Vitamin D bremst Neurodegeneration bei MS12. April 2024 Michaela Tanja Haindl (Foto: Med Uni Graz) In der Spätphase der Multiplen Sklerose schützt Vitamin D Labortiere vor Myelin- sowie Nervenzellverlust und reduziert apoptotische Zellen und Mikrogliaaktivierung. Das zeigt eine Studie an der Universität Graz, Österreich. Die häufigste Verlaufsform der Multiplen Sklerose (MS) lässt sich grob in zwei Phasen unterteilen: eine entzündliche, schubhafte Frühphase und eine Spätphase, in der kaum mehr Entzündungszellen, dafür aber mehr degenerative Prozesse vorherrschen. „Die Frühphase ist bereits gut erforscht und es steht eine Vielzahl an Medikamenten zur Verfügung. Bei der Spätphase ist das leider noch nicht der Fall“, erklärt Michaela Tanja Haindl, Neuroimmunologin an der Universitätsklinik für Neurologie der Med Uni Graz. Unter der Leitung von Sonja Hochmeister hatte Haindl gemeinsam mit Muammer Üçal vor einigen Jahren ein Labormodell entwickelt, das die zellulären Merkmale der MS-Spätphase gut nachstellt. Mehr Vitamin D für bessere Nerven In diesem Modell analysierten die Forschenden nun die Auswirkungen von Vitamin D auf den Fortschritt der Krankheit. Speziell beobachteten sie dabei das Ausmaß der Schädigung der Gehirnrinde im Zuge der Krankheit. Bei Ratten, die zusätzlich zur normalen Nahrung mit Vitamin D gefüttert wurden, konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass signifikant mehr zelluläre Strukturen in diesem Teil des Gehirns erhalten blieben. Dies betraf nicht nur einen besseren Erhalt an Myelin und Nervenzellen, sondern auch eine Reduktion apoptotischer Zellen und Mikrogliaaktivierung. Mit Vitamin D behandelte Tiere hatten außerdem signifikant weniger Neurofilament-Leichtketten (sNfL) im Blut, die als Biomarker für Neurodegeneration und damit auch für die Progression der MS gelten. Darüber hinaus entfaltete das Vitamin bei den Versuchstieren eine Wirkung als Antioxidans, was auch im Blutserum nachzuweisen war. Mit Vitamin D behandelte Ratten hatten nicht nur signifikant mehr protektive Polyphenole im Blut, sie hatten auch allgemein eine höhere totale antioxidative Kapazität (total antioxidative capacity, TAC). Da oxidativer Stress unter anderem als ein möglicher Auslöser und Verstärker der MS in Betracht gezogen wird, könnte diese positive Wirkung des „Sonnenvitamins“ durchaus Niederschlag in der weiteren Forschung finden. Weitere Erkenntnisse Und noch einige weitere Besonderheiten entdeckten die Forschenden im Rahmen der Studie: So konnten sie zeigen, dass männliche und weibliche Tiere signifikant unterschiedlich auf die Verabreichung von Vitamin D reagierten. So zeigten weibliche Ratten beispielsweise generell eine bessere TAC und mehr protektive Polyphenole im Blut. Auch histologisch wiesen weibliche Ratten einen besseren Erhalt der zellulären Strukturen auf als männliche Ratten. Grundsätzlich profitierten aber beide Geschlechter von der Vitamin-D-Gabe, interessanterweise allerdings männliche Ratten tendenziell mehr, vermutlich durch geschlechtsspezifische Unterschiede in der oxidativen Kapazität und den Verteidigungssystemen. Eine unkritisch zu hohe Dosierung von Vitamin D kann den Wissenschaftlern zufolge aber dennoch nicht empfohlen werden, da dies sogar einen nachteiligen Effekt auf die Erhaltung der Gehirnzellen der Großhirnrinde zeigte. Beide Aspekte sind aktuell Gegenstand weiterer Forschungsarbeiten.
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