Verringerung des Risikos wiederholter Frühgeburten durch Probiotika

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Japanische Forschende haben herausgefunden, dass die Einnahme von Probiotika mit Clostridium butyricum ab der Frühschwangerschaft möglicherweise einer spontanen Frühgeburt vorbeugen können.

Frühgeburt, definiert als Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche, ist weltweit eine der führenden Ursachen für Mortalität und Morbidität bei Neugeborenen. Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen wie Atemnot, Infektionen, neurologische Schäden und langfristige Entwicklungsstörungen. Frauen mit einer Vorgeschichte von spontanen Frühgeburten sind besonders gefährdet, da das Risiko eines Rezidivs in Folgeschwangerschaften erhöht ist. Daher bleibt die Prävention von Frühgeburten in diesen Risikofällen eine bedeutende Herausforderung in der Geburtshilfe.

Darmmikrobiom als Schlüssel zur Immunregulation in der Schwangerschaft

Eine erfolgreiche Schwangerschaft setzt ein fein abgestimmtes Immunsystem voraus. An der Schnittstelle zwischen Mutter und Fötus muss das Immunsystem der Mutter den sich entwickelnden Fötus tolerieren und ihn gleichzeitig vor Infektionen schützen. Diese Toleranz wird unter anderem durch regulatorische T-Zellen (Treg-Zellen) aufrechterhalten, die übermäßige Entzündungsreaktionen unterdrücken. Jüngste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das Darmmikrobiom diese Wechselwirkung zwischen Immunsystem und Schwangerschaft beeinflussen kann. Bestimmte Darmbakterien, insbesondere Clostridium-Arten, fördern bekanntermaßen die Entwicklung von Treg-Zellen. Frühere Studien haben bei Frauen mit spontaner Frühgeburt reduzierte Konzentrationen dieser Bakterien festgestellt.

Um zu untersuchen, ob die Wiederherstellung einer gesunden Darmflora Frühgeburten vorbeugen kann, erforschte ein japanisches Forschungsteam unter der Leitung von Privatdozent Satoshi Yoneda vom Institut für Geburtshilfe und Gynäkologie der Universität Toyama die potenzielle Rolle einer Probiotika-Supplementierung während der Schwangerschaft. Die Studie wurde von Dr. Shigeru Saito, ebenfalls von der Universität Toyama, mitverfasst und in Zusammenarbeit mit mehreren Institutionen in ganz Japan durchgeführt.

Die kürzlich online im Fachjournal „American Journal of Obstetrics and Gynecology“ veröffentlichten Ergebnisse legen nahe, dass Probiotika mit dem Butyrat-produzierenden Bakterium Clostridium butyricum das Risiko einer erneuten spontanen Frühgeburt verringern können.

„Diese Studie wurde durch unser Bestreben motiviert, die Zahl der Kinder mit Langzeitbehinderungen, insbesondere extrem frühgeborener Kinder, durch geeignete geburtshilfliche Maßnahmen zu reduzieren“, erklärt Yoneda.

Probiotika-Supplementierung senkt Rezidivrate von Frühgeburten

Um die Wirkung von Probiotika auf spontane Frühgeburten zu untersuchen, führten die Forscher zwischen 2021 und 2024 eine prospektive multizentrische klinische Studie in 31 japanischen Krankenhäusern durch. An der Studie nahmen schwangere Frauen im Alter von 18 bis 43 Jahren teil, die bereits eine spontane Frühgeburt erlitten hatten und daher ein erhöhtes Risiko für ein erneutes Auftreten aufwiesen. Die Teilnehmerinnen erhielten zwischen der 10. und 14. Schwangerschaftswoche orale Probiotika-Tabletten und setzten die Einnahme bis zum Ende der Schwangerschaft (36 Wochen und 6 Tage) fort. Jede Tablette enthielt 10 mg Clostridium butyricum, 2 mg Enterococcus faecium und 10 mg Bacillus subtilis und wurde während der gesamten Studiendauer dreimal täglich eingenommen.

Bei den 315 Teilnehmerinnen lag die Rezidivrate einer spontanen Frühgeburt vor der 37. Schwangerschaftswoche bei 14,9 Prozent. Dieser Wert war signifikant niedriger als die in der japanischen nationalen Perinataldatenbank berichtete Rezidivrate von 22,3 Prozent. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Einnahme von Probiotika das Risiko einer Frühgeburt bei Frauen mit einer entsprechenden Vorgeschichte verringern kann. Auch für frühere und schwerere Frühgeburtsformen zeigten sich günstige Effekte. Der Gesamtanteil an spontanen Frühgeburten sank signifikant. Wichtig ist, dass die Probiotika-Therapie ein günstiges Sicherheitsprofil ohne therapieassoziierte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse aufwies.

Veränderungen der Darmflora als möglicher Wirkmechanismus

Die Forscher analysierten zudem die Veränderungen der Darmflora der Teilnehmerinnen während der Schwangerschaft. Bei Frauen, die termingerecht entbanden, stieg der Anteil von Clostridium-Arten im Darm nach der Probiotika-Supplementierung um etwa das Fünffache. Dieser Anstieg wurde jedoch nicht bei Frauen mit wiederholten Frühgeburten beobachtet.

„Die Gabe von Probiotika mit Butyrat-produzierenden Bakterien in der Frühschwangerschaft kann dazu beitragen, Frühgeburten bei Frauen mit einer Vorgeschichte von oder einem hohen Risiko für eine spontane Frühgeburt zu verhindern“, erläutert Yoneda.

Die Autoren weisen darauf hin, dass weitere Studien erforderlich sind, um die Wirksamkeit einer Probiotika-Therapie zur Prävention wiederholter spontaner Frühgeburten zu bestätigen. Insgesamt unterstreicht diese Studie das Potenzial einer Probiotika-Supplementierung, das Risiko wiederholter spontaner Frühgeburten zu senken und die Ergebnisse für Mütter und Kinder zu verbessern.

(lj/BIERMANN)

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