Verbesserte Behandlung von Kindern mit lymphatischer Leukämie

Roman Crazzolara (Foto: © MedUniIBK/D. Bullock)

Die Innsbrucker Kinderonkologie hat kürzlich die Ergebnisse einer Studie zur Behandlung von Kindern mit lymphatischer Leukämie veröffentlicht. Die Daten belegen, wie ein verändertes Behandlungsmanagement zur deutlichen Verbesserung bei der Prophylaxe von Pilzerkrankungen, einer gefürchteten, therapeutischen Nebenwirkung, geführt hat. 

Die Behandlungsmöglichkeiten einer lymphatischen Leukämie bei Kindern und Jugendlichen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm verbessert: Lag in den 1960er-Jahren das Fünf-Jahres-Überleben bei unter 20 Prozent, zeigen jüngere Studien, dass in Österreich mittlerweile 92 Prozent der kleinen Patienten erfolgreich behandelt werden können.

Eine erst kürzlich publizierte Studie von Innsbrucker Experten zeigt, dass an der Innsbrucker Universitätsklinik für Pädiatrie I bereits 94,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit einer lymphatischen Leukämie erfolgreich behandelt werden konnten.

Die lymphatische Leukämie macht rund ein Viertel aller onkologischen Erkrankungen bei Kinder und Jugendlichen aus. In der wissenschaftlichen Arbeit, die im „British Journal of Haematology“ veröffentlicht worden ist, sind die Daten von 215 Patienten ausgewertet worden, die zwischen 2000 und 2018 an der Innsbrucker Universitätsklinik behandelt worden sind. „Mithilfe der Erkenntnisse können wir die Behandlungsmöglichkeiten und auch die Lebensqualität weiter verbessern“, erklärt Roman Crazzolara. Er war 2019 auf die erste Stiftungsprofessur für Kinderonkologie an der Medizinischen Universität Innsbruck berufen worden, die mithilfe der Kinder-Krebshilfe Tirol und Vorarlberg eingerichtet worden war. Crazzolara leitete die Studie, die mit Unterstützung des Institutes für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie durchgeführt wurde.

Risikoabhängige und fallbezogene Pilzprophylaxe

Ein wichtiger Aspekt der Behandlung der lymphatischen Leukämie stellt die Vermeidung von Pilzinfektionen dar: Diese Nebenwirkung ist für die kleinen Krebspatienten besonders gefährlich. „Viele der Kinder und Jugendlichen haben ein geschwächtes Immunsystem, sie sind daher besonders anfällig. Eine Pilzinfektion kann die Organe und die Lunge betreffen und eine intensive Behandlung erfordern“, erklärt Crazzolara. Durch eine an das Risiko angepasste, fallbezogene Therapie, konnte die Prophylaxe von Pilzerkrankungen in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert werden. „Wir haben seit zehn Jahren keine schwere Pilzinfektion mehr gehabt“, freut sich Roman Crazzolara. Auch insgesamt geben die Ergebnisse Anlass zur Hoffnung: „Gleichzeitig konnten wir die Anzahl der Patientinnen und Patienten, die mit einem neuen Medikament zur Vorbeugung einer Pilzerkrankung behandelt, reduzieren. Das bedeutet nicht nur, dass unseren Patientinnen und Patienten eine Infektion mit Pilzen erspart geblieben ist, sondern auch eine damit verbundene invasive Behandlung und Prophylaxe. Insgesamt hat sich die Therapieverträglichkeit erhöht.“

Oberstes Ziel der Forschungsbemühungen von Crazzolara und seinem Team bleibt aber die weitere Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten. „Zukünftig werden wir die Therapien noch besser evaluieren. Dafür haben wir ein ganz neues Portal erstellt und auch in der Langzeitnachsorge sind weitere Verbesserungen geplant“, sagt der Mediziner. Ermöglicht wird die Weiterentwicklung der Kinderonkologie in der Lehre, Forschung und Krankenversorgung auch durch die Stiftungsprofessur und die Unterstützung durch die Kinder-Krebs-Hilfe für Tirol und Vorarlberg.