Verwendung von Desinfektionsmitteln während der Schwangerschaft: Studie zeigt möglichen Zusammenhang mit Asthma und Ekzemen im Kindesalter29. März 2022 Foto: © hedgehog94/stock.adobe.com Verwenden Frauen während ihrer Schwangerschaft häufig Desinfektionsmittel, riskieren sie damit, dass ihre Kinder später mit höherer Wahrscheinlichkeit an Asthma und Ekzemen leiden. Das ist das Ergebnis einer neuen bevölkerungsbasierten Studie aus Japan. Die Wissenschaftler betonen, dass Desinfektionsmittel häufig im medizinischen Umfeld – wie Krankenhäusern – verwendet werden, insbesondere während der COVID-19-Pandemie. Diese außerdem dazu geführt, dass Desinfektionsmittel auch in Privathaushalten häufiger benutzt werden. Schon in der Vergangenheit wurde die Exposition gegenüber Desinfektionsmitteln bei den direkt Betroffenen mit Asthma und Dermatitis in Verbindung gebracht. Welche Auswirkungen die Verwendung von Desinfektionsmitteln während einer Schwangerschaft auf die Entwicklung allergischer Erkrankungen beim Nachwuchs hat, sei bislang aber eher selten untersucht worden, erklären die Autoren der aktuellen Studie. Sie analysierten Daten von 78.915 Mutter-Kind-Paaren, die in die Japan Environment and Children’s Study eingeschlossen waren, um herauszufinden ob die Exposition von Müttern gegenüber Desinfektionsmitteln am Arbeitsplatz mit einem erhöhten Risiko für die Diagnose allergischer Erkrankungen bei ihren Kindern im Alter von 3 Jahren assoziiert war. Tatsächlich stellten die Wissenschaftler fest, dass die Wahrscheinlichkeit für Asthma oder Ekzeme bei Kindern signifikant höher war, wenn deren Mütter während der Schwangerschaft ein- bis sechsmal pro Woche ein Desinfektionsmittel verwendet hatten. Die Forschenden beobachteten zudem eine expositionsabhängige Beziehung zwischen der vorgeburtlichen Exposition gegenüber Desinfektionsmitteln und der Wahrscheinlichkeit, dass Kinder an diesen allergischen Erkrankungen litten. Dabei hatten Kinder von Müttern, die täglich Desinfektionsmitteln ausgesetzt waren, die höchste Wahrscheinlichkeit für eine solche Diagnose: Sie war 26 Prozent höher für Asthma und 29 Prozent höher für ein Ekzem als bei Kindern von Müttern, die nie Desinfektionsmitteln ausgesetzt waren. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Verwendung von Desinfektionsmitteln und Lebensmittelallergien wurde nicht festgestellt. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, konnten keine ursächlichen Zusammenhänge festgestellt werden. Auch weisen die Autoren darauf hin, dass die in die Analyse einbezogenen Informationen über die Verwendung von Desinfektionsmitteln von den Frauen selbst stammten, wobei keine näheren Angaben zu den Desinfektionsmitteln gemacht wurden. Auch die Informationen zu den Diagnosen allergischer Erkrankungen bei den Kindern stammten von den Müttern. Dennoch schlussfolgern die Autoren: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Exposition [gegenüber Desinfektionsmitteln] während der Schwangerschaft eine Auswirkung auf Allergien bei den Nachkommen hat, unabhängig davon, ob die Mutter an ihren Arbeitsplatz zurückkehrt, wenn das Kind ein Jahr alt ist. Die Beobachtungen deuten auf eine Wirkung durch Exposition allein während der Schwangerschaft hin.“ Die Wissenschaftler fügen hinzu: „Angesichts des derzeit zunehmenden Einsatzes von Desinfektionsmitteln zur Vorbeugung neuer Coronavirus-Infektionen ist es von großer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit, zu prüfen, ob die pränatale Exposition gegenüber Desinfektionsmitteln ein Risiko für die Entwicklung allergischer Erkrankungen darstellt.“ Die Studienautoren schlagen mehrere Mechanismen vor, die das erhöhte Risiko einer allergischen Erkrankung bei Kindern nach Exposition der Mütter während der Schwangerschaft erklären könnten. Dazu gehörten mikrobiomvermittelte (Darm und Haut), immunvermittelte (Exposition gegenüber bestimmten chemischen Verbindungen während der Schwangerschaft beeinflusst die Immunantwort des Fötus), postnatale Exposition (Kinder inhalieren oder kommen in Kontakt mit Molekülen von Desinfektionsmitteln, die sich auf der Haut der Mütter befinden) oder Voreingenommenheit (Mütter, die häufig gegenüber im medizinischen Umfeld verwendeten Desinfektionsmittel exponiert sind, sind wahrscheinlich medizinisch besser informiert und haben einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung).
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