Versorgung kardiovaskulärer Erkrankungen – Forschungsprojekt zeigt geschlechtsspezifische Unterschiede

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Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) stellt die Ergebnisse des Projektes „GenderVasc – Geschlechtsspezifische reale Versorgungssituation von Patienten mit arteriosclerotischen kardiovaskulären Erkrankungen in Deutschland“ vor.

Herz- und Gefäßkrankheiten führen die Statistik der Todesursachen in Deutschland an – sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Geschlechtsabhängigen Besonderheiten beispielsweise in der Ausprägung und im Verlauf einer Krankheit werden in der Gesundheitsversorgung bisher jedoch noch zu wenig Beachtung geschenkt. Das Projekt GenderVasc hat die Versorgungssituation kardiovaskulärer Erkrankungen in Deutschland umfassend analysiert. Als Datengrundlage für die Beobachtungsstudie dienten Routinedaten der Allgemeinen Ortskrankenkassen sowie die Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamtes.

Das jüngst beendete Projekt konnte zwar keine unmittelbare Transferempfehlung erhalten, aber dennoch wichtige neue Erkenntnisse bereitstellen, fasst der G-BA zusammen. Idealerweise könnten neue Erkenntnisse, die in Forschungsprojekten des Innovationsausschusses beim G-BA gewonnen werden, die Versorgung unmittelbar verbessern. Die Relevanz eines Projekts bemesse sich jedoch nicht alleine an einer Transferempfehlung in die Versorgung, wie das Projekt GenderVasc deutlich zeige: „Die Ergebnisse leisten einen Beitrag zum Verständnis der Versorgungssituation kardiovaskulärer Erkrankungen in Deutschland und identifizieren zum Teil geschlechtsspezifische Unterschiede“, heißt es in der Mitteilung des G-BA.

Eine Erklärung für teils identifizierte Unterschiede in der Versorgung können die Projektergebnisse von GenderVasc zwar nicht liefern. Hierzu, so der G-BA, wären weitere Erkenntnisse aus Primärdatenstudien notwendig, die die vorliegenden Erkenntnisse aus dem Projekt ergänzen. Dennoch erachtete es der Innovationsausschuss als wichtig, die erzielten Ergebnisse an die einschlägigen Fachgesellschaften zur Information weiterzuleiten. So schlussfolgerte das Projekt GenderVasc aus den Analysen, dass es keinen generellen Anhalt für einen geschlechtsspezifischen Faktor gebe, der die Prognose von Frauen verschlechtert. Vielmehr sei deren oft schlechtere Prognosen durch ein höheres Lebensalter und häufigere Begleiterkrankungen erklärt. Allerdings deuten die Ergebnisse darauf hin, dass medikamentöse und invasive Therapieverfahren bei Frauen im Vergleich zu Männern seltener Anwendung finden.

Prof. Josef Hecken, Vorsitzender des Innovationsausschusses, weist auf die Differenziertheit im Umgang mit Projektergebnissen hin: „Wir nehmen als Innovationsausschuss leider immer wieder wahr, dass der Erfolg eines geförderten Projektes allein daran gemessen wird, ob die Ergebnisse unmittelbar und flächendeckend genutzt werden können. Das ist viel zu verkürzt. Es widerspricht der Möglichkeit eines schrittweisen Forschens. Und es wird verkannt, dass Erkenntnisse die medizinische Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung verbessern können, ohne dass sie sofort Eingang in Verträge, Leitlinien oder auch Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses finden. Nämlich dann, wenn sie Ansätze für weitere Forschung aufzeigen. Unsere Aufgabe als Innovationsauschuss ist es, Transparenz zu allen Ergebnissen herzustellen und sie nutzbar zu machen – und das meint eben nicht nur zu den eindeutig positiven.“