Vorlage für psychiatrische Patientenverfügung veröffentlicht

Patientenverfügungen für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen sind in Deutschland weit verbreitet, das Pendant für psychische Erkrankungen deutlich weniger. (Foto: © Anthony Leopold – stock.adobe.com)

Forschende der Ruhr-Universität Bochum haben mit Betroffenen und Juristen eine Vorlage für eine psychiatrische Patientenverfügung entwickelt. Die frei zugängliche Vorlage legt besonderen Wert darauf, Menschen mit psychischen Erkrankungen Selbstbestimmung zu ermöglichen.

Das Team um Anne-Sophie Gaillard und Dr. Matthé Scholten entwickelte die Vorlage für die Patientenverfügung im SALUS-Projekt, welches das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert. Nach Angaben der Forschenden ist sie einzige Vorlage in Deutschland, an deren Entstehung sowohl betroffene Menschen als auch andere zentrale Interessengruppen aktiv mitgewirkt haben.

Mehr Selbstbestimmung durch Patientenverfügungen

In einer psychiatrischen Patientenverfügung können Menschen in einer Situation, in der sie einwilligungsfähig sind, festlegen, welche Behandlungen sie während einer psychischen Krise wünschen und welche nicht. „Psychiatrische Patientenverfügungen fördern die Selbstbestimmung von Menschen mit einer psychischen Erkrankung“, erklärt Scholten. „Studien zeigen zudem, dass sie die Rate von Zwangsunterbringungen in der Psychiatrie signifikant reduzieren können.“

Im Rahmen des SALUS-Projektes hat das Bochumer Team seit 2018 unter anderem erforscht, welche Vor- und Nachteile psychiatrische Patientenverfügungen haben. Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass die Vorteile deutlich überwiegen.

„Viele psychisch erkrankte Menschen haben den Wunsch, Vorsorge zu betreiben. Das zu tun, gibt einem ein gutes Gefühl“, bestätigt auch Iris, die selbst psychisch erkrankt ist und sich mehr als zwei Jahre lang intensiv in die Erarbeitung der nun veröffentlichten Vorlage eingebracht hat.

Wissenschaftliche Erkenntnisse in Vorlage eingeflossen

Das nun bereitgestellte Material erzeugte das Team vom Bochumer Institut für Ethik und Geschichte der Medizin in enger Zusammenarbeit mit mehreren Betroffenen und deren Angehörigen, psychiatrischen Fachkräften und Rechtsexperten. Der Leitfaden erklärt auf einfache Weise, wann und für wen eine psychiatrische Patientenverfügung sinnvoll ist, wie diese erstellt werden kann, und gibt Tipps zu Aufbewahrung, Aktualisierung und Widerruf. Der Leitfaden informiert außerdem darüber, was zu beachten ist, wenn die Einwilligungsfähigkeit der betroffenen Person beurteilt wird.

„Ich habe in das Projekt eine andere Sichtweise einbringen können“, berichtet Iris. „Auch wenn psychische Erkrankungen sehr individuell sind und ich natürlich nicht für alle Betroffenen sprechen kann, konnte ich zum Beispiel beschreiben, wie sich bestimmte Situationen anfühlen“, ergänzt sie. Die Betroffene half auch, die Vorlage laienverständlich zu gestalten.