Vor 50 Jahren habilitierten sich erstmals zwei Frauen an der Tierärztlichen Hochschule Hannover8. März 2024 Professorin Dr. Helga Kirchhoff und Professorin Dr. Ursula Weigt. Foto: © Barbara Schmatzler Die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) erinnert an zwei Pionierinnen: Prof. Ursula Weigt und Prof. Helga Kirchhoff waren die ersten Frauen, die an der TiHo eine Habilitation anfertigten und die Lehrbefugnis erlangten. Ursula Weigt wurde 1927 im Osten Berlins geboren. 1948 absolvierte sie ihr Abitur in Berlin und arbeitete anschließend für zwei Jahre in einem Obst- und Tierbetrieb in Potsdam. Von 1950 bis 1955 studierte sie in Berlin an der Humboldt-Universität Tiermedizin. Nachdem sie ihr Studium beendet hatte, arbeitete sie in der Tierärztlichen Fakultät der Humboldt-Universität als Wissenschaftliche Assistentin im Institut für Lebensmittelhygiene. Ein Jahr nach ihrer Promotion im Jahr 1958 zog Weigt nach Oranienburg an das Institut für Milchforschung. Sie übernahm die Abteilungsleitung, betreute Rinderbestände vor Ort und forschte an Euterentzündungen. Praxis und Wissenschaft eng miteinander zu verbinden, zeichnete sie aus. Auch ihre Lehrveranstaltungen über Euterkrankheiten (Mastitis) an der TiHo gestaltete sie sehr praxisorientiert. Ab November 1961 war Weigt an der damaligen Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie des Rindes als wissenschaftliche Assistentin bei Professor Dr. Erich Aehnelt aktiv und baute an der TiHo ein Bakteriologisches Laboratorium auf, das für die Diagnostik bei Euterkrankheiten genutzt wurde. Mit ihrer Forschung trug sie dazu bei, die Diagnostik und Behandlung von Euterkrankheiten bei Rindern wesentlich zu verbessern. Am 8. Juli 1974 habilitierte sich Dr. Ursula Weigt für das Fach Euterkrankheiten. Sie war damit die erste Tierärztin, die sich an der TiHo habilitierte. Im Jahr 1971 wurde sie zur akademischen Rätin und 1975 zur Akademischen Oberrätin ernannt und im Jahr 1978 wurde sie Professorin und Abteilungsvorsteherin an der Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie des Rindes. Professorin Dr. Ursula Weigt verstarb im Jahr 2014 im Alter von 86 Jahren. Sie ist Namensgeberin des Habilitationsabschluss-Programms für TiHo-Wissenschaftlerinnen. Über Ostberlin führte der Weg in den Westen Helga Kirchhoff wurde im Jahr 1930 in Eidlitz in Tschechien geboren und absolvierte im Jahr 1950 ihr Abitur. Anschließend studierte sie von 1950 bis 1955 an der Humboldt-Universität in Berlin die Fächer Zoologie, Botanik, Mikrobiologie, Chemie und Physik. Im Jahr 1955 schloss sie ihr Studium erfolgreich mit dem Diplom ab und promovierte zwei Jahre später. Parallel dazu, von 1955 bis 1958, war sie beim Deutschen Verlag der Wissenschaften als Redakteurin angestellt. Nachdem sie ihre Promotion abgeschlossen hatte, arbeitete Dr. Kirchhoff von 1958 bis 1963 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Seuchenschutz in Ost-Berlin. Dort baute sie eine Abteilung für Desinfektion auf und übernahm die Leitung. Im Jahr 1963 verließ sie Ost-Berlin und flüchtete in die Bundesrepublik. Im Folgejahr nahm sie ihre Arbeit am Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen der TiHo auf. Sie forschte während ihrer Zeit an der TiHo unter anderem an Desinfektionsmitteln und Mykoplasmen. Auf dem Gebiet der Mykoplasmen war sie europaweit eine Vorreiterin und veröffentlichte grundlegende neue Erkenntnisse. 1970 wurde sie zur Akademischen Rätin und fünf Jahre später zur Akademischen Oberrätin befördert. 1974 habilitierte sich Helga Kirchhoff und erhielt die Venia Legendi für das Fachgebiet Mikrobiologie. Ihre herausragenden Leistungen und ihr Engagement führten schließlich im Jahr 1980 zu ihrer Ernennung zur Professorin. Kirchhoffs Arbeiten trugen wesentlich zur Entwicklung von Diagnose- und Behandlungsmethoden für mikrobielle Erkrankungen bei Tieren bei. Im Jahr 1995 trat Helga Kirchhoff in den Ruhestand. Seitdem lebt sie weiterhin in Hannover.
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