Vaping unter Teens: Mädchen dampfen in den USA häufiger als Jungen21. Oktober 2026 Laut einer neuen Untersuchung konsumieren seit dem Jahr 2021 in den USA Jungen seltener E-Zigaretten als Mädchen. (Foto: Krystian-Graba/pixabay.com) Über Jahrzehnte hinweg konsumierten Jungen und Männer häufiger Nikotin als ihre weiblichen Altersgenossen. Doch eine neue Studie zeigt, dass sich dieses Muster bei Jugendlichen in den USA umgekehrt hat, wenn es um Vaping geht. Laut der kürzlich in „JAMA Pediatrics“ als Research Letter veröffentlichten Studie konsumieren Mädchen seit dem Jahr 2021 häufiger als Jungen E-Zigaretten. Dabei ist dieser Unterschied bei älteren Jugendlichen offenbar besonders deutlich, wie die Forschenden von der Medical University of South Carolina (MUSC) in Charleston (USA) berichten. Die Publikation liefert einen Einblick darin, wie sich das Rauch- und Vaping-Verhalten in den Vereinigten Staaten über ein ganzes Jahrzehnt hinweg verändert hat und schlüsselt dabei die Daten nach Alter und Geschlecht. Die untersuchte Zeitspanne umfasst die rasche Verbreitung von E-Zigaretten Ende der 2010er-Jahre bis zu den heutigen Mustern des Nikotinkonsums bei Jugendlichen. Dr. Benjamin Toll, Leiter des Tobacco Treatment Program an der MUSC Health und Co-Leiter des Lung Cancer Screening Program am MUSC Hollings Cancer Center, betont, dass die aktuellen Zahlen als Warnsignal dienen sollten: Das Vaping-Problem in der untersuchten Altersgruppe sei keineswegs verschwunden. „Wir müssen die Ursachen verstehen und unsere Maßnahmen im Public-Health-Bereich verstärken“, sagt der US-Mediziner Toll. „Wir brauchen sowohl Präventions- als auch Interventionsangebote für diese jungen Menschen, die in alarmierend hohem Maße E-Zigaretten nutzen.“ Ein Jahrzehnt im Wandel: Nikotinkonsum bei Jugendlichen Bisherige Forschungsergebnisse, so erklären die Verfasser der aktuellen Arbeit, hätten lediglich Teilaspekte der sich wandelnden Landschaft des E-Zigarettenkonsums bei Jugendlichen beleuchtet. Die nun von ihnen vorgelegte Studie hingegen sei die erste, in der die Trends beim Rauchen und Vapen – aufgeschlüsselt nach Alter und Geschlecht – über einen Zeitraum von zehn Jahren (2014–2024) untersucht worden sind. Dieser umfassende Blick habe es ihnen ermöglicht, die Entwicklung des E-Zigarettenkonsums bei Jugendlichen nachzuzeichnen: von historisch höheren Raten bei Jungen über einen dramatischen Anstieg in den Jahren 2018 und 2019 bis hin zu der jüngsten Beobachtung, dass die Raten bei Mädchen nun höher liegen. Um diesen breiteren Überblick zu gewinnen, werteten die Forschenden Daten der PATH-Studie (Population Assessment of Tobacco and Health) aus – einer groß angelegten, national repräsentativen Untersuchung zum Tabakkonsum in den USA. Die Analyse umfasste Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren sowie Daten aus dem Zeitraum von 2014 bis 2024. Die Studie konzentrierte sich auf „aktuellen, etablierten“ Konsum von Tabak oder E-Zigaretten: Voraussetzung für die Einbeziehung in die Analyse war, dass das jeweilige Produkt regelmäßig und innerhalb der vergangenen 30 Tage konsumiert worden war. „Damit handelt es sich um eine eher konservative Schätzung des Konsums“, erklärt Hauptautor Dr. Brandon Sanford. „Es geht hier nicht um Jugendliche, die das Dampfen nur ein- oder zweimal ausprobiert haben. Wir sprechen von Jugendlichen, die aktuell regelmäßig E-Zigaretten nutzen.