VSOU-Dialog: „Die Jungen fragen die Alten“

Marie Samland (l.) im Dialog mit Katharina Hemker, Christian Knop, Thomas Wirth und Peter Biberthaler (v.o.n.u.) (Screenshot, hr, Biermann)

Dem Kongressmotto „O & U für Jung und Alt“ entsprechend, haben am ersten Kongresstag zwei junge Ärztinnen vier erfahren Chefärzte zum Dialog eingeladen. In dem erfrischenden Format stellten die Jungen die Fragen, um unter anderem die Zukunftsperspektiven des Nachwuchses auszuloten.

„Für die Attraktivität und Weiterentwicklung des Faches, aber auch für die bestmögliche Zukunftsperspektive für junge Ärztinnen und Ärzte, müssen die Generationen voneinander lernen und sich zuhören“, so wurde das Gesprächsformat im Programm beschrieben.

Den Fragen der jungen Ärztinnen Marie Samland aus Leipzig und Katharina Hemker aus Hamburg, stellten sich die beiden Stuttgarter Kongresspräsidenten Prof. Christian Knop und Prof. Thomas Wirth, sowie die Münchener Professoren Peter Biberthaler und Rüdiger von Eisenhart-Rothe.

Von großem Interesse der Jungen war es herauszufinden, wie und ob sich die ärztlichen Karrieren, damals und heute, voneinander unterscheiden und ob man es alles noch einmal genauso machen würde. Bereut, so vorab in der Zusammenfassung, hatte jedenfalls keiner der Chefärzte auch nur einen seiner Karriereschritte.

Knop zeigte sich voll und ganz zufrieden mit seiner Biografie und würde alles genau so wieder machen, „auch mit zum Teil extrem langen Arbeitszeiten, wie es sie heute so vielleicht nicht mehr gebe“. Wirth betonte, dass ihn seine Auslandsaufenthalte positiv geprägt hätten, insbesondere in Australien, mitsamt seiner junger Familie. Er empfahl dem Nachwuchs, wo es nur gehe, diese Chance in jungen Jahren zu nutzen, „um den Horizont zu erweitern und international zu denken“.

„Machen Sie Ihren Weg und bleiben Sie vor allem dran, auch wenn sich die Rahmenbedingungen zum schlechteren verändern“, forderte Eisenhart-Rothe den Nachwuchs auf und Biberthaler riet dazu „auch nur das zu machen, was Sie spannend findend, damit Sie sich später im Job nicht quälen müssen“.

Assistenzärzte wechseln häufig ihre Ausbildungsstätten, beobachtet Samland und fragte, woran das wohl liegen könnte. Biberthaler bestätigte dies und sah als häufigen Wechselgrund die aktuellen Bedingungen, mahnte aber nicht zu oft und zu leichtfertig zu wechseln, da lange Einarbeitungszeiten die Lehrphase verringerten. Die Optionen an einer neuen Stelle sollten schon entscheidend besser sein. Als Universitätsvertreter empfahl er zudem auch große Kliniken „wo Sie es krachen lassen können“, denn dort könne man durch die Förderung von Wissenschaft und Forschung sich an neuen Entwicklungen und Therapien beteiligen. „Da haben Sie das Gefühl etwas zu bewirken“, so sein Fazit.

Was es bedeutet „für das Fach zu brennen“ wie es viele Alte berichteten wollte Hemker genauer wissen. Wirth, der sich als Generalist bezeichnete, sah dies als einen großen Vorteil für die Begeisterung für das Fach an, da das Wissen und der Einblick in die Breite des Faches sehr befriedigend sei. Den Genuss seiner Arbeit empfinde er besonders dabei, wen er schön und sauber – also perfekt operieren könne.

Von Interesse der Jungen war zudem zu erfahren, wie man im chirurgischen Alltag möglichst viele und interessante Operationen auch im Hinblick auf die Konkurrenz zu Oberärzten erreichen könne. Knop empfahl zunächst einmal „alles zu machen, was kommt – vorbereiten, dabei sein, operieren“. Auch wenn viele interessante OPs oft schon von zwei Oberärzten besetzt seien, sollten die jungen Ärzte, wo immer es möglich ist, sich dazustellen und die Hand heben, etwas zu tun.

Abschließend kam es noch zu Fragen, wie man die Bürokratie im Arbeitsalltag bewältigen könne oder solle. Verschieden Modelle wurden angesprochen und aus anderen Ländern berichtet, etwa einen Schreibtischtag aus Norwegen (Samland) oder eineinhalb feste Tage die Woche, die in Kanada ausschließlich der Wissenschaft und Forschung gewidmet werden können (Wirth). Auch in seiner Klinik, so Wirth, habe man mit festen halbstündigen Fortbildungen im Arbeitstag experimentiert– allerdings dies dann wieder verworfen und in die Zeit nach Feierabend verlegt, da das Arbeitspensum so nicht mehr zu schaffen war. „Wir müssen umdenken“, forderte Wirth. Die Ökonomisierung und Bürokratisierung, dürfe nicht weiter um sich greifen und den Arztberuf einengen. (hr)