Verhinderung eines Rezidivs nach Ileokolonresektion bei Morbus Crohn: Bewertung eines Algorithmus für das klinische Patientenmanagement

ROTTERDAM (Biermann) – Zur Verhinderung eines Rezidivs nach Ileokolonresektion (ICR) bei Morbus Crohn wird in internationalen Leitlinien eine postoperative Prophylaxe auf der Grundlage einer Risiko­stratifizierung empfohlen. Nun bewerteten niederländische Wissenschaftler das Auftreten eines postoperativen M.-Crohn-Rezidivs nach der Einführung eines klinischen Management-Algorithmus. Darüber hinaus bestimmten sie den prädiktiven Wert klinischer und histologischer Risikofaktoren (RF).

Die Forscher nahmen in diese Kohortenstudie M.-Crohn-Patienten (≥16 Jahre) auf, bei denen eine ICR geplant war. Der Algorithmus ­empfahl für Patienten mit niedrigem Risiko keine postoperative Medikation und für Patienten mit hohem Risiko (≥1 RF: aktives Rauchen, penetrierende Erkrankung, vorherige ICR) eine prophylaktische Behandlung (Immunsuppressiva bzw. Biologika). Ebenso bewerteten sie klinische und histologische Risiko­faktoren (aktive Entzündungen, Granulome, Plexitis an den Resektionsrändern) für das Auftreten eines endoskopischen Rezidivs (Rutgeerts-Score ≥i2b nach 6 Monaten).

An der Studie nahmen insgesamt 213 M.-Crohn-Patienten nach ICR teil (Alter 34,5 Jahre; 65 % Frauen; 44 % mit niedrigem Risiko; 56 % mit hohem Risiko: 38 % Raucher; 43 % penetrierende Erkrankung; 43 % vorherige ICR). Die Adhärenz zu dem Algorithmus betrug 82 % bei Patienten mit niedrigem Risiko (keine Prophylaxe) und 51 % bei Patienten mit hohem Risiko (Pro­phylaxe-Gruppe).

Die endoskopische Rezidivrate war bei Patienten, die ohne Prophylaxe behandelt wurden, höher als bei Patienten mit Prophylaxe und zwar sowohl bei Patienten mit niedrigem (45 vs. 16 %; p=0,012) als auch mit hohem Risiko (49 vs. 26 %; p=0,019). Die klinische Risikostratifizierung einschließlich der Verschreibung einer Prophylaxe entsprach einem AUC-Wert von 0,70 (95 %-KI 0,61–0,79). Eine Kombination von klinischen mit histologischen RF erhöhte die AUC-Werte schließlich auf 0,73 (95 %-KI 0,64–0,81).

Es zeigte sich, dass dieser Behandlungs-Algorithmus zu 65 % befolgt wird. Eine prophylaktische Medi­kation nach ICR verhindert ein endoskopisches Rezidiv gleicher­maßen bei Patienten mit niedrigem und hohem Risiko. Dabei zeigte die klinische Risiko­stratifizierung einen akzeptablen prädiktiven Wert, muss aber noch verfeinert werden. (je)

Autoren: Arkenbosch JHC et al.
Korrespondenz: Dr. Annemarie C. de Vries; [email protected]
Studie: Prophylactic Medication for the Prevention of Endoscopic Recurrence in Crohn‘s Disease: a Prospective Study Based on Clinical Risk Stratification
Quelle: J Crohns Colitis 2023;17(2):221–230.
doi: 10.1093/ecco-jcc/jjac128