Ursache unbekannt: Wenn die Hüftgelenke schleichend kaputtgehen18. Oktober 2021 Andreas Roth verzeichnet am UKL pro Jahr zwischen zehn und 35 Patienten mit einer Hüftkopfnekrose. Foto: Stefan Straube / UKL Zum Welt-Osteoporose-Tag am 20. Oktober betont Prof. Andreas Roth, Universitätsklinikum Leipzig (UKL): Femurkopfnekrose muss früh erkannt und behandelt werden, sonst bleiben nur Kunstgelenke. Dass es auch den besten Ärzten trotz modernster Medizin heutzutage nicht immer gelingt, die Ursache für eine Erkrankung zu finden, zeigt das Beispiel der Femurkopfnekrose, bei der bei Erwachsenen ein Teil des knöchernen Oberschenkelknochenkopfes in Folge von Durchblutungsstörungen abstirbt. “Oftmals bleibt die Ursache dafür unbekannt”, sagt UKL-Experte Roth anlässlich des Welt-Osteoporose-Tages 2021 am 20. Oktober. Mit Kollegen anderer Kliniken arbeitet er derweil an neuen Behandlungsmethoden. Roth ist Bereichsleiter Endoprothetik / Orthopädie an der Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie des UKL. Früher seien die Risikofaktoren für die Femurkopfnekrose leichter auszumachen gewesen, meint er: Alkohol, Chemotherapien, Behandlungen mit Cortison. Zwar seien diese Ursachen nicht verschwunden, sagt Roth, doch träten heutzutage bei den 30- bis 50-Jährigen vermehrt Fälle auf, bei denen der Hüftkopf kaputtgehe, ohne dass es eine augenfällige Erklärung dafür gebe. “Das ist ein neues Phänomen”, erklärt der Orthopäde. Die Krankheit äußert sich in akuten oder schleichend auftretenden Schmerzen im Bereich der Hüfte, oftmals länger als sechs Wochen lang. “Ohne Therapie führt die Femurkopfnekrose meist in zwei Jahren beidseitig zu kaputten Hüften”, erklärt Prof. Roth, “in der Regel heißt das also, bei Nichtbehandlung hilft nur noch ein Kunstgelenk.” Deshalb arbeiten die UKL-Experten an neuen Behandlungsmethoden, um das Hüftgelenk zu retten. “Es ist eine Erkrankung, die wir heute besser als vor 30 Jahren feststellen können”, sagt Roth. Je eher diese diagnostiziert werde, desto höher seien die Erfolgschancen einer Therapie, ob medikamentös oder operativ. “Die Magnetresonanztomografie, also die MRT, ist bei der Diagnose ein sehr wichtiges Werkzeug”, betont Roth. Mit diesen modernen Methoden der Bildgebung ließe sich feststellen, wie groß zum Beispiel der Defekt sei oder wie fortgeschritten die Erkrankung. Auch eine bessere Unterscheidung zu ähnlichen Erkrankungen wie dem reinen Knochenmarködem sei Dank MRT möglich. Bei einem operativen Eingriff wird dann die Nekrose angebohrt, um den Stoffwechsel anzuregen und eine Druckentlastung hervorzurufen. Kombiniert wird dies am UKL mit der Gabe spezieller Medikamente, um den Knochenmarkabbau zu stoppen und die Durchblutung zu fördern. Zwischen zehn und 35 Patienten werden pro Jahr wegen einer Hüftkopfnekrose am UKL behandelt. Die Suche nach den oftmals unklaren Ursachen geht für Roth weiter: “Bei Arthroskopien, also Gelenkspiegelungen, finden wir in nicht wenigen Fällen einen unentdeckten Schaden im Hüftgelenk. Das könnte die Ursache für eine Femurkopfnekrose sein. Wir gehen dieser Theorie nach und arbeiten zusammen mit mehreren Kliniken in Deutschland an diesem Thema.”
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