VSOU-Kongress 2019: Digitalisierung verändert Rollenbilder von Ärzten und Patienten2. Mai 2019 © iconimage, Fotolia.com Digitalisierung ist eines der Top-Themen des VSOU-Kongresses 2019. Medizin im digitalen Zeitalter, E-Health oder Big Data – auf dem Kongress werden aktuelle Standtards und mögliche Entwicklungen in diesen Bereichen diskutiert. Mit Dr. Sebastian Kuhn wird in Baden-Baden ein deutschlandweiter Experte zur Digitalisierung referieren. Der Oberarzt und Lehrbeauftragte am Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz sowie Initiator des deutschlandweit einmaligen Lehrangebots “Medizin im digitalen Zeitalter” beschäftigt sich seit vier Jahren intensiv mit diesem Thema. Die nächste Ärztegeneration digital kompetent zu machen, ist ihm ein Anliegen. „Den Veränderungsprozessen im Rahmen der Digitalen Transformation ist gemein, dass Ärzte und Patienten intensiv mit digitalen Anwendungen interagieren, neuartige Informationen sowohl Ärzten als auch ihren Patienten zur Verfügung stehen und Daten im Behandlungsablauf immer mehr an Bedeutung gewinnen. Patienten und Ärzte sind hierbei wichtige Partner“, beschreibt Kuhn seine Vorstellungen. Für ihn sollte ein guter Arzt auch einen Blick für den Wandel des Gesundheitssystems und den damit verbundenen neuen digitale Anforderungen haben. Sein Wunsch: Weg vom “Halbgott in Weiß” hin zum Partner des Patienten. Seinen Berufsstand sehe er vielmehr als starken Coach eines selbstbewussten Patienten. Die Implementierung eines Curriculums zur Digitalen Transformation in das Medizinstudium wäre für den Mainzer Orthopäden und Unfallchirurgenein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Vorbild könnte das an seiner Universität bereits umgesetzte Lehrmodul sein, das Kompetenzen zu digitaler Arzt-Patienten-Kommunikation, Smart Devices und Apps, Telemedizin, Virtual/Augmented Reality und Big Data sowie Künstlicher Intelligenz vermittelt. So würden die zukünftigen Ärztinnen und Ärzte bereits in der Ausbildung auf die Anforderungen der digitalen Medizin der Zukunft vorbereitet. Ziel sollte es zudem sein, auch den erfahrenen Ärzten beizubringen, Technologien als Bereicherung zu sehen und richtig zu benutzen. Die intelligente Integration von Mensch und Maschine ist für Kuhn der Königsweg: „Wir als Ärzteschaft sollten aus dem Ablehnen und Ignorieren rauskommen und uns aktiv beteiligen. Denn eines steht fest: Die digitale Transformation findet statt. Wir können sie gut finden, wir können sie schlecht finden. Nur eines sollten wir nicht machen: sie ignorieren.“ Nur wer sich dem technischen Fortschritt nicht verschließe, könne die Medizin der Zukunft aktiv mitgestalten. „Die ärztlichen Aufgaben bleiben die gleichen“, so Kuhn, „Wir müssen nur zusätzlich technische Innovationen verstehen und im Sinne unserer Patienten anwenden oder auch ablehnen.“ Dazu gehören etwa App-integrierte Behandlungskonzepte, die in aktuellen Studien besonders bei chronischen Erkrankungen oder zur postoperativen Rehabilitation vielversprechende Ergebnisse liefern. In Zukunft könnten solche Behandlungen zur Routine werden. Ärzte müssten Patienten dann nicht mehr nur zur Medikation, sondern auch zu digitalen Behandlungsformen beraten können. Dann werde es neben Medikamenten und Hilfsmitteln auch Apps auf Rezept geben. „Neben einem ambulanten und stationären gibt es nun auch ein digitales Kommunikationssetting. Im Laufe der Zeit wird es ganz selbstverständlich sein, dass Patienten sich mit ihren Ärzten auch per Videoanruf oder Chat unterhalten. Therapien werden in Echtzeit aus der Ferne angepasst, beispielsweise durch Änderungen an einem elektronischen Medikamentenplan“, so Kuhn. Dabei spiele das Smartphone aktuell eine wichtige Rolle in der digitalen Medizinkommunikation, zumindest so lange bis es von einer besseren Technologie abgelöst werde.
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