Vergleich von Werkzeugen zur Ermittlung von Gebrechlichkeit von hospitalisierten COPD-Patienten: Einsatz des richtigen Tools ist entscheidend für Einleitung einer Lungenrehabilitation

OTTAWA (Biermann) – Die Ermittlung der körperlichen Gebrechlichkeit von Patienten mit Chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) besitzt hohe Relevanz, da diese mit schwerer Morbidität und erhöhter Mortalität assoziiert ist. Die Gebrechlichkeit von COPD-Betroffenen lasse sich zwar mit Interventionen (z. B. Lungenrehabili­tation) mindern, jedoch werde sie in der pneumologischen klinischen Praxis nicht routinemäßig ermittelt, schreiben die Autoren einer aktuellen Studie.

Darin wurde untersucht, inwieweit der bevölkerungsbasierte Hospital Frailty Risk Score (HFRS) und die Bewertung am Krankenbett mithilfe der Clinical Frailty Scale (CFS) bei hospitalisierten Patienten mit COPD übereinstimmen. Denn, so betonen die Forschenden, es sei nicht klar, wie sich bevölkerungs­bezogene Tools zum Screening auf Gebrechlichkeit im Vergleich zu Standarduntersuchungen am jeweiligen Patien­ten in dieser Bevölkerungsgruppe verhalten.

Die Wissenschaftler bewerteten daher Sensitivität und Spezifität des HFRS im Vergleich zum CFS in Bezug auf die Identifizierung körperlich gebrechlicher COPD-Patienten. In die monozentrische Querschnittstudie wurden wegen einer COPD-Exazerbation hospitalisierte Patienten aufgenommen, die sich zur Behandlung in einem Krankenhaus der Tertiärversorgung in Ottawa (Kanada) befanden.

Die Autoren ermittelten den Schweregrad der körperlichen Gebrechlichkeit mit dem CFS und berechneten den HFRS der Betroffenen anhand von Krankenhausverwaltungsdaten. Primäre Endpunkte waren Sensitivität und Spezifität des HFRS zur Erkennung gebrechlicher und nichtgebrechlicher Personen gemäß der CFS-Bewertung. Der sekundäre Endpunkt bestand in der optimalen Wahrscheinlichkeitsschwelle des HFRS für die Unterscheidung zwischen gebrechlichen und nichtgebrechlichen Personen.

Von 99 Patienten mit COPD-Exazerbation (Durchschnittsalter 70,6 [SD 9,5] Jahre; 56 [57 %] Frauen) wurden 14 (14 %) als nichtgebrechlich eingestuft, 33 (33 %) als vulnerabel, 18 (18 %) zeigten eine leichte Gebrechlichkeit und 34 (34 %) waren laut CFS von einer mittelschweren bis schweren Gebrechlichkeit betroffen. Der HFRS (vs. CFS) besaß eine Sensitivität von 27 % und eine Spezifität von 93 % für die Identifizierung gebrechlicher vs. nichtgebrechliche Personen. Die optimale Wahrscheinlichkeitsschwelle für den HFRS lag bei ≥1,4 Punkten oder höher. Die entsprechende Sensitivität zum Nachweis von Gebrechlichkeit betrug 69 % und die Spezifität 57 %. Dies zeigt, dass der HFRS in dieser Population dazu führen kann, dass Gelegenheiten zur frühen Identifizierung von Gebrechlichkeit und die Veranlassung bspw. einer Lungenrehabilitation verpasst werden. (ac)

Autoren: Chin M et al.
Korrespondenz: Sunita Mulpuru; [email protected]
Studie: Comparing the Hospital Frailty Risk Score and the Clinical Frailty Scale Among Older Adults With Chronic Obstructive Pulmonary Disease Exacerbation
Quelle: JAMA Netw Open 2023;6(2):e2253692.
doi: 10.1001/jamanetworkopen.2022.53692