Vitamin-D-Mangel mit osteoporotischen Frakturen assoziiert23. Juli 2020 ©Michail Petrov – stock.adobe.com Ob niedrige 25-Hydroxy-Vitamin-D(Calcidiol)-Plasmakonzentrationen osteoporotische Frakturen verursachen, ist noch ungeklärt. Eine aktuelle dänische Studie untersuchte daher, ob niedrige Calcidiolkonzentrationen im Plasma mit einem erhöhten Risiko für osteoporotische Frakturen verbunden sind. Die Forscher verwendeten dazu eine Mendelsche Randomisierung und konnten diese Annahme bestätigen. Niedrige Calcidiol-Konzentrationen waren tatsächlich mit dem Auftreten von osteoporotischen Frakturen assoziiert. Die Mendelsche Randomisierung lieferte jedoch keine Belege für eine kausale Rolle von Vitamin D beim Risiko für osteoporotische Frakturen. In 2 bevölkerungsbasierten Kohortenstudien für Genotypen, die Plasma-Calcidiol verringern (CYP2R1 [rs117913124 und rs12794714], DHCR7 [rs7944926 und rs11234027], GEMIN2 [rs2277458] und HAL [rs3819817]), genotypisierten die Wissenschaftler 116.335 zufällig ausgewählte Personen im Alter von 20–100 Jahren. Davon hatten 35.833 Hinweise auf Plasma-Calcidiol. Die Studienautoren bewerteten das Risiko für alle, osteoporotische und anatomisch lokalisierte Frakturen für die Zeitspanne 1981–2017. Die Informationen zu Frakturen und Vitalstatus wurden aus landesweiten Registern entnommen. Während der Nachbeobachtungszeit von bis zu 36 Jahren konnten die Wissenschaftler beobachten, dass insgesamt 17.820 Frakturen, 10.861 osteoporotische Frakturen und 3472 Hüft- oder Femurfrakturen auftraten. Im Vergleich zu Personen mit Calcidiol ≥50 nmol/l betrugen die multivariabel angepassten Hazard Ratios (HR) (95%-Konfidenzintervalle) für alle Frakturen 1,03 (0,97–1,09), für Personen mit 25–49,9 nmol/l 1,19 (1,10–1,28), für Personen mit 12,5–24,9 nmol/l und für Personen mit <12,5 nmol/l 1,39 (1,21–1,60). Die entsprechenden HR betrugen 1,07 (1,00–1,15), 1,25 (1,13–1,37) und 1,49 (1,25–1,77) für osteoporotische Frakturen sowie 1,09 (0,98–1,22), 1,37 (1,18–1,57) und 1,41 (1,09–1,81) für Frakturen der Hüfte bzw. des Femurs. Die HR des Vitamin-D-Allel-Scores für den Anstieg um 1, was 3 % (ungefähr 1,6 nmol/l) niedrigeren Calcidiolkonzentrationen entspricht, betrugen 0,99 (0,98–1,00) für alle Frakturen, 0,99 (0,97–1,00) für osteoporotische Frakturen und 0,98 (0,95–1,00) für Hüft- oder Femurfrakturen. Fazit Niedrige Calcidiolkonzentrationen im Plasma waren in der dänischen Studie mit osteoporotischen Frakturen assoziiert. Die Mendelsche Randomisierungsanalyse lieferte jedoch keine Belege für eine kausale Rolle von Vitamin D beim Risiko für osteoporotische Frakturen. (sh) Autoren: Çolak Y et al. Korrespondenz: Børge Nordestgaard; [email protected] Studie: 25-Hydroxyvitamin D and Risk of Osteoporotic Fractures: Mendelian Randomization Analysis in 2 Large Population-Based Cohorts Quelle: Clin Chem 2020;66(5):676–685. Web: https://doi.org/10.1093/clinchem/hvaa049