen. „Das hat zum einen den Vorteil, dass nicht immer der Darm in das Operationsgebiet fällt, und zum anderen wurde auch schon gezeigt, dass dies Komplikationen am Darm vermeidet.“

(ms)

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Quellen Akademie-Forum „Aus der persönlichen Schatzkiste: Kleine Tricks - Große Wirkung“, 20.09.2023, 75. DGU- Kongress, Leipzig