Virtuelle Ernährungsberatung für Krebspatienten: Mehr Lebensqualität, bessere Symptomkontrolle 12. Juli 2024 Foto: stokkete/stock.adobe.com Der Ernährungszustand spielt bei Krebs eine wichtige Rolle. Eine aktuelle Studie beschreibt die USA-weite Implementierung eines virtuellen Ernährungsassistenten, der auf Künstlicher Intelligenz basiert. Der Ernährungszustand ist ein anerkannter Schlüsselfaktor für die Therapie-Ergebnisse bei Krebs und die Patientenerfahrung. Allerdings gebe es nicht genügend onkologische Ernährungsberater, das vorhandene Personal könne den Bedarf nicht decken, berichtete Marissa Lubin Buchan von Savor Health LLC, ein auf Ernährung spezialisiertes Unternehmen aus New York (USA), bei der Jahrestagung 2024 der American Association of Clinical Oncology (ASCO). Buchan zufolge werden 80 Prozent der Patienten nicht unterstützt, obwohl sie das gerne möchten. Die Lösung könnten Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz (KI) und Maschinellem Lernen sein (ML). Die neuen Technologien ermöglichten eine größere Reichweite für evidenzbasierte Ernährungsberatung sowie die Möglichkeit asch schnell auf klinische und kontextbezogene Bedürfnisse zu konzentrieren. In ihrer aktuellen Studie konnten Buchan und ihre Kollegen zeigen, dass die Implementierung eines evidenzbasierten virtuellen KI-Ernährungsberaters machbar ist. Patienten beschreiben diese Lösung als vorteilhaft für Ernährung, Lebensqualität und Symptomkontrolle. Zunächst wurde eine KI-basierte Expertenplattform für Ernährung entwickelt. Die Interventionen wurden von Experten auf Grundlage von Fachliteratur und klinischer Leitlinien kuratiert, um das Selbstmanagement von Nebenwirkungen zu erleichtern und die Ernährung zu optimieren. Eine wachsende Datenbank mit mehr als 114.000 evidenzbasierten Interventionen unterstützt den virtuellen Ernährungsassistenten Ina®, der auf Textnachrichten basiert. KI und ML, die auf einen umfangreichen Lerndatensatz zugreifen konnten, ermöglichten es, die Interventionen kontinuierlich zu verbessern und verfeinern. Das Tool wurde landesweit in Zusammenarbeit mit 25 Krebsorganisationen implementiert. Zwischen 07/2019-08/2023 haben sich der Studie zufolge aus allen 50 US-Bundesstaaten insgesamt 3310 Benutzer für die virtuelle Ernährungsplattform registriert. Laut Selbstauskunft waren 73 Prozent weiblich und das Durchschnittsalter lag bei 57 Jahren (Spanne 18–91). Die häufigsten Krebsarten waren Urogenitaltumore (22%), Brustkrebs (21%), Gynäkologische Karzinome (19%), gastrointestinale Karzinome (14%) und Lungenkrebs (12%) – zusammen fast 90 Prozent der Nutzer. Deren medizinische Situation war komplex: 50 Prozent berichteten von einer Erkrankung im Stadium 3/4, 64 Prozent von Metastasen und 50 Prozent von mindestens zwei chronischen Erkrankungen. Zudem waren Ernährungsprobleme weit verbreitet: 58 Prozent waren gemäß BMI übergewichtig/fettleibig, 83 Prozent berichteten Hindernissen sich gut zu ernähren und 42 Prozent hatten Nahrungsmittelallergien/-unverträglichkeiten. Die Nutzer zeigten ein hohes Maß an Engagement: 68 Prozent schickten Anfragen per SMS an Ina, 79 Prozent füllten Umfragen aus und die mediane Dauer der Benutzerbindung lag bei 8,8 Monaten. Insgesamt gaben 94 Prozent an, mit der Plattform zufrieden zu sein, 98 Prozent fanden die Anleitung hilfreich. Bei einer Auswertung der Ergebnisse gaben 84 Prozent an, die Beratung aktiv zur Ernährungsplanung zu nutzen, 47 Prozent verwendeten die empfohlenen Rezepte und 82 Prozent hatten das Gefühl, dass das Programm ihre Lebensqualität verbesserte. In dieser Kohorte mit hoher Symptomlast hätten 88 % angegeben, dass Ina ihnen bei der Bewältigung ihrer Symptome geholfen habe, und 34% hätten während der Teilnahme eine verbesserte Symptomkontrolle festgestellt, ergänzen die Autoren.
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