VSOU 2018: AltersTraumaZentren bewahren vor dem Pflegeheim

Kongresspräsident Maximilian Rudert (l.), Ulrich C. Liener und Franz Jakob (r.). Foto: Raabe/Biermann Medizin

Um die Rehabilitation unfallgeschädigter hochbetagter Patienten zu verbessern, hat die DGU Richtlinien für die optimale Versorgung erarbeitet. Kliniken, die diese erfüllen, können sich als AltersTraumaZentrum DGU® zertifizieren lassen. Prof. Ulrich C. Liener stellte das Konzept im Rahmen der VSOU-Frühjahrstagung vor.

Jedes Jahr erleiden über 700.000 betagte Menschen in Deutschland einen Bruch des Oberschenkels, der Wirbel oder Arme – Tendenz stark steigend. Unfallchirurgen gehen davon aus, dass sich die Zahl der Brüche bei den betagten Patienten in den kommenden Jahren verdoppeln oder gar verdreifachen könnte, da die Baby-Boomer-Generation in das entsprechende Alter komme, erklärte Liener. „Ein Tsunami an osteoporotischen Frakturen kommt auf uns zu“, prophezeite der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Alterstraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU).

Als Beispiel nannte der die Zunahme der Anzahl der Oberschenkelhalsbrüche in den vergangenen 15 Jahren um 20 Prozent. Damit ist die Fraktur am Hüftgelenk der häufigste Grund für eine Klinikeinweisung bei über 85-jährigen Frauen. 50 Prozent der Patienten sind anschließend hilfsbedürftig oder können nicht mehr in ihr häusliches Umfeld zurück. „Das ist für die Patienten ein dramatischer Einschnitt, belaste aber auch die Sozialkassen in steigendem Maße. Durch den dramatischen Anstieg der Brüche wird es in Zukunft sowohl an Geld als auch an Personal fehlen, um alle Patienten, die nach einem Unfall auf Hilfe angewiesen sind, ausreichend zu versorgen“, so Liener weiter.

Die Behandlung von Knochenbrüchen bei Senioren ist durch ihr hohes Alter und die damit einhergehenden Begleiterkrankungen erschwert. Die betagten Patienten sind häufig gebrechlich, haben kognitive Einschränkungen und leiden an Herz- oder Niereninsuffizienz. „Dieser komplexen Gesamtsituation der Patienten kann man nur durch einen ganzheitlichen Behandlungsansatz gerecht werden“, betonte Liener. „Ähnlich den „Stroke Units“ für die Schlaganfallbehandlung haben Unfallchirurgen jetzt spezielle Zentren etabliert, in denen gemeinsam mit Altersmedizinern, Pflegekräften und Physiotherapeuten die Patienten ganzheitlich versorgt werden – mit dem Ziel, sie in ihr altes soziales Umfeld zu reintegrieren.“

Internationale Studien an älteren Patienten mit Knochenbrüchen zeigten, dass die Behandlung in einem interdisziplinären und multiprofessionellen Team, gemeinsam mit Altersmedizinern, im Vergleich zur Standardbehandlung zu wesentlich besseren Ergebnissen führe, erklärte Liener. Deutlich mehr der Ältesten könnten nach Akutphase und Rehabilitation wieder ihre Selbstständigkeit zurückgewinnen und alleine zu Hause leben. Das erhöhe deren Lebensqualität erheblich und spart Pflegekosten.

Laut Liener sind aktuell deutschlandweit bereits über 72 dieser Alterstraumazentren zertifiziert; über 180 haben sich bereits zur Zertifizierung angemeldet. In diesen Zentren steht den Patienten ein ortho-geriatrisches Behandlungsteam zur Verfügung und entsprechende Strukturen werden vorgehalten. Alle als AltersTraumaZentrum DGU® zertifizierten Kliniken verpflichten sich außerdem zur Teilnahme am AltersTraumaRegister® – einer Datenbank, mit der Unfallchirurgen qualitätsrelevante Daten zur Versorgung von hochbetagten Patienten sammeln, so Liener weiter. Mit den aus dem Register gewonnenen Daten solle die Behandlung verbessert und Antworten auf wissenschaftliche Fragestellungen zur Fehlervermeidung und Patientensicherheit gefunden werden. „Wir hoffen, dass auf diese Weise immer mehr alte Menschen nach dem Unfall wieder in ein selbstständiges Leben zurückkehren können“, sagte Liener.

(ja)