Vorteil für postoperative Immuntherapie bei Nierenzellkarzinom

Der Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab als 3-D-Modell auf Basis der Protein-Datenbank 5dk3. Grafik: molekuul.be

Eine Immuntherapie nach einer Operation verbesserte in einer Studie, die am 06.06.2021 auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt wurde, das krankheitsfreie Überleben (DFS) bei Patienten mit klarzelligem Nierenkarzinom (RCC).

Die chirurgische Entfernung des Tumors durch partielle Nephrektomie oder der gesamten Niere durch radikale Nephrektomie wird häufig zur Behandlung des RCC verwendet. Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung mit mittlerem bis hohem Risiko haben jedoch ein Rückfallrisiko. Derzeit gibt es keine Standardbehandlungsmöglichkeiten nach der Operation.

Das Ziel: Rezidive nach Operation verhindern

Pembrolizumab, ein Immuntherapeutikum aus der Klasse der Checkpoint-Inhibitoren, verbessert die Reaktion des Immunsystems auf Tumorzellen, indem es ein Protein (Programmed cell death protein 1, PD-1) auf der Tumorzelloberfläche blockiert. Da sich die gezielte Behandlung über PD-1 als wirksame und sichere Option bei der Behandlung von metastasiertem RCC erwiesen hat, untersuchten die Forscher PD-1 als neuartiges Ziel, um ein Wiederauftreten der Krankheit nach einer Operation zu verhindern.

In der Phase-III-Studie KEYNOTE-564 wurden 994 Patienten 1:1 randomisiert, um mindestens 12 Wochen nach der Operation entweder Pembrolizumab oder Placebo zu erhalten.

Primärer Endpunkt der Studie war das DFS; das Gesamtüberleben (OS) war der wichtigste sekundäre Endpunkt. Patienten wurden eingeschlossen, wenn sie ein histologisch bestätigtes klarzelliges RCC mit mittlerem oder hohem Risiko hatten oder wenn ≤ 1 Jahr nach vollständiger Resektion von Primärtumor und Weichteilmetastasen keine Anzeichen einer Erkrankung vorlagen (adjuvantes Setting).

Risiko um fast ein Drittel reduziert

Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 24 Monaten (erste Interim-Analyse) hatten die Patienten, die Pembrolizumab erhielten, eine 32-prozentige Reduktion des Risikos für Rezidiv oder Tod. Die geschätzte DFS-Rate nach 24 Monaten betrug 77,3 % unter Pembrolizumab, verglichen mit 68,1 % unter Placebo. Insgesamt war der DFS-Vorteil über alle Untergruppen hinweg konsistent.

Die geschätzte vorläufige OS-Rate nach 24 Monaten betrug 96,6 % unter Pembrolizumab, verglichen mit 93,5 % unter Placebo.

Nebenwirkungen aller Ursachen vom Grad 3 bis 5 waren unter Pembrolizumab häufiger als unter Placebo: 32,4 % bzw. 17,7 %. Im Pembrolizumab-Arm traten keine behandlungsbedingten Todesfälle auf.

„Pembrolizumab könnte eine vielversprechende Behandlung für Patienten darstellen, für die es nur wenige Therapieoptionen gibt. Das krankheitsfreie Überleben von KEYNOTE-564 unterstützt Pembrolizumab als einen potenziellen neuen Behandlungsstandard in der adjuvanten Behandlung, um das Wiederauftreten der Erkrankung bei Patienten mit vollständig reseziertem klarzelligen RCC zu verzögern“, sagt Hauptautor Tony Choueiri, der das Lank Center for Genitourinary Oncology am Dana Farber Cancer Institute in Boston, USA, leitet.

„Trotz einer Operation kommt es beim klarzelligen RCC häufig zu Rezidiven, und sollte es erneut auftreten, stehen den Patienten nur begrenzte kurative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Angesichts des Erfolgs von Pembrolizumab in der KEYNOTE-564-Studie könnte diese Population bald einen neuen Behandlungsstandard haben“, kommentiert Julie R. Gralow, Chief Medical Officer und Executive Vice President der ASCO.

(ASCO/ms)