Vorzeitige Menopause erhöht Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen18. März 2020 © Alexander Borisenko – stock.adobe.com Jüngste Leitlinien bestätigen die Berücksichtigung der vorzeitigen Menopause (vor dem 40. Lebensjahr), um die Risikobewertung für atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen bei Frauen im mittleren Alter zu verfeinern. Es fehlen allerdings solide Daten über die Risiken von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in dieser Population. Ziel einer Studie der Harvard Medical School in Bosten war die Untersuchung der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kardiovaskulären Risikofaktoren bei Frauen mit natürlicher und chirurgischer Menopause vor dem 40. Lebensjahr. Im Zeitraum 2006–2010 konnten 14.4260 Frauen im Alter von 40–69 Jahren für die Kohortenstudie rekrutiert werden. In die Studie wurden Frauen mit natürlicher vorzeitiger Menopause (Menopause vor dem 40. Lebensjahr ohne Oophorektomie) sowie Frauen mit chirurgischer vorzeitiger Menopause (bilaterale Oophorektomie vor dem 40. Lebensjahr) ausgewählt. Als Referenzgruppe dienten postmenopausale Frauen ohne vorzeitige Menopause. Das primäre Ergebnis war eine Kombination aus koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Aortenstenose, Mitralinsuffizienz, Vorhofflimmern, ischämischem Schlaganfall, peripherer arterieller Verschlusskrankheit und venöser Thromboembolie. Die sekundären Endpunkte umfassten einzelne Komponenten des primären Endpunkts, Bluthochdruck, Hyperlipidämie und Typ-2-Diabetes. Der primäre Endpunkt ereignete sich bei 5415 Frauen (3,9%) ohne vorzeitige Menopause (Inzidenz 5,70/1000 Personenjahren), 292 Frauen (6,0%) mit natürlicher vorzeitiger Menopause (Inzidenz 8,78/1000 Personenjahren) (Differenz vs. keine vorzeitige Menopause, +3,08/1000 Personenjahre 95%-KI 2,06–4,10; p<0,001) und 49 Frauen (7,6%) mit chirurgischer vorzeitiger Menopause (Inzidenz 11,27/1000 Personenjahre) (Differenz vs. keine vorzeitige Menopause, +5,57/1000 Personenjahre 95% KI 2,41–8,73; p<0,001). Für den primären Endpunkt wurden natürliche und chirurgische vorzeitige Wechseljahre mit Risikoverhältnissen von 1,36 (95%-KI 1,19–1,56; p<0,001) bzw. 1,87 (95%-KI 1,36–2,58; p<0,001) assoziiert, nach Bereinigung um konventionelle kardiovaskuläre Risikofaktoren und Anwendung der Hormontherapie in den Wechseljahren. Fazit Eine natürliche sowie eine chirurgische vorzeitige Menopause (vor dem 40. Lebensjahr) war bei postmenopausalen Frauen mit einem geringen, aber statistisch signifikanten erhöhten Risiko für eine Kombination von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Weitere Forschungen sind erforderlich, um die zugrundeliegenden Mechanismen zu verstehen. (rl) Autoren: Honigberg MC et al. Korrespondenz: Michael C. Honigberg; Massachusetts General Hospital, Harvard Medical School, Boston, USA Studie: Association of Premature Natural and Surgical Menopause With Incident Cardiovascular Disease Quelle: JAMA 2019 Nov 18. Web: https://doi.org/10.1001/jama.2019.19191