USA: RSV-Prophylaxe wirksam, aber zu wenig genutzt

RSV-Viren können bei Säuglingen schwere Atemwegsinfekte auslösen. (Foto: © Louis-Photo – stock.adobe.com)

Trotz der Möglichkeiten, schweren Erkrankungen durch das Respiratorische Synzytialvirus (RSV) bei Säuglingen vorzubeugen, war die Zahl der RSV-bedingten Krankenhauseinweisungen in der Saison 2023–2024 in den USA nicht wesentlich verringert. Ursache hierfür ist die schwache Inanspruchnahme der Präventionsmöglichkeiten, wie eine aktuelle Studie andeutet.

Für die RSV-Saison 2023–2024 wurden in den Vereinigten Staaten zwei neue RSV-Präventionsprodukte zum Schutz von Säuglingen in ihrer ersten RSV-Saison empfohlen: Nirsevimab und der mütterliche RSV-Impfstoff von Pfizer. Ein US-amerikanisches Forscherteam hat nun mithilfe einer Fall-Kontroll-Studie die Auswirkungen und die Wirksamkeit der Präventionsprodukte bewertet.

Dazu verglichen die Wissenschaftler Epidemiologie und Krankheitslast von medizinisch behandelten RSV-assoziierten akuten Atemwegserkrankungen (ARI) bei Kindern unter fünf Jahren während der RSV-Saison 2023–2024 mit drei präpandemischen RSV-Saisons (2017–2020). Weitere Zielparameter der Studie waren die Wirksamkeit von Nirsevimab gegen behandlungsbedürftige RSV-assoziierte ARI und der Vergleich von Nirsevimab-Bindungsstellenmutationen unter zirkulierenden RSV bei Säuglingen mit und ohne Nirsevimab-Gabe.

Teilnehmende Kinder, die wegen einer ARI in medizinischer Behandlung waren, wurden auf RSV getestet, RSV-positive Proben wurden einer Ganzgenomsequenzierung unterzogen. Zur Abschätzung der Wirksamkeit von Nirsevimab nutzten die Forschenden ein testnegatives Fall-Kontroll-Design. Die Studie wurde in sieben akademischen pädiatrischen Zentren in den Vereinigten Staaten mit Daten aus den RSV-Saisons (1. September bis 30. April) in den Jahren 2017 bis 2024 durchgeführt.

Insgesamt wurden 28.689 Kinder unter fünf Jahren mit medizinisch behandelter ARI in die Studie eingeschlossen, darunter 9536 im Zeitraum vom 1. September 2023 bis zum 30. April 2024 und 19.153 im gleichen Kalenderzeitraum von 2017–2020. Von diesen Kindern waren 16.196 (57%) männlich, das mediane Alter (IQR) betrug 15 (6–29) Monate. Im Zeitraum 2023–2024 lag der Anteil der Kinder mit RSV unter allen medizinisch betreuten Episoden bei 23 Prozent (2199/9490), ähnlich wie im Zeitraum 2017–2020. Die RSV-assoziierten Hospitalisierungsraten im Zeitraum 2023–2024 waren ähnlich wie die durchschnittlichen saisonalen Raten 2017–2020 mit 5,0 (95%-Konfidenzintervall [KI] 4,6–5,3) pro 1000 bei Kindern unter fünf Jahren; die höchsten Raten gab es bei Kindern im Alter von 0 bis 2 Monaten (26,6; 95 %-KI 23,0–30,2). Die geringe Inanspruchnahme des RSV-Impfstoffs durch die Mütter schloss eine Bewertung der Wirksamkeit aus.

Insgesamt hatten zehn von 765 Fallpatienten (1%), die RSV-positiv waren, und 126 von 851 Kontrollpatienten (15%), die RSV-negativ waren, Nirsevimab erhalten. Die Wirksamkeit des monoklonalen Antikörpers betrug 89 Prozent (95 %-KI 79–94) bei medizinisch behandelten RSV-assoziierten ARI und 93 Prozent (95%-KI 82–97) bei RSV-assoziierten Krankenhausaufenthalten. Unter den 229 sequenzierten Proben gab es keine Unterschiede bei den Mutationen der Nirsevimab-Bindungsstelle in Abhängigkeit vom Nirsevimab-Status des Kindes.

Die Analyse dokumentiere die anhaltend hohe Belastung durch RSV-assoziierte ARI bei Kleinkindern in den USA, resümieren die Autoren und betonen das Potenzial der Präventionsmöglichkeiten, sollte sich die Inanspruchnahme in künftigen Saisons verbessern. (ej)