Neue Studie zu Verhaltensauffälligkeiten bei Demenz im häuslichen Umfeld25. Juni 2026 Symbolbild © LIGHTFIELD STUDIOS/stock.adobe.com Verhaltens- und psychische Auffälligkeiten zählen zu den belastendsten Aspekten der Demenz – für Betroffene und pflegende An- und Zugehörige gleichermaßen. Eine neue Studie des Digitalen Demenzregisters Bayern hat untersucht, ob sich diese Symptome zwischen Männern und Frauen, die zu Hause leben, unterscheiden. Bis zu 90 Prozent aller Menschen mit Demenz entwickeln im Krankheitsverlauf Verhaltens- und psychische Veränderungen. Diese umfassen Teilnahmslosigkeit, Reizbarkeit, Unruhe, Schlafstörungen oder Wahnvorstellungen und sind mit einem beschleunigten körperlichen Abbau, erhöhter Pflegebelastung sowie einem gesteigerten Risiko der Heimeinweisung verbunden. Bisherige Studien konzentrierten sich jedoch überwiegend auf Betroffene in Pflegeeinrichtungen. Über Menschen mit Demenz, die zu Hause leben, war bislang nichts bekannt. Die digiDEM Bayern-Studie untersucht diese bislang wenig erforschte Patientengruppe. „Mithilfe unserer Registerdaten war es erstmals möglich, Verhaltens- und psychische Auffälligkeiten bei zu Hause lebenden Menschen mit Demenz in ganz Bayern zu untersuchen. Insbesondere war uns wichtig, ob dabei Unterschiede bei zu Hause lebenden Männern und Frauen gibt”, erklärt Lea Dütsch, Erstautorin der Studie und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei digiDEM Bayern. In die Studie wurden 368 Personen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen oder einer leichten bis mittelschweren Demenz aus ganz Bayern einbezogen. 55 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen, das durchschnittliche Alter betrug 80 Jahre. Die Verhaltens- und psychischen Symptome wurden zu Studienbeginn und nach zwölf Monaten mit einem international anerkannten Fragebogen erfasst. Alter und Bildung als entscheidende Einflussfaktoren Die Daten zeigen: Über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg nahmen die Verhaltens- und psychischen Auffälligkeiten bei allen Teilnehmenden leicht zu. Männer schienen dabei stärker betroffen zu sein als Frauen, sowohl zu Studienbeginn als auch nach zwölf Monaten. Doch als die Forschenden genauer prüften, Nach Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren zeigte sich jedoch ein anderes Bild: „Als wir Alter, Bildungsgrad und Schwere der Demenz berücksichtigten, verschwanden diese Unterschiede statistisch vollständig”, berichtet Dütsch. „Das bedeutet: Das Geschlecht ist nicht der alleinige entscheidende Faktor – auch andere soziale und medizinische Merkmale haben prägenden Einfluss.” In der Analyse zeigte sich insbesondere das Alter als relevanter Einflussfaktor. Frauen waren im Mittel älter als Männer und hatten weniger Schuljahre absolviert, beides Umstände, die unabhängig vom Geschlecht beeinflussen, wie stark Verhaltens- und psychische Auffälligkeiten ausgeprägt sind. „Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, soziale und medizinische Faktoren gemeinsam zu betrachten. Nur so lässt sich ein realistisches Bild der häuslichen Versorgungssituation zeichnen”, erklärt Prof. Peter Kolominsky-Rabas, Projektleiter von digiDEM Bayern und Co-Autor der Studie. Häusliche Versorgung stärker in den Blick nehmen Die meisten Menschen mit Demenz verbringen einen Großteil ihrer Erkrankung in den sogenannten „eigenen vier Wänden“. Internationale Studien zeigen, dass nur rund ein Drittel der verbleibenden Lebenszeit in Pflegeeinrichtungen verbracht wird. „Die Gruppe der zu Hause lebenden Menschen mit Demenz wird in der Forschung häufig übersehen, obwohl sie zahlenmäßig bedeutend ist und ganz eigene Bedürfnisse hat”, betont Dütsch. Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels dürfte die häusliche Versorgung weiter an Bedeutung gewinnen. „Der Aufbau ambulanter, gemeindenaher und vor allem ‚zugehender‘ Unterstützungsstrukturen ist entscheidend, um pflegende An- und Zugehörige zu entlasten und Menschen mit Demenz so lange wie möglich ein Leben zu Hause zu ermöglichen”, so Kolominsky-Rabas. Den Autoren zufolge sollten bei der Einschätzung und Behandlung von Verhaltens- und psychischen Auffälligkeiten bei Menschen mit Demenz individuelle Faktoren wie Alter, Bildung und Erkrankungsschwere stets mitberücksichtigt werden. Die Forschenden betonen zugleich die Notwendigkeit weiterer Längsschnittstudien in der häuslichen Versorgung, um Verhaltens- und psychische Auffälligkeiten und deren Verlauf besser zu verstehen und die Versorgung gezielt weiterzuentwickeln. Ebenfalls interessant zum Thema Demenz: Experten erwarten deutliche Zunahme der Demenzfälle bis 2060 Sind Gedächtnisprobleme frühe Hinweise auf Demenz?
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