Vollständig resezierter Nichtkleinzelliger Lungenkrebs mit mediastinalem N2-Lymphknotenbefall: Postoperative Strahlentherapie nicht als Standard zu empfehlen

VILLEJUIF (Biermann) – Bei Patienten mit NSCLC ist der Einsatz einer postoperativen Strahlentherapie (PORT) seit 1998 umstritten, da eine Metaanalyse einen nachteiligen Effekt auf das Überleben bei Patienten mit pN0 und pN1 zeigte. Unklar war allerdings bislang die Wirkung bei Patienten mit pN2 NSCLC.

Daher haben Wissenschaftler um Dr. Cecile Le Pechoux vom International Center for Thoracic Cancers am Institut Gustave Roussy in Villejuif, Frankreich, die 3-D-konformale PORT nach vollständiger Resektion bei dieser Patientengruppe evaluiert. Die Stadieneinteilung war dabei überwiegend mit F-18-Fluordeoxyglukose(F-18-FDG)-PET erfolgt und die Patienten hatten eine neoadjuvante oder adjuvante Chemotherapie erhalten. Das 3-Jahres-DFS sei in beiden Gruppen höher ausgefallen als erwartet, aber eine PORT sei im Vergleich zu keiner PORT nicht mit einem gesteigerten DFS verbunden gewesen, berichten die Autoren. Eine konformale PORT könne daher nicht als Standard bei Patienten mit NSCLC im Stadium IIIAN2 empfohlen werden, so ihr Fazit.

Für die unverblindete, randomisierte Überlegenheitsstudie der Phase III Lung ART wurden Erwachsene mit einem WHO-Performance-Status von 0–2 an 64 Einrichtungen in Frankreich, Groß­britannien, Deutschland, Schweiz und Belgien rekrutiert. Als Minimierungsfaktoren bei der Randomisierung galten die Einrichtung, die Verabreichung von Chemotherapie, die Anzahl der beteiligten mediastinalen Lymphknotenstationen, die Histologie und der Einsatz eines PET-Scans vor der Behandlung. Die Patienten erhielten eine PORT in einer Dosis von 54 Gy in 27 oder 30 Tagesfrak­tionen an 5 aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche. Eine 3-D-konformale Strahlentherapie war obligatorisch, eine intensitätsmodulierte Strahlentherapie in Zentren mit entsprechender Expertise erlaubt.

Zwischen dem 07.08.2007 und dem 17.07.2018 wurden 501 Patienten, zumeist mit F-18-FDG-PET eingestuft (456 [91 %]; 232 [92 %] in der PORT-Gruppe und 224 [90 %] in der Kontrollgruppe), aufgenommen und für eine PORT (252 Patienten) oder keine (249 Patienten) randomisiert. Zum Stichtag 31.05.2019 betrug die mediane Nachbeobachtung 4,8 Jahre (IQR 2,9–7,0). Das 3-Jahres-DFS lag bei 47 % (95 %-KI 40–54) mit PORT vs. 44 % (95 %-KI 37–51) ohne PORT. Das mediane DFS betrug 30,5 Monate (95 %-KI 24–49) in der PORT-Gruppe und 22,8 Monate (95 %-KI 17–37) in der Kontrollgruppe (HR 0,86; 95 %-KI 0,68–1,08; p=0,18).

Häufigste UE der Grade 3/4 waren Pneumonitis (13/241 Patienten [5 %] in der PORT- vs. 1/246 [<1 %] in der Kontrollgruppe), Lymphopenie (9 [4 %] vs. 0) und Fatigue (6 [3 %] vs. 1 [<1 %]). Späte kardiopulmonale Toxizität von Grad 3/4 wurde bei 26 Patienten (11 %) in der PORT-Gruppe vs. 12 (5 %) in der Kontrollgruppe berichtet. Zwei Patienten starben an Pneumonitis, teils im Zusammenhang mit Strahlentherapie und Infektion, und ein Patient starb aufgrund einer Chemotherapie-Toxizität (Sepsis), die als therapiebedingt galt, davon alle aus der PORT-Gruppe. (sf)I

Autoren: Le Pechoux C et al.
Korrespondenz: [email protected]
Studie: Postoperative radiotherapy versus no postoperative radiotherapy in patients with completely resected non-small-cell lung cancer and proven mediastinal N2 involvement (Lung ART): an open-label, randomised, phase 3 trial
Quelle: Lancet Oncol 2022;23(1):104–114.
Web: doi.org/10.1016/S1470-2045(21)00606-9