Vorteil für extendierte Lymphadenektomie bei nichtmuskelinvasivem Blasenkrebs8. Dezember 2021 Eine ausgedehnte Lymphadenektomie verbessert das Überleben bei Patienten, denen wegen eines nichtmuskelinvasiven Blasenkrebs die Blase entfernt wird, so eine US-amerikanische Studie. Foto: ©Richelle – stock.adobe.com Eine aktuelle Studie in “The Journal of Urology” zeigt, dass es im Rahmen einer radikalen Zystektomie bei nichtmuskelinvasivem Blasenkrebs (NMIBC) für das Überleben der Patienten günstiger ist, viele Lymphknoten zu entfernen. Je nach Überlebenskriterium erweist sich eine Anzahl von >10 oder >20 als optimal. Die Autorengruppe um Stephen A. Boorjian von der Mayo Clinic in Rochester (Minnesota, USA) führte eine retrospektive Studie an 3 großen US-amerikanischen Zentren durch: der Mayo Clinic, dem MD Anderson Cancer Center in Houston (Texas) und dem Glickman Urologic and Kidney Institute in Cleveland (Ohio). Ziel war es, bei Patienten mit NMIBC den Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Lymphknotendissektion während der radikalen Zystektomie und verschiedenen Fünf-Jahres-Überlebensparametern zu untersuchen. Beurteilt wurden das Überleben ohne lokales Rezidiv im Becken (local pelvic recurrence-free survival, LPRS), das krebsspezifische Überleben (cancer-specific survival, CSS) und das Gesamtüberleben (overall survival, OS). Um einen Schwellenwert für die Lymphknotenentfernung (lymph node yield, LNY) zu identifizieren, der zur Optimierung der Überlebensparameter beitragen könnte, entwickelten die Autoren separate Cox-Regressionsmodelle für jeden möglichen LNY-Schwellenwert. Modell-Performance-Kurven einschließlich Q-Statistik und Hazard Ratios (HR) wurden verwendet, um optimale LNY-Schwellenwerte zu identifizieren. Insgesamt 1647 Patienten unterzogen sich zwischen 1980 and 2018 einer radikalen Zystektomie wegen NMIBC mit einem medianen LNY von 15 (Quartile 9,23). Die Modell-Performance-Kurven schlugen einen LNY von 10 bzw. 20 vor, um LPRS bzw. CSS/OS zu optimieren. Bei multivariabler Regression war ein LNY >10 mit einem geringeren LPR-Risiko im Vergleich zu einem LNY ≤10 verbunden (HR 0,63; 95%-KI 0,42-0,93; p=0,02). In vergleichbarer Weise war ein LNY >20 vs. LNY ≤20 mit einem verbesserten CSS (HR 0,67; 95%-KI 0,52–0,87; p=0,002) und OS (HR 0,75; 95%-KI 0,64–0,88; p<0,001) verbunden. Ähnliche Ergebnisse wurden in den Untergruppen der Patienten mit cT1 und cTis beobachtet. Ein größeres Ausmaß der Lymphknotendissektion während der radikalen Zystektomie wegen eines NMIBC ist demnach mit verbessertem LPRS, CSS und OS verbunden. Zukünftige prospektive Studien seien angebracht, um das ideale Lymphknotenresektionsmuster bei NMIBC zu bestimmen, schließen die Autoren. “Uroonco”, die Weiterbildungsplattform der European Association of Urology (EAU) wählte die Arbeit von Erstautor Abhinav Khanna und Kollegen im Dezember zum “Artikel des Monats” im Themenbereich Blasenkrebs. Chief Editor Prof. Evanguelos Xylinas, Paris (Frankreich), stellt die Studienergebnisse in einem Kommentar in einen größeren Zusammenhang. Der Urologe betont die Wichtigkeit der Arbeit, da bei 8-16% der NMIBC-Patienten ein Lymphknotenbefall vorliege. Er gratuliert daher den Autoren, dass sie diese “retrospektive, aber qualitativ hochwertige Studie” durchgeführt haben, um mehr Klarheit über das optimale Ausmaß der Lymphknotendissektion zu erlangen. Das Ergebnis, dass sich eine ausgedehnte Dissektion positiv auf das onkologische Outcome der Patienten auswirkte, steht laut Xylinas im Einklang mit früheren bevölkerungsbasierten Studien, die einen Einfluss der Lymphknotendissektion bei Patienten mit NMIBC auf das Gesamtüberleben gezeigt haben. Jedoch würde die Studie die Ergebnisse der deutschen randomisierten klinischen Studie zur erweiterten versus begrenzten Lymphknotendissektion infrage stellen. Diese zeigte keine Überlegenheit der erweiterten Lymphknotendissektion. “Interessanterweise führt die uroonkologische Gemeinschaft die negativen Ergebnisse dieser Studie teilweise auf die Einbeziehung von cT1-NMIBC-Patienten zurück”, so Xylinas. “Die Studie von Khanna et al. stellt diese Interpretation derzeit in Frage, indem sie den Mehrwert der Lymphknotendissektion bei NMIBC demonstriert.” Zum Vergleich: In der deutschen Studie hatten 13,7% der Patienten eine cT1-Erkrankung. In der aktuellen Studie waren es 947/1647 Patienten, also mit 59,1% noch viel mehr, was dem Vorteil der extendierten Lymphknotendissektion offenbar keinen Abbruch tat. (ms)
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