US-Forscher: Zystoskopie plus ctDNA-Test könnte unnötige Zystektomien vermeiden6. März 2026 Die Erforschung von ctDNA als Biomarker könnte Patienten identifizieren, die ohne Operation auskommen. Grafik: SyahCreation – stock.adobe.com Eine aktuelle Studie, die beim Genitourinary Cancers Symposium der American Society of Clinical Oncology (ASCO-GU) vorgestellt wurde, zeigte einen hohen negativ prädiktiven Wert (NPV) für verbleibenden Blasenkrebs für die Kombination aus Zystoskopie und der Analyse zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) aus Blutproben. Von Markus Schmitz Matthew R. Zibelman, außerordentlicher Professor in der Abteilung für Hämatologie/Onkologie und Direktor der urogenitalen klinischen Forschung im Fox Chase Cancer Center (Philadelphia, USA) präsentierte bei dem Treffen in San Francisco (USA) Daten einer Post-hoc-Analyse der bereits veröffentlichten prospektiven „pT0“-Studie. In der Studie untersuchten die Autoren die systematische endoskopische Evaluation (SEE) vor radikaler Zystektomie als Prädiktor für die Abwesenheit von Krebs im Zystektomiepräparat (pT0). Jetzt haben die Forscher zusätzlich danach geschaut, ob die Analyse der ctDNA dabei helfen könnte, Patienten zu identifizieren, die ohne Blasenentfernung auskommen könnten. Gleichzeitig lieferten sie auch neue Überlebensdaten. Langziel ist der onkologisch sichere Blasenerhalt Standard beim muskelinvasiven und bei bestimmten Formen des nicht muskelinvasiven Blasenkarzinoms ist eine neoadjuvante Chemotherapie mit anschließender radikaler Zystektomie. „Wenn wir die Blase tatsächlich entfernen, stellen wir fest, dass bei einigen dieser Patienten kein Krebs mehr vorhanden ist“, erklärt Zibelman. Bei diesen Patienten hat die Chemotherapie also offenbar schon ausgereicht, um den Krebs zu eliminieren. „Wenn wir im Vorfeld besser wüssten, wer noch Krebs hat und wer nicht, könnten wir fundiertere Entscheidungen darüber treffen, wem diese große Operation von vornherein erspart bleiben könnte.“ Am der Studie nahmen Patienten teil, deren Blase wegen eines muskelinvasiven oder nicht muskelinvasiven Blasenkarzinoms entfernt werden sollte. Am Operationstag entnahmen die Mediziner den Patienten Blutproben und sandten das daraus gewonnene Plasma ein zur Extraktion von zellfreier DNA (cfDNA) und zur Berechnung eines ctDNA-basierten Tumorscores. Für die Analyse benötigten die Wissenschaftler also kein Gewebe aus dem Zystektomiepräparat. Alle Patienten unterzogen sich während der Operation einer SEE zur Bestimmung des pT-Stadiums. Anschließend wurden sie hinsichtlich des rezidivfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens (RFS, OS) nachbeobachtet. In der ursprünglichen Studie mit reiner SEE hatten 26% der Patienten mit negativem SEE-Befund ein pT≥2-Stadium aufgewiesen. Der NPV der SEE zur Bestimmung eines pT0-Stadiums betrug 48,4%. In der aktuell präsentierten explorativen Analyse erzielte die ctDNA (ctDNA+ vs. ctDNA-) einen NPV von 0,43. Bei der Kombination beider Untersuchungen (ctDNA+ oder SEE+ vs. ctDNA- und SEE-) erreichte der NPV 0,83. Auch die Sensitivität nahm durch die Kombination beider Untersuchungsmethoden zu: Der ctDNA-Test allein identifizierte 68% der Patienten mit Restkrebs korrekt, kombiniert mit der SEE stieg die Genauigkeit auf 95%. ctDNA mit prognostischer Relevanz Auch die Überlebensdaten sprechen für die Bedeutung der ctDNA: Das mediane OS wurde bei ctDNA-negativen Patienten noch nicht erreicht, im Vergleich zu 5,7 Jahren bei ctDNA-positiven Patienten (p=0,011). Der RFS-Median war in ersterer Gruppe ebenfalls nicht erreicht und betrug 4,7 Jahre bei den ctDNA-negativen Patienten (p=0,048). „In dieser explorativen Post-hoc-Analyse einer prospektiven Studie verbessert die Kombination von ctDNA zum Zeitpunkt der Operation mit SEE die Vorhersagekraft für das pT-Stadium und ist prognostisch relevant für das RFS und das OS“, schließt Zibelman, fügt aber hinzu, dass diese Analyse der Validierung anhand weiterer Datensätze bedarf. „Der hohe NPV ist ermutigend und rechtfertigt weitere prospektive Studien mit ctDNA und SEE, um Patienten zu identifizieren, die sicher auf eine radikale Zystektomie verzichten können.“ „Diese Ergebnisse bringen uns einer individuelleren Behandlungsstrategie einen bedeutenden Schritt näher, die es ausgewählten Patienten ermöglichen könnte, umfangreiche Operationen zu vermeiden und gleichzeitig die onkologische Integrität zu erhalten.“ kommentiert Alexander Kutikov, Leiter der Abteilung für Urologie am Fox Chase Medical Center und Hauptprüfarzt der Studie.
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