Verband der Pneumologischen Kliniken zu COVID-19: Weniger Regulierung und mehr eigenverantworliches Handeln26. August 2022 Foto: © marchsirawit/stock.adobe.com Ist die COVID-19-Pandemie vorbei? Der Verband der Pneumologischen Kliniken (VPK) ist davon überzeugt und begründet dies damit, dass sich die Situation seit Anfang des Jahres durch die Möglichkeit von Impfungen sowie der Veränderung der SARS-Cov-2-Viren und deren Infektiosität und Virulenz verschoben habe. „Erkrankungen nach einer Infektion mit der Omikron-Variante verlaufen weitaus weniger schwer oder sogar symptomlos und sind insofern nicht vergleichbar mit dem, was Mediziner durch die Varianten Alpha, Beta und Delta gesehen haben,“ betont Dr. Thomas Voshaar, Vorstandsvorsitzender des VPK und Chefarzt des Lungenzentrums am Krankenhaus Bethanien in Moers. „COVID als schwere und auch lebensbedrohliche Erkrankung mit einer sehr besonderen Form der Lungenentzündung wird in den Krankenhäusern praktisch nicht mehr gesehen.“ Auch die Zahlen des Robert Koch-Institutes zeigten, dass die Sterblichkeit durch COVID-19 seit Anfang des Jahres unter diejenige einer Influenza gesunken ist, wenn man „an“ und „mit“ Corona erkrankt bzw. verstorben richtig trenne. „Außerdem stehen mittlerweile auch Medikamente zur erfolgreichen Behandlung schwerer Fallverläufe zur Verfügung. Die nunmehr wenigen Todesfälle infolge Corona betreffen fast nur noch schwer Immunsupprimierte und nicht mehr die bisherigen sogenannten Vulnerablen (>60 Jahre, mit bestimmten Vorerkrankungen)“, verdeutlicht Voshaar. Er verweist außerdem darauf, dass „insbesondere multiple Infektionen […] dem Immunsystem eine verbesserte Abwehrkraft bei der Bekämpfung von Viren“ verleihen. „Durch die wiederholte Stimulation des Immunsystems bei der Konfrontation mit veränderten Viren (Infektion) bzw. Virusantigenen (Impfung) reduziert sich das individuelle gesundheitliche Risiko“, erklärt VPK-Chef Voshaar. Dennoch blieben die bisherigen Maßnahmen im Klinikalltag bestehen, wobei das tägliche Testen auf COVID-19 „unnötige und immense Personalausfälle sowie ein Isolationschaos bei der Bettenbelegung“ verursache. „Wer Corona-positiv ist, aber keine Symptome hat, sollte mit FFP2-Maske und unter Beachtung der Hygieneregeln arbeiten dürfen. Wer krank ist, bleibt zu Hause“, ergänzt Voshaar. Sonst müssten wichtige Operationen, Eingriffe und Behandlungen verschoben werden. Zudem komme es dann zu Staus bei Verlegungen und Entlassungen in die Geriatrie, Rehakliniken, Pflegeeinrichtungen und so weiter. Der VPK plädiert dafür, die COVID-19-Regeln eigenverantwortlich anzuwenden und hat entsprechend Empfehlungen an die Bundesregierung für den kommenden Herbst und Winter formuliert. Dazu gehören unter anderem ein Verzicht auf Lockdowns und ähnliche Maßnahmen in diesem Herbst und der Wegfall einer Quarantäne, die Beschränkung des Staates auf die Impfstoffbeschaffung, eine Kommunikation „auf Grundlage einer evidenz-basierten Wissenschaft und nicht auf Basis von Hochrechnungen epidemiologischer Beobachtungsstudien“, die „Rückkehr zu den klassischen und bewährten Standards der Immunologie und der klinischen Prüfung von Impfstoffen“ und eine stärkere Berücksichtigung von „Kollateralschäden“ in der Pandemie (z. B. verzögerte oder fehlende Krankenhausbehandlung, Verschlimmerung psychiatrischer Vorerkrankungen, Entwicklungsstörungen).
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