“ Historisch gesehen war Nikotinkonsum bei männlichen Jugendlichen verbreiteter. Die Forschenden stellten fest, dass dieses Muster auch beim E-Zigarettenkonsum im Zeitraum von 2014 bis 2018 Bestand hatte. Zudem kam Vaping bei älteren Jugendlichen (15–17 Jahre) durchgehend häufiger vor als bei jüngeren (12–14 Jahre). Wandel in den Jahren 2018 und 2019 In den Jahren 2018 und 2019 kam es dann zu einem dramatischen Anstieg des E-Zigarettenkonsums unter Jugendlichen: Die Raten nahmen sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen stark zu, wodurch der langjährige geschlechtsspezifische Unterschied weitgehend verschwand. Dieser Anstieg fiel zeitlich mit der wachsenden Beliebtheit einer neuen Generation von E-Zigaretten zusammen. Diese verwendeten Nikotinsalze und kamen in Form kleiner, auf „Pods“ basierender Geräte daher, die das Dampfen attraktiver und einfacher in der Handhabung machten – und einen diskreteren Konsum ermöglichen. Bis 2021 gingen die Raten zurück – doch die weitere Entwicklung unterschied sich je nach Alter und Geschlecht. Bei jüngeren Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren blieben die E-Zigaretten-Konsumraten relativ niedrig und schwankten von Jahr zu Jahr. Nach 2021 lagen die Raten bei Mädchen generell höher als bei Jungen, wobei der Konsum bei weiblichen Teenagern laut den aktuellsten Daten zuletzt wieder zurückging. Keineswegs Entwarnung Dr. Naomi Brownstein, Co-Erstautorin und Biostatistikerin an der MUSC, warnt davor, den jüngsten Rückgang als Beleg dafür zu sehen, dass das Problem sich erledigt hat. „Auch wenn die Rate von 2023 auf 2024 gesunken ist, bleibt sie dennoch hoch“, warnt Brownstein. „Es gibt nach wie vor viele Mädchen in der Mittelstufe, die E-Zigaretten konsumieren.“ Bei älteren Jugendlichen im Alter von 15 bis 17 Jahren war die Veränderung deutlich ausgeprägter. Der regelmäßige E-Zigaretten-Konsum bei Mädchen stieg kontinuierlich von 4,9 Prozent im Jahr 2021 auf 7,8 Prozent im Jahr 2024 an – ein Wert, der fast wieder den Höchststand während der Welle des E-Zigaretten-Konsums unter Jugendlichen in den Jahren 2018 bis 2019 erreicht. Zum Vergleich: Bei den Jungen im gleichen Alter lag der Anteil der regelmäßigen Konsumenten im Jahr 2024 bei 4,6 Prozent. Obwohl der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen auffällig ist, betonen die Forschenden, dass der E-Zigaretten-Konsum auch bei Jungen ein Problem darstellt. „Wir müssen bei den Mädchen die Alarmglocken läuten lassen“, sagt Toll. „Wir dürfen aber auch nicht vergessen, die Jungen in den Blick zu nehmen.“ Zigarettenkonsum erreicht historische Tiefststände Angesichts dieser Vaping-Trends zeigen die über ein Jahrzehnt erhobenen Daten auch eine erfreuliche Entwicklung: Der Konsum herkömmlicher Zigaretten ist bei Jugendlichen drastisch zurückgegangen. Zum Zeitpunkt der letzten Datenerhebung waren weniger als 0,5 Prozent der Jungen und Mädchen regelmäßige Raucher. Toll bezeichnet den Rückgang des Zigarettenrauchens bei US-Teenagern als einen „enormen Erfolg für die öffentliche Gesundheit“. Sanford ergänzt, die veränderten Konsummuster deuteten darauf hin, dass das Vaping bei jungen Menschen möglicherweise einen Teil des Zigarettenkonsums verdrängt. Dieser Wandel bedeutet jedoch auch, dass sich die Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit nun mit einer anderen Form