Waffe gegen Tumore, Anschub fürs Immunsystem20. April 2022 T-Lymphozyten vor (links) und nach (recht) der Behandlung mit Röntgenstrahlung. Vor der Bestrahlung hält sich der Transkriptionsfaktor NFAT (nuclear factor of activated T-cells) vorwiegend im Cytosol auf (rote Fluoreszenz). Nach Bestrahlung wandert NFAT in den Zellkern (blaue Fluoreszenz), wo er wichtige Gene für die Immunaktivierung in den Lymphozyten aktiviert. Bild: © Prof. Gerhard Thiel Strahlentherapie ist ein bewährter Ansatz, um Tumore zu zerstören. Sie könnte aber künftig noch mehr – nämlich gleichzeitig das Immunsystem stimulieren und so den Krebs noch intensiver bekämpfen. Forschende unter Leitung der TU Darmstadt fanden jetzt heraus, dass Röntgenstrahlung eine Calcium-Signalkaskade in Zellen des Immunsystems auslöst. Ionisierende Strahlung wird erfolgreich in der Krebstherapie zum Abtöten von Tumorzellen eingesetzt. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich gezeigt, dass der Therapieerfolg noch gesteigert werden kann, wenn die Strahlenbehandlung mit Maßnahmen verbunden wird, die das Immunsystem stimulieren. In diesem Zusammenhang erregt gerade eine neue Studie unter Beteiligung von Biologen der TU Darmstadt und dem GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung sowie Forschenden aus den Kliniken der Universitäten Frankfurt und Homburg Aufmerksamkeit. Die Forschenden berichten im “Journal of General Physiology”, dass der angestrebte stimulierende Effekt auf das Immunsystem schon direkt ausgelöst wird, wenn T-Zellen von Röntgenstrahlen mitbestrahlt werden. Dominique Tandl, Forscherin am Fachbereich Biologie der TU Darmstadt, und ihre Mitautoren zeigen in der nun veröffentlichten Studie, dass klinisch relevante Dosen an Röntgenstrahlung in T-Lymphozyten eine immunreaktionstypische Signalkaskade auslösen, die mit einer Ausschüttung des Botenstoffs Calcium (Ca2+) aus internen Speichern beginnt.Vermittelt durch den sogenannten Store-Operated-Ca2+-Entry(SOCE)-Weg beginnt die Konzentration von Ca2+ in den Zellen mit einer kritischen Frequenz zu oszillieren, was wiederum zur Verlagerung (Translokation) eines Transkriptionsfaktors aus dem Cytoplasma in den Zellkern führt. Dort angekommen, leitet dieser Transkriptionsfaktor eine Genexpression ein, und die Zelle beginnt mit der Herstellung von Molekülen, die für die Immunreaktion wichtig sind, wie etwa Zytokine. Da bei der Bestrahlung von Tumoren unweigerlich immer auch die Blutzellen im Zielgewebe getroffen werden, könnte sich die Medizin die stimulierende Wirkung von Röntgenstrahlung auf T-Lymphozyten nutzbar machen. Die Forschenden hoffen, dass ihre Studien dazu beitragen, langfristig die Krebstherapie zu verbessern, wie Prof. Gerhard Thiel sagt, Leiter des Arbeitsgebiets Membranbiophysik am Fachbereich Biologie der TU Darmstadt und Mitautor der Studie. „Es könnte gelingen, die abtötende Wirkung von ionisierender Strahlung auf Tumorzellen zu verstärken und gleichzeitig mithilfe dieser Strahlung das Immunsystem anzuregen.“ Der Artikel ist online kostenlos im Volltext verfügbar.
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