Volksleiden Kopfschmerz: Bundesweite Initiative für bessere Versorgung gestartet5. Dezember 2019 Illustration: © andriano_cz – stock.adobe.com Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) hat eine bundesweite Initiative “Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen” sowie ein Kopfschmerzregister gestartet. “Alle Kopfschmerzen lassen sich heute viel besser behandeln als noch vor zehn oder 20 Jahren“, sagt PD Stefanie Förderreuther, Präsidentin der DMKG, die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feierte. Die DMKG ist erste und einzige deutsche medizinische Fachgesellschaft für Kopfschmerzerkrankungen – von der Kopfschmerzforschung bis zur Therapie von Migräne, Spannungskopfschmerz, Clusterkopfschmerzen und vielen weiteren Kopfschmerzformen. Expertenschätzungen zufolge kommen jährlich 2,5 Millionen Patienten ausschließlich oder vorwiegend wegen Kopfschmerzen zum Augenarzt – hochgerechnet auf alle Augenärzte in Deutschland. In seltenen Fällen kann der Schmerz auch ein Hinweis auf eine ernsthafte Augenerkrankung sein. Augenbedingte Kopfschmerzen entstehen unter anderem bei entzündlichen Erkrankungen der Lider, der Tränendrüse, des Tränensackes und der Augenhöhle, bei Entzündungen im Vorderabschnitt, bei einem akuten Glaukom-Anfall oder bei Asthenopien (Anm. d. Red.). Bundesweite Initiative für eine bessere Kopfschmerzversorgung Ein wichtiger Schritt in der Kopfschmerztherapie , so teilt die Deutsche Schmerzgesellschaft mit, sei die Entwicklung einer internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen gewesen, die von der Fachgesellschaft aktiv mitgestaltet worden sei. Erst mit dieser Systematik hätten Kopfschmerzdiagnosen besser abgesichert und Patientenkollektive für die klinische Forschung definiert werden können. Heute sei es möglich, dass jeder Patient mit Kopfschmerzen eine individuelle Therapie erhalten könne – sofern sie leitliniengerecht diagnostiziert und behandelt würden. „Hier ist noch vieles zu verbessern, darum haben wir die bundesweite Initiative “Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen” ins Leben gerufen und starten gerade das erste deutsche Kopfschmerzregister”, so Förderreuther. Vor 40 Jahren wurde die DMKG gegründet und hat seit dieser Zeit das Thema Kopfschmerzerkrankungen aus seinem Nischendasein befreit. Heutzutage werden Patienten mit Kopfschmerzen schneller diagnostiziert und therapiert als in der Vergangenheit. Durch Forschung am Tiermodell, die Möglichkeiten der funktionellen Bildgebung am Menschen, moderne Techniken zur Bestimmung von Botenstoffen und genetische Analysen wurden nach und nach viele Schritte in der Pathophysiologie von Migräne und Clusterkopfschmerz entschlüsselt und dadurch die Grundlage für die Entwicklung spezifischer Medikamente zur Akuttherapie und Prophylaxe geschaffen. Es sind spezielle Kopfschmerz-Schwerpunktpraxen, Spezialambulanzen und Kliniken entstanden, in denen Kopfschmerzerkrankungen heute gezielter und spezifischer behandelt werden als Jahrzehnte zuvor. Infrastruktur muss sich verbessern„Trotz aller Fortschritte benötigen wir mehr Spezialisten. Man kann und muss noch vieles an der Versorgung von Kopfschmerzpatienten in Deutschland verbessern“, betont DMKG-Präsidentin Förderreuther, „Patienten erhalten typischerweise zu viel Diagnostik und zugleich zu wenig Beratung und Therapie.“ So habe erst kürzlich eine Analyse von Patienten, die in einer Spezialambulanz behandelt wurden, erneut bestätigt, dass vorbeugende Maßnahmen viel zu selten eingesetzt werden und die Empfehlungen der Therapieleitlinien zu wenig befolgt werden. Bewusstsein bei Ärzten und Patienten erhöhen Um die Versorgung zu verbessern, hat die DMKG unter dem Motto “Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen” eine deutschlandweite Initiative gestartet, die das Bewusstsein für Kopfschmerzerkrankungen bei Ärzten und Patienten erhöhen soll. Denn die tatsächliche Beeinträchtigung durch die immer wiederkehrenden Attacken wird noch immer unterschätzt. Gemessen an der Häufigkeit und Belastung rangieren Kopfschmerzen weltweit auf Platz drei aller Erkrankungen, bei den unter 50-Jährigen sogar auf Platz eins. Bei circa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind Monat für Monat Kopfschmerztage häufiger als kopfschmerzfreie Tage. PD Tim Jürgens, Vizepräsident der DMKG, erklärt: „Diese Patienten sind meist aufgrund fehlender oder unzureichender vorbeugender Maßnahmen ungewollt in einen Übergebrauch von Akutmedikamenten geschlittert. Sie verstärken dadurch ihre Erkrankung, denn sie entwickeln einen Medikamenten-Übergebrauchskopfschmerz.“ Kopfschmerzen durch übermäßige Schmerzmitteleinnahme Die Initiative “Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen” bietet mit ihrem Onlineauftritt www.attacke-kopfschmerzen.de webbasiert Fortbildungsangebote für Ärzte sowie Weiterbildungsveranstaltungen und unterstützt den Aufbau von Kooperationen zwischen den Primärversorgern und Spezialisten. „Besonders wichtig sind uns die nicht medikamentösen und medikamentösen vorbeugenden Therapien, um die Entwicklung von Kopfschmerzen durch übermäßige Schmerzmitteleinnahme zu verhindern. Patienten, die zu viele Akutmedikamente einnehmen, fürchten meist um ihre Nieren oder die Leber. Was sie nicht ahnen, ist, dass sie viel häufiger durch die Medikamente ihren Kopfschmerz verstärken und chronifizieren“, so Förderreuther. Erstes deutschlandweites Kopfschmerzregister Bis zum Ende des Jahres wird die DMKG zusätzlich ihr deutschlandweites Kopfschmerzregister starten, das teilnehmende Ärzte und Patienten bei der Diagnostik, Therapieplanung und Therapiekontrolle unterstützen und einen wissenschaftlichen Beitrag zur Versorgungsforschung leisten wird. PD Ruth Ruscheweyh, die den Aufbau des Registers betreut, erläutert: „Mit dem Register, das durch eine Kopfschmerz-App ergänzt wird, können Patienten schon vor dem Besuch beim Arzt für die Behandlung relevante Daten zur Verfügung stellen. Dadurch bleibt mehr Zeit für die individuelle Beratung.“Quellen: Deutsche Schmerzgesellschaft e.V., BVA
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