des Nikotinkonsums auseinandersetzen müssen. Die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen des Vapings seien wissenschaftlich noch nicht hinreichend erforscht und sie könnten daher nicht pauschal als weniger schädlich eingestuft werden. Zudem könne regelmäßiges Vaping bei Jugendlichen – in einer Phase, in der sich das Gehirn noch entwickelt – zu einer Nikotinabhängigkeit führen. Vapen erschwert Überblick auf konsumierte Nikotinmenge Die Forschenden weisen noch auf einen anderen Punkt hin: E-Zigaretten erschwerten den Überblick über den Nikotinkonsum. Im Gegensatz zu herkömmlichen Zigaretten, bei denen es einen natürlichen Endpunkt gibt, ermöglichen Kartuschen für E-Zigaretten Hunderte oder Tausende von Zügen, sodass Nutzer den ganzen Tag über immer wieder dampfen können. Zudem lassen sich die Geräte leicht verbergen, was es sowohl für die Nutzer selbst als auch für ihr Umfeld schwieriger macht, das Ausmaß des Konsums einzuschätzen. Sanford berichtet, dass er bei seinen eigenen Patienten auch mit dieser Herausforderung konfrontiert ist: Wenn er sie nach ihrem Vaping-Verhalten fragt, fällt es vielen schwer, eine klare Antwort zu geben – sie können weder die einzelnen Vaping-Einheiten zählen noch angeben, wie lange ein Gerät bei ihnen tatsächlich hält. Warum dampfen Mädchen häufiger? Die Studie zeigt eine deutliche Verschiebung bei der Frage, wer E-Zigaretten nutzt – sie war jedoch nicht darauf ausgelegt, die Ursachen für diesen Wandel zu ermitteln. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, betont Brownstein, dass die Forschenden lediglich auf Zusammenhänge hinweisen können – sie können jedoch nicht schlussfolgern, dass ein bestimmter Faktor ursächlich für den Anstieg bei Mädchen ist. „Es gibt durchaus Faktoren, die mit den beobachteten Raten zusammenhängen und sehr interessant sind“, sagt Brownstein. „Hier gibt es noch viel Forschungsbedarf.“ Sanford erklärt, die Frage nach den Beweggründen für den Konsum sei einer der wichtigsten Aspekte, die es als Nächstes zu untersuchen gelte. „Wir würden gerne genauer erforschen, warum es zu diesem Konsum kommt“, erklärt er. „Gibt es Veränderungen bei den Motiven, beim Marketing, bei sozialen Einflüssen oder in der persönlichen Wahrnehmung?“ Die Beantwortung dieser Fragen könnte helfen, gezieltere Ansätze zur Prävention und Behandlung des E-Zigarettenkonsums bei Jugendlichen zu entwickeln – etwa durch Präventionsbotschaften oder Programme zur Raucherentwöhnung, die genau auf die Faktoren zugeschnitten sind, welche den Konsum bei Mädchen und Jugendlichen allgemein beeinflussen. Die Ergebnisse der neuen Studie sind laut ihren Autoren nicht nur für Forschende und Verantwortliche im Gesundheitswesen von Bedeutung. Laut Toll sollten Kinderärzte, Eltern, Übungsleiter in Sportvereinen und andere Personen, die regelmäßig mit Jugendlichen zu tun haben, sich bewusst sein, dass der E-Zigarettenkonsum unter Jugendlichen nach wie vor ein Problem darstellt. Für das Forschungsteam deuten die sich wandelnden Trends darauf hin, wo künftig verstärkt Aufmerksamkeit erforderlich ist. „Ich denke, das liefert wichtige Hinweise darauf, wo wir unsere Ressourcen einsetzen sollten“, betonte Sanford – „etwa bei Präventionsmaßnahmen, der Entwicklung von Behandlungsangeboten und der gesundheitspolitischen Strategie.“ (ac/BIERMANN)
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