Vorläufer-Stadien bei Multipler Sklerose aufgedeckt31. Oktober 2019 CD8+ zytotoxische T-Lymphozyten scheinen bei der MS bereits von Anfang an eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung zu spielen. (©Kateryna_Kon – stock.adobe.com) Ein Forscherteam des Klinikums der Universität München hat die Immunzellentypen identifiziert, die mutmaßlich an der Entstehung von MS beteiligt sind Obwohl inzwischen viele „Einzelschritte“ der Entstehung von Multipler Sklerose (MS) aufgeklärt sind, bleiben die krankheitsauslösenden Mechanismen – und somit die „Ursache“ der Erkrankung – rätselhaft. Eines der größten Hindernisse für die Ursachenforschung besteht in der Tatsache, dass die MS erst dann diagnostiziert werden kann, wenn die ersten Symptome auftreten. Zu diesem Zeitpunkt sind aber die autoaggressiven Attacken des Immunsystems auf das Gehirn längst in vollem Gange. Dies weiß man, weil in seltenen Fällen MS-typische Veränderungen als stumme Vorboten der MS zufällig in der MRT des Gehirns entdeckt werden. Ein Forscherteam des Instituts für Klinische Neuroimmunologie am LMU Klinikum in München hat nun erstmals die frühesten überhaupt erfassbaren Stadien der MS untersucht. Dabei erwies sich wieder einmal die am Institut etablierte „Nationale Zwillingskohorte“ als überaus wertvoll. Diese umfasst inzwischen 78 eineiige Zwillingspaare, die zwischen 21 und 50 Jahre alt sind und bei denen jeweils ein Zwilling an MS erkrankt ist, während der andere Zwilling nach klinischen Kriterien völlig gesund ist. Allerdings haben die gesunden Zwillingsgeschwister ein hohes familiäres Risiko, an MS zu erkranken. Deswegen bieten diese Personen die einmalige Chance, die allerfrühesten Stadien der MS-Entstehung zu untersuchen. Tatsächlich zeigten einige der klinisch gesunden Zwillinge in der MRT beziehungsweise im Liquor MS-typische Veränderungen, d. h. sie hatten Anzeichen einer „subklinischen Neuroinflammation“ (SCNI). Mittels der als „RNA-seq“ bezeichneten Methode wurde das Transkriptom, also die Gesamtheit der aktiv ausgelesenen Gene, von insgesamt 2752 Liquorzellen untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass bereits im allerfrühesten Stadium der MS-Entstehung drei wesentliche Komponenten des Immunsystems beteiligt sind, nämlich die CD8+ T-Lymphozyten, die CD4+ T-Lymphozyten sowie die B-Lymphozyten. Besonders auffällig erwiesen sich dabei die CD8+ zytotoxischen T-Lymphozyten. Viele waren aktiviert und zeigten Hinweise, dass sie schon Kontakt mit “Feinden” hatten. Diese Art von Zellen dominiert auch in den entzündlichen Infiltraten im Gehirngewebe von MS-Patienten. Die aktuellen Befunde geben nun Anlass, den CD8+ T-Zellen höchste Aufmerksamkeit zu schenken, da dieser Zelltyp offensichtlich bereits von Anfang an bei der MS-Entstehung eine herausragende Rolle spielt. Originalpublikation:Beltrán E et al.: Early adaptive immune activation detected in monozygotic twins with prodromal multiple sclerosis. J Clin Invest, 30. September 2019
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