Vier Prozent aller neuen Krebsfälle durch Alkohol

© Drazen – stock.adobe.com (Symbolbild)

Ein internationales Wissenschaftlerteam hat globale, regionale und nationale Schätzungen der alkoholbedingten Krebslast für das Jahr 2020 vorgelegt, um die Alkoholpolitik und die Krebsbekämpfung in verschiedenen Settings weltweit zu informieren.

Ihr Fazit: Die Ergebnisse unterstrichen die Notwendigkeit wirksamer Maßnahmen und Interventionen, um das Bewusstsein für Krebsrisiken im Zusammenhang mit Alkoholkonsum zu schärfen und diesen insgesamt zu senken, um die Last durch alkoholbedingte Krebserkrankungen zu verringern.

Harriet Rumgay von der International Agency for Research on Cancer in Lyon, Frankreich, und ihre Kollegen hatten in ihrer populationsbasierten Studie Populations-attributable Fraktionen (PAFs) berechnet. Grundlage waren eine theoretische Exposition gegenüber einem minimalen Risiko bei lebenslanger Abstinenz und Schätzungen des Alkoholkonsums von 2010 aus dem Global Information System on Alcohol and Health (unter der Annahme einer 10-jährigen Latenzzeit zwischen Alkoholkonsum und Krebsdiagnose). Diese Angaben kombinierten die Autoren mit entsprechenden Schätzungen des relativen Risikos aus systematischen Literaturrecherchen im Rahmen des WCRF Continuous Update Project, und wandten sie auf Daten zu Krebsinzidenzen aus GLOBOCAN 2020 an, um neue alkoholbedingte Krebsfälle abzuschätzen.

Ferner berechneten sie den Beitrag von moderatem (<20 g/Tag), riskantem (20–60 g/Tag) und starkem (>60 g/Tag) Alkoholkonsum an der gesamten alkoholbedingten Krebslast sowie den Beitrag einer Zunahme von je 10 g/Tag (bis max. 150 g). 95%-Unsicherheitsintervalle (UIs) wurden mit einem Monte-Carlo-ähnlichen Ansatz abgeschätzt.

Weltweit waren schätzungsweise 741.300 (95%-UI 558.500–951.200) oder 4,1% (95%-UI 3,1–5,3) aller neuen Krebsfälle im Jahr 2020 auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Männer betrafen 568.700 (76,7%; 95%-UI 422.500–731.100) der gesamten alkoholbedingten Krebsfälle. Krebserkrankungen der Speiseröhre (189.700 Fälle [95%-UI 110.900–274.600]), Leber (154.700 Fälle [95%-UI 43.700–281.500]) und Brust (98.300 Fälle [95%-UI 68.200–130.500]) trugen die meisten Fälle bei.

Die weiteren Berechnungen ergaben, dass die PAFs in Nordafrika (0,3% [95%-UI 0,1–3,3]) und Westasien (0,7% [95%-UI 0,5–1,2]) am niedrigsten waren und in Ostasien (5,7% [95%-UI 3,6–7,9]) und Mittel- und Osteuropa (5,6% [95%-UI 4,6–6,6]) am höchsten. Die größte Last an alkoholbedingten Krebserkrankungen ging auf starken (346.400 Fälle [46,7%; 95%-UI 227.900–489.400]) und riskanten Alkoholkonsum (291.800 Fälle [39,4%; 95%-UI 227.700–333.100]) zurück.

Mäßiges Trinken war für 103.100 Fälle (13,9%; 95%-UI 82.600–207.200) und Trinken von bis zu 10 g/Tag für 41.300 Fälle (95%-UI 35.400–145.800) verantwortlich. Rumgay stellt die wichtigsten Studienergebnisse in einem kurzen Video vor: www.youtube.com/watch?v=3Iue5rnZ5lY.

Fazit
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit wirksamer Maßnahmen und Interventionen, um das Bewusstsein für Krebsrisiken im Zusammenhang mit Alkoholkonsum zu schärfen und diesen insgesamt zu senken, um die Last durch alkoholbedingte Krebserkrankungen zu verringern. (sf)

Autoren: Rumgay H et al.
Korrespondenz: Harriet Rumgay; [email protected]
Studie: Global burden of cancer in 2020 attributable to alcohol consumption: a population-based study
Quelle: Lancet Oncol 2021;22(8):1071–1080.
Web: https://doi.org/10.1016/S1470-2045(21)00279-5