Viszeralmedizin 2019: Richtige Klinikwahl bei Krebsoperationen am Gastrointestinaltrakt30. September 2019 Foto: © vzmaze/Adobe Stock Bei Krebserkrankungen des Gastrointestinaltraktes ist die operative Entfernung des Tumors nach wie vor der wichtigste Behandlungsschritt, um die Krankheit erfolgreich zu behandeln. Essenziell für den Therapieerfolg ist auch, dass Krebsoperationen in einer auf das jeweilige Krankheitsbild spezialisierten Klinik erfolgen. Doch noch immer begeben sich viele Patienten in nicht ausreichend qualifizierte Krankenhäuser und erhalten deshalb nicht die bestmögliche Therapie. Die häufigste gastrointestinale Krebserkrankung ist der Darmkrebs: Etwa 60.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr daran; auch immer mehr junge Menschen sind betroffen. Die Heilungschancen bei Darmkrebs haben sich in den vergangenen Jahren stetig verbessert: Mehr als die Hälfte der Patienten überlebt die Krankheit heute zehn Jahre und länger. Das wichtigste Verfahren zur Behandlung von Darmkrebs ist eine Operation. „Weitere Therapien wie etwa Chemo- oder Immuntherapie kommen zwar oft ergänzend hinzu – ohne Chirurgie jedoch ist beim Darmkrebs keine Heilung möglich“, macht Prof. Thomas Schiedeck, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie des RKH Kliniken Ludwigsburg, deutlich. Deshalb sei die Wahl einer geeigneten chirurgischen Klinik für Krebspatienten entscheidend. Krebsoperationen am Gastrointestinaltrakt werden in Deutschland an vielen Kliniken angeboten – der Operationserfolg aber fällt je nach Krankenhaus sehr unterschiedlich aus. Forscher des Fachgebietes für Strukturentwicklung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen der TU Berlin verglichen die Ergebnisse von Krebsoperationen zwischen Kliniken, die viele Operationen einer bestimmten Art durchführen und kleinen Kliniken, die nur wenige Operationen durchführen. Das Ergebnis bei Darmkrebsoperationen: In den Kliniken mit den wenigsten Operationen versterben etwa 6,6 Prozent der Patienten nach dem Eingriff, in den Kliniken mit den höchsten Fallzahlen etwa 5,2 Prozent. Ähnliche Ergebnisse fanden sich auch bei anderen Krebsoperationen des Magen-Darm-Trakts. Besonders frappierende Unterschiede zeigten sich beim Outcome nach Ösophagusoperationen: 5,8 Prozent betrug die Sterblichkeitsrate in den Kliniken mit den meisten Eingriffen. Fast doppelt so hoch, 10,5 Prozent, war diese in jenen mit den wenigsten Eingriffen. Hinzu kommt: Menschen mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen wird in Kliniken, die über wenig Erfahrung verfügen, mitunter gar keine Operation mehr angeboten. „Häufig fehlt dort die Erfahrung und das Wissen, dass heute sogar Patienten mit metastasierendem Krebs durch eine OP geheilt werden können oder ihr Leben deutlich verlängert werden kann – diesen Menschen bleibt also eine lebensentscheidende Therapieoption versagt“, so Schiedeck. Die Lösung des Problems liege in der Spezialisierung und der Förderung von Behandlungszentren, in denen ausreichend Erfahrung und Routine mit Krebsoperationen bestehe, betont der Experte. Um Krebschirurgie auf höchstem Niveau zu erbringen, müssten diese spezialisierten Zentren personell und apparativ hervorragend ausgestattet werden. „Diese teure Ausstattung, aber vor allem auch das notwendige Personal kann selbst in einem Wohlfahrtsstaat wie Deutschland nicht in jedem Krankenhaus adäquat zur Verfügung gestellt werden – auch das spricht für die Förderung von Zentren“, sagt Schiedeck. Die DGAV empfiehlt, sich bei Krebserkrankungen des Gastrointestinaltraktes an jene Zentren zu wenden, die für ihr jeweiliges Krankheitsbild von der DGAV zertifiziert sind. Das Zertifikat erhalten Einrichtungen, die hinsichtlich Anzahl der Operationen, Ausstattung sowie Operationsverfahren strengen Vorgaben genügen. Eine Liste der zertifizierten Zentren veröffentlicht die DGAV auf ihrer Internetseite.